Syrien: Realpolitik und Widerlegung der abgehobenen Narrative

Chemiewaffenangriff: Der Spuk der ungeprüften Behauptungen

Die große Frage ist, ob sich Tillerson und Lawrow darauf einigen konnten, dem Spuk der nicht nachgewiesenen Beschuldigungen der Giftgas-Attacken damit ein Ende zu setzen, dass endlich eine unabhängige Prüfung durch Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) an Ort und Stelle durchgeführt wird.

Im UN-Sicherheitsrat wird eine neue Resolution dazu vorbereitet. Der Einspruch Russlands erfolgte, weil von der syrischen Regierung gefordert wurde, ihre Flugeinsatzpläne offenzulegen. Ein Vorschlag, der von Syrien keine solche Preisgabe verlangt, die militärische Vorteile für ihre Gegner bringt, aber Voraussetzungen schafft für eine unabhängige Prüfung der Umstände und Vorgänge in Chan Scheichun, also geschützt vor den Einflüssen der dort präsenten al-Qaida-Milizen, wäre ein gutes Ergebnis des Treffens der beiden Außenminister .

Das oben erwähnte US-Geheimdienstpapier, das in der New York Times veröffentlicht wurde, bringt keine neuen Erkenntnisse. Aufklärungsbilder, die dort erwähnt werden, werden nicht veröffentlicht. Rekurriert wird auch in diesem Bericht zuletzt auf Videos in den sozialen Medien. Wer sich dort umschaut, bekommt von allen Seiten nur Material zu sehen, das von Lagerinteressen bestimmt ist.

Typisch für die Auseinandersetzung ist, dass auf RT gestern ein Interview mit einem früheren CIA-Mitarbeiter namens Philip Giraldi erschien, wonach die "US-Geheimdienst-Community" auf einer ganz anderen Linie sei als diejenige, welche die US-Regierung nach außen vermittelt. Die Erkenntnisse der Geheimdienste würden verdreht dargestellt, so Giraldis Informationen.

Die Voraussetzung, die der von der New York Times veröffentlichte Geheimdienst-Bericht macht, um zu erklären, warum es Baschar al-Assad nötig hatte, Chemiewaffen einzusetzen, ist dünn. Die syrische Armee habe zu Chemiewaffen gegriffen, um Gegner zu bekämpfen, die Schlüssel-Infrastruktur in Idlib gefährdet hätten. Als ob es dazu nicht auch andere Waffen gebe, die mit geringerem Risiko eingesetzt werden könnten.

Wahrscheinlich ist, dass die Angriffe der syrischen Armee und ihrer Verbündeten auf Ziele in Idlib in der nächsten Zeit intensiviert werden. An der Antwort aus den USA wird man dann abschätzen können, was Tillerson und Lawrow an Absprachen getroffen haben. Die Rhetorik in den Medien ist da ein anderes Feld. (Thomas Pany)