Syrische Flüchtlinge: Kanada will nur Familien aufnehmen

An deutsch-österreichischen Grenzübergängen treffen weiter täglich Hunderte von Flüchtlingen ein

Als Justin Trudeau zum neuen Ministerpräsidenten Kanadas gewählt wurde, versprach er nicht nur eine Wende in der Drogenpolitik (Link auf 46320), sondern auch beim militärischen Einsatz - die Luftangriffe auf den IS wurden eingestellt und in der Flüchtlingspolitik. Bis Jahresende sollen 25.000 syrische Flüchtlinge ins Land kommen, verkündete Trudeau.

Detaillierte Planungen für die landesweite Unterbringung laufen bereits, die Kosten werden auf insgesamt 1,2 Milliarden kanadische Dollar, etwa 700 Millionen Euro, geschätzt. Es komme nicht infrage, dass Flüchtlinge in Zelten untergebracht würden, heißt es.

Nun berichten Medien, dass die kanadische Regierung morgen ihre genauen Pläne verkünden wird und dass eine Einschränkung zu erwarten ist.

Laut Quellen in der Regierung will man keine Single-Männer aus Syrien ins Land lassen, nur Frauen, Kinder und Familien. Als Grund dafür werden Sicherheitsbedenken in Folge der Terroranschläge in Paris angegeben.

Schon jetzt habe man täglich 100 Dossiers der Flüchtlinge aus Syrien genau studiert, um Risiken auszuschließen. Um die Übersicht zu behalten soll die Zahl der täglich Ankommenden auf 900 Flüchtlinge beschränkt werden. Sie werden zunächst zu Kasernen gebracht, es stünden auch leere Krankenhäuser und Hotels zur Verfügung.

Die Größenordnung der Flüchtlingszahlen, mit der man auch an den winterlichen Tagen am deutsch-österreichischen Grenzübergang zu tun hat, bewegt sich in einem ähnlichen Bereich wie in Kanada.

Wie heute aus Freilassing berichtet wird, hielten sich am Morgen in der Notunterbringung etwas mehr als 600 Flüchtlinge auf, die dann in Deutschland "weiterverteilt" würden. 400 Flüchtlinge würden auf der österreichischen Seite auf Durchlass warten. 50 Flüchtlinge würde die deutsche Bundespolizei pro Stunde über die Grenze lassen. Am Sonntag seien "zeitweise rund 770 Flüchtlinge in der Freilassinger Notunterkunft gewesen".

Vergangene Woche wurden noch 1.200 Flüchtlinge an einem Tag in Freilassing erwartet. Vom österreichischen Grenzübergang zu Slowenien, Spielfeld, heißt es, dass weniger Flüchtlinge als noch vor einer Woche zu versorgen waren: 3.500 waren es am Sonntag.

Heute sollen in der Sammelstelle in Spielfeld rund 1.000 Migranten auf einen Weitertransport in österreichische Bundesländer und an die deutsche Grenze gewartet haben. Auf slowenischer Seite warteten 700 Flüchtlinge darauf, nach Österreich gelassen zu werden.

Neu ist, dass nun deutlich mehr Flüchtlinge aus Slowenien nach Kärnten gebracht werden. Seit Samstag kämen in Kärntner Transitquartieren täglich 3.200 Flüchtlinge an, zuvor seien es nur etwa halb so viele gewesen. Laut der österreichischen Zeitung Standard kamen 1.600 mit dem Zug aus Slowenien und 1.600 täglich mit Bussen durch den Karawankentunnel. Sie würden entweder in den Transitunterkünften versorgt oder gleich weitertransportiert.

Ergänzung:

Nach Angaben der Bundespolizei, die heute am Spätnachmittag veröffentlicht wurden, lagen die Gesamtzahlen bei den Grenzübertritten über "einigen Hundert pro Tag". So berichtet der Spiegel:

Am Wochenende seien 14.482 Flüchtlinge gezählt worden. Am Sonntag seien es 7362 Migranten gewesen, davon 6128 in Bayern, sagte der Sprecher. Am Samstag habe man bundesweit 7120 verzeichnet, 5913 davon seien über Österreich gekommen. Die Zahlen der Bundespolizei beruhen auf Kontrollen im Grenzgebiet, durch sie werden jedoch längst nicht alle Migranten erfasst.

Im gesamten November zählte die Bundespolizei bislang rund 180.000 Flüchtlinge. (Thomas Pany)

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