Syrische Streitkräfte durchbrechen Belagerung von Deir ez-Zor

Vorstoß auf Deir ez-Zor. Karte: Southfront

Kämpfe um die Versorgungsroute

Dem syrischen Verteidigungsministerium zufolge ist es der syrischen Armee zusammen mit der Miliz Quwāt ad-Difāʿ al-Watanī gestern gelungen, nach fast drei Jahren die Belagerung der Ölstadt Deir ez-Zor durch die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu durchbrechen und über die Tiger-Eliteeinheit von Generalmajor Suhail al-Hasan eine Landverbindung mit der Basis der Brigade 137 von General Issam Zahreddine einzurichten, die vorher nur auf dem Luftweg versorgt werden konnte.

Die syrische Nachrichtenangentur SANA belegte diese Meldung mit einem Video - inzwischen wurde sie auch von der oppositionsnahen in England ansässigen "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" bestätigt.

Die Streitkräfte hatten die unmittelbare Umgebung von Deir ez-Zor bereits am Wochenende erreicht, waren aber auf Widerstand der Terroristen gestoßen, die ihnen mit Sprengstoff bepackte Fahrzeuge und Selbstmordattentäter entgegenschickten. Dank der Unterstützung durch russische Flugzeuge und Kalibr-Marschflugkörper, die von der Fregatte "Admiral Essen" abgefeuert wurden, konnte dieser Widerstand jedoch überwunden werden, wobei dem russischen Verteidigungsministerium nach "Befehlsstände, Munitionslager, eine Funkstelle eine Werkstatt für die Instandsetzung von Panzertechnik" und über 50 so genannte "Toyota Technicals" zerstört wurden: Pickup Trucks, auf deren Ladefläche schwere Maschinengewehre montiert sind. 100 bis 150 IS-Terroristen sollen ums Leben gekommen sein.

Weiter schwere Kämpfe

Die Kämpfe um die Stadt dauern auch nach dem Durchbrechen des Belagerungsrings an: Nicht nur zwischen den Gasfeldern von Kharratah und der Basis der 137en Brigade, wo die syrischen Streitkräfte versuchen, den Korridor zur zu verbreitern, sondern auch an der von der Armee freigekämpften Versorgungsroute zwischen as-Sunhna und dem Euphrat. Dort zerstörte der IS nach Angaben seiner Propagandaagentur Amaq in der Umgebung des Dorfs Kobajjep fünf Fahrzeuge der Armee, darunter einen BMP-Schützenpanzer. Wer das Dorf derzeit beherrscht, ist aufgrund widersprüchlicher Meldungen unklar.

Weitere Kämpfe zwischen der Armee und dem IS gibt es in der Umgebung von asch-Scholah und Sarayim, einem Dorf südöstlich der Doubayat-Gasfelder in der Provinz Homs, das von den Dschihadisten gehalten wird. An der Grenze zu Jordanien gelang es Regierungskräften unter Führung des 5. Angriffskorps, von den USA unterstützten "Rebellen" die drei Grenzposten 170, 171 und 172 abzunehmen. Die Posten 165 bis 169 hatten sie bereits Ende August zurückerobert. Nun stoßen sie weiter in Richtung der Garnison at-Tanf vor.

BKA warnt vor Anschlägen auf Bahnschienen

Verliert der IS seine beiden letzten größeren Städte Deir ez-Zor und ar-Raqqa (wo von den USA unterstützte Kurden auf dem Vormarsch sind), erwarten Beobachter, dass er sich noch mehr als bislang Terroranschlägen in Europa zuwenden könnte, um seinen Anhängern "Erfolge" zu präsentieren. Nachdem der Flugverkehr genau kontrolliert wird und viele größere Plätze mit Betonpollern vor Angriffen von Dschihadisten geschützt wurden, diskutieren Anhänger der Terrororganisation jetzt Anschläge auf Bahnschienen, die Züge zum Entgleisen bringen sollen, wie das deutsche Bundeskriminalamt im August warnte.

Im niederösterreichischen Rohrbach an der Gölsen hatten zwei afghanische Asylbewerber kurz vorher Baumstämme auf Schienen gelegt, die jedoch rechtzeitigt entdeckt wurden. Noch unbekannt sind die Täter, die am Montag in oberösterreichischen Schlüßlberg Granitsteine auf die Gleise der Bahnstrecke Wels - Passau legten. Auch diese Hindernisse konnten nach einer zeitweisen Sperre des Bahnverkehrs entfernt werden, bevor ein Unglück geschah.

Damit Behörden Terrorplänen nicht auf die Schliche kommen, gibt das deutschsprachige Magazin Kybernetiq Dschihadisten Hinweise, wie sie verschlüsselt und unauffällig kommunizieren können. Diese Hinweise sind nach Ansicht des Kryptographieexperten Hadmut Danisch "fundiert". Der an einen Bundeswehrslogan angelehnte Aufruf "Mach etwas, was bei Allah wirklich zählt", der auf dem Titel des Magazins steht, gilt dagegen als nur schwach verschlüsselter Aufruf zu Terroranschlägen. (Peter Mühlbauer)