Syrien: Lage in den Flüchtlingscamps spitzt sich zu

Syrische Flüchtlinge bei der Ankunft im Camp Bardarash in der irakischen Autonomen Region Kurdistan. Bild: UNHCR/Hossein Fatemi

Die Dschihadistenmilizen der türkischen Armee vertreiben die Ansässigen im Nordosten, vor allem Frauen und Kinder fliehen

Am Sonntagabend berichtete das ARD Magazin Weltspiegel, dass immer mehr Familien aus Nordost-Syrien in den Nordirak fliehen. Die Lage in den Flüchtlingscamps dort spitzt sich zu.

Der Journalist und Caritas-Helfer Jan Jessen berichtet vor Ort für den Deutschlandfunk aus einem der Flüchtlingscamps im Nordirak. Er sagt auch, dass die nordirakische Bevölkerung empört und entsetzt ist, "dass der Westen die syrischen Kurdinnen und Kurden und ihre Verbündeten dermaßen im Stich lässt und alleine lässt und dass jetzt sozusagen da jetzt auch ethnische Säuberungen im Grunde genommen vonstattengehen, gegen die der Westen nichts tut".

Zwischen 200.000 und 400.000 Menschen seien auf der Flucht. Viele wollen in die irakisch-kurdische Autonomieregion, wo allerdings immer noch mehr als eine Million Flüchtlinge leben, die vor dem IS geflohen waren. In der Autonomen Region Kurdistan leben gerade einmal 6 Millionen Menschen. Kommen noch einmal Hunderttausende hinzu, wird die kleine Region extrem belastet. Ähnlich ist es im Libanon und in Jordanien, in denen relativ sehr viel mehr Flüchtlinge leben als in der Türkei, die dafür sehr viel stärker Druck auf die EU ausübt und mit den Flüchtlingen die Invasion rechtfertigt, um dorthin nicht nur syrische Flüchtlinge abzuschieben, sondern auch die ansässigen Kurden zu vertreiben und islamistische Provinzen wie in Afrin einzurichten.

Die türkische "Umsiedlungspolitik" wird von der sogenannten Syrischen Nationalen Armee (SNA) unter türkischer Kontrolle auf brutale Weise exekutiert. Foxnews berichtet, dass die von der Türkei finanzierten Dschihadistenmilizen die Dörfer in der besetzten Region zwischen Serekaniye und Gire Spi Haus für Haus durchkämmen, plündern und kurdische Familien töten.

Der deutsche Arzt Michael Wilk, der sich zur Zeit mit einer internationalen Ärztedelegation in der Region aufhält, berichtet von fortlaufenden Angriffen der türkischen Armee und ihrer verbündeten Dschihadisten. Von Waffenruhe sei hier nichts zu merken.

ANF berichtet von Angriffen auf Dörfer um Serêkaniyê. Die türkische Armee und die Dschihadistenmilizen würden mit Artillerie, Drohnen und Panzern vorgehen. Bilder vom bombardierten Zrigan scheinen diese zu bestätigen. Zwar wurde gemeldet, dass die SDF sich zurückziehen, aber es scheint dort weiterhin gekämpft zu werden.

Die Vorsitzende vom kurdischen Roten Halbmond, Cemila Heme, sagt in einem Statement: "Wir haben die Menschheit vor dem IS beschützt. Andere haben Gesetze gemacht, die Menschen und Krankenhäuser im Krieg schützen sollen und nun sind sie es, die die Gesetze nicht befolgen - es brennen unsere Krankenhäuser, sie greifen die Krankenwagen an, ermorden unsere Mitarbeiter*innen und werfen sie in die Kanalisation."

Camp Bardarash. Bild: UNHCR

Nach der UNHCR sind bislang mehr als 10.000 Syrer in den Irak, in die Autonome Region Kurdistan, geflüchtet. In der Nacht zum Freitag waren alleine 900 Flüchtlinge im Camp Bardarash in Duhok in 45 Bussen angekommen. Die Zahl der hier Untergrbachten ist damit auf fast 10.000 angewachsen. Das Camp kann 11.000 Flüchtlinge aufnehmen.

75 Prozent der Flüchtlinge aus dem Nordosten Syriens sind Frauen und Kinder, es seien auch unbegleitete Kinder darunter. In der Provinz Dohuk leben bereits 230.000 Flüchtlinge. In Nordsyrien wurden bislang mindestens 180.000 Menschen vertrieben, meist Frauen und Kinder. 75.000 Flüchtlinge wurden in Syrien in Gemeinden, Schulen oder Camps untergebracht. In der Stadt Hassake leben so Tausende in überfüllten Schulen, so dass weder die Kinder der Flüchtlinge noch die der Stadtbewohner Unterricht haben. (Elke Dangeleit, Florian Rötzer)