Syrien: Pläne zur Evakuierung der Weißhelme

Kritische Fragen zur Arbeit der Weißhelme

Begleitet wurden Hilfsaktionen öfter von gut positionierten Fotografen, die wie in einer abgesprochenen Filmszene darauf warteten, dass ein eben spontan aus dem Schutt geborgenes Kind von einem Helfer getragen wird, der auf die Kameras zuläuft. Das ist keine einzelne Szene, sondern ein Muster. Es wäre interessant, wenn sich die Helfer, die nach Deutschland kommen, kritischen Fragen zu ihrer Arbeit und der Darstellung ihrer Arbeit stellen.

Die Darstellung machte zusammen mit der politischen Botschaft die Hauptsache aus. Sie war ausgerichtet an einer unablässigen Darstellung Baschar al-Assads, der syrischen Armee und der russischen Unterstützung als besonders grausam und brutal. Nun ist richtig, dass Luftangriffe, auch wenn sie im Namen der Verteidigung einer Landesregierung zur Verhinderung eines Umsturzes unternommen werden, entsetzliche Auswirkungen haben.

Und es ist richtig und durch den von außen kräftig geschürten Krieg in den Hintergrund getreten, dass Baschar al-Assad politische Repressionen und ziemliche Härten von seinem Vater Hafez übernommen und weitergeführt hat.

Wie auch die enge Verbindung zum Militär, worauf Assad immer sehr geachtet hat, schon vor dem Krieg zu einer Regierungsform geführt hat, die sehr viel Gründe für Kritik liefert. Die Opposition, mit deren Sache sich die Weißhelme völlig identisch machten, hat so gesehen schon ihre Gründe.

Aber: Welche Glaubwürdigkeit hat die Kritik am autoritären System der Assad/Baath-Herrschaft und der Kriegsführung der - legitimen! - syrischen Armee, wenn zugleich ein noch sehr viel mehr autoritäres Herrschaftssystem von - illegitimen - Milizen unterstützt wird, das in seiner Praxis noch viel brachialer-brutaler gegen Andersdenkende und Minderheiten vorgeht und eine religiös untermauerte Diktatur anstrebt? Dokumentierte Beispiele für den Herrschaftsterror der Milizen gab es in jüngster Zeit genug.

Und: Es gab in den Jahren, seit die White Helmets in die öffentliche Bühne hochgespielt wurden, kein einziges vernehmbares kritisches Wort dazu, keine deutliche Distanzierung, nur eine Goodwill-Nähe zum wahnwitzigen Projekt, ohne jeden Plan eine Regierung zu stürzen, um das Land dem Einfluss äußerer Kräfte auszuliefern, die einzig ihrem Interesse folgten.

Das Interesse der äußeren Kräfte an den White Helmets bestand darin, mit ihrer Hilfe und sehr vielen Millionen aus dem Budget der USA und Großbritanniens eine gut vernetzte Öffentlichkeitsarbeit aufzubauen, die zum Sturz der Regierung führen sollte, bzw. als das nicht mehr möglich war, den Imagekrieg gegen Baschar al-Assad und Putin weiterzuführen. (Thomas Pany)