Syrien: Obama stockt US-Bodentruppen um 250 Soldaten auf

US-Soldaten ( 82nd Airborne Division) als Ausbilder von irakischen Truppen, 2015 Bild: Spc. William Marlow/US Army/gemeinfrei

Special Forces sollen im Nordosten des Landes die von den Kurden dominierten Milizenverbund "syrische demokratischen Kräfte" (SDF) unterstützen und die Beteiligung sunnitischer Gruppen fördern

US-Präsident Obama kündigte heute in Hannover an, dass er 250 US-Soldaten nach Syrien entsenden werde. Damit wird das US-Bodentruppenkontingent deutlich von 50 auf 300 erhöht. Dass deren Einsatz gegen das Völkerrecht verstößt, da die US-Truppen nicht auf Bitten des syrischen Präsidenten auf syrischem Boden agieren, sollte nicht vergessen werden.

Eingesetzt werden sollen sie im Nordosten Syriens. Nach Informationen des Wall Street Journals (WJS), das über die Pläne Obamas am gestrigen Sonntag mit Verweis auf Quellen in der Regierung und im US-Militär berichtete, sollen die obersten militärischen Berater des Präsidenten zu diesem Schritt geraten bzw. gedrängt haben.

Die amerikanische Führung legt viel Wert darauf, den Einsatz der Truppen herunterzuspielen. "Technisch gesehen" würden sie nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, aber sie würden ganz nahe an den Frontlinien sein, gibt das WJS Vertreter der Regierung wieder.

Mit "Advise and assist" (beraten und unterstützen) wird die operative Rolle beschrieben. Dafür sind 300 Mann eine ganze Menge. Werden russische Einsätze derart gekennzeichnet, so schwingt im Unterton immer mit, dass damit nur die halbe Wahrheit gesagt ist. Das wird auch für den Einsatz der US-Soldaten gelten.

Obama spricht davon, dass die amerikanischen Soldaten den Kampf am Boden nicht anführen werden, sondern "lokale Streitkräfte" ausbilden und unterstützen sollen. Die Truppen bestehen mehrheitlich aus Special Forces. Wie groß deren Anteil ist, dazu gibt es keine offiziellen Angaben.

Sie sollen die syrischen demokratischen Kräfte (SDF) unterstützen, die von kurdischen Einheiten (YPG) dominiert werden - und "die sunnitischen Kräfte" im Nordosten dazu bringen, sich dem "Kampf gegen den IS" anzuschließen, ist dem WSJ-Bericht zu entnehmen.

Die Ankündigung erfolgte nach Obamas Besuch in Saudi-Arabien. Dort war die Lage in Syrien Thema. Saudi-Arabien kündigte vor Wochen an, dass man bereits sei, eigene Bodentruppen nach Syrien zu entsenden, wenn es entsprechende Signale aus Washington gebe bzw. wenn die USA den Anfang machten.

Auch für den anderen Bündnispartner der USA in Syrien, der Türkei, hat die Aufstockung der US-Bodentruppen im Nordosten Syriens Signalkraft. Die Rolle der syrischen Kurden, welche die Türkei bekämpft und die von den USA eine Entweder-Oder-Entscheidung forderte, wird damit relativiert. Die Einladung sunnitischer Verbündeter fügt sich zum Bild, wonach Interessen der Kriegspartner Türkei und Saudi-Arabien bedient werden. Obama hat mit seiner Entscheidung den Falken unter den US-Militärs nachgegeben. Das ist ein großes Risiko für eine Eskalation, falls die Waffenruhe nicht hält.

Dem entgegen gibt es aber das Interesse der USA und Russlands, dass die Waffenruhe hält. So erklärte der Sprecher der Anti-IS-Koalition, Steve Warren, dass die Angriffe auf die al-Nusra-Front in Aleppos unter russischer Beteiligung mit den Vereinbarungen zur Waffenruhe übereinstimmen. Al Nusra sei davon bekanntlich ausgeschlossen.

Dass diesmal das Argument, Russland würde "moderate Rebellen" angreifen, zunächst (?) keine offizielle Unterstützung bekam, ist zumindest ein Zeichen dafür, dass die US-Regierung gegenwärtig nicht versucht, im Gebiet Aleppo Spannungen anzuheizen.

Die Spannungen sind nicht verschwunden, wie der Erklärung Lawrows abzulesen ist, der den USA vorwirft, sie würden ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, ihren Einfluss geltend zu machen, dass bestimmte Gruppen Positionen räumen, die von Terroristen besetzt werden. Vornehmlich gemeint sein dürften die al-Nusra-Front und Ahrar al-Sham.

Anzeige