Syrien: Warum das russische Militär erfolgreicher vorgeht als die US-Koalition

"Militärische Diplomatie" und Schonung der Zivilbevölkerung

Es sei eine Eigentümlichkeit des Konflikts, dass gegnerische Milizen zu einem Punkt gebracht wurden, dass sie einem Transfer von Kämpfern einwilligten, stellt Goya heraus.

Im Übrigen bestand eine relevante Modifizierung des russischen Einsatzes darin, dass man ab Februar 2016, ein Zentrum der Wiederversöhnung schuf, mit der Absicht, eine Diplomatie des Krieges einzuführen, die es gestattete, dass die Transfers der Kämpfer geschützt wurden und die Aktion von zivilen Behörden, der UN und von NGOs begleitet wurden. Dieses Zentrum war auch ganz klar ein Organ der (geheimdienstlichen, Einf. d.Verf.) Aufklärung.

Michel Goya

In diesem Zusammenhang kommt der Militärhistoriker auf einen delikaten Punkt zu sprechen: die Verhinderung von zivilen Opfern. Anders als sonst üblich stellt Goya eine Rechnung auf, die den Einsatz der westlichen Verbündeten schlechter aussehen lässt. Goya behauptet, dass der russische Militäreinsatz mehr und mehr und mit zunehmendem Erfolg darauf geachtet habe, Zivilisten zu schonen.

Laut der Website Airwars wurden in den ersten fünf Monaten der russischen Präsenz in Syrien mehr als 2.000 Zivilisten getötet. In der Folge sind die zivilen Verluste jedoch zurückgegangen, das hängt mit den Veränderungen des Engagements zusammen, aber auch mit der Erfahrung, die russische Piloten gesammelt hatten, und mit der Verwendung von besseren Geräten, etwa dass Kampfhubschrauber des Typs Mi-28-N und Ka-52 die Flugzeuge Su-25 bei den Unterstützungsmissionen ersetzt hatten. (…)

Zwar blieben die Verluste unter der Zivilbevölkerung auf einem erhöhten Niveau, aber die Tendenz ging deutlich nach unten. Laut Airwars belaufen sie sich in der Gesamtheit zwischen 4.000 und 5.400 getöteten Zivilisten. Sie sind mit den Zahlen zwischen 5.300 und 8.200 toten Zivilisten in Vergleich zu ziehen, die der amerikanischen Koalition zugerechnet werden.

Michel Goya

Freilich bleibt offen, wie belastbar diese Zahlen sind, auch liegen solche Vergleichen und Gegenrechnungen eine kalte Perspektive auf das Monströse des Krieges zugrunde, das Goyas Namensvetter Jahrhunderte zuvor in seiner Schrecklichkeit anprangerte. Dennoch rückt die Sicht des Militärhistorikers Michel Goya einiges zurecht, was in der Berichterstattung der Leitmedien mit Feindbildverzerrung dargestellt wurde. Man darf auf Reaktionen gespannt sein.

Auch kommt Goya gar nicht auf die Rolle der Bodentruppen etwa der Hizbollah und der syrischen Armee zu sprechen, die wesentlich zum Erfolg der russischen Intervention beitrugen. Seine Analyse ist im Original, zu lesen in seinem Blog "La voie de l'Epée", weitaus ausführlicher und spezifischer, was den Einsatz von Satelliten, den Test von Waffensystemen, neuer und alter Technik und spezielle Taktiken der kombinierten Operationen anbelangt. (Thomas Pany)

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