Syriza-Sonderparteitag im September

Tsipras überwirft sich mit seinem eigenen Wahlprogramm

Tatsächlich ist Tsipras aktueller Kurs vollkommen konträr zum Syriza-Wahlprogramm. Dies bestätigte Energieminister Panos Skourletis, der selbst zur Fraktion der Tsipras-Unterstützer zählt. Skourletis verteidigte den Kurswechsel mit einem Hinweis darauf, dass Syriza im Wahlkampf schlicht zu naiv aufgetreten sei. Pikant ist, dass Skourletis den Wahlkampf als Pressesprecher der Partei maßgeblich leitete.

Auf der Gegenseite beklagten die Vertreter der KOE, der kommunistischen Organisation Griechenlands, dass Syriza mittlerweile marxistische und leninistische Theorien überhaupt nicht mehr repräsentieren würde. Die KOE, eine der Parteiströmungen von Syriza, zog Konsequenzen. Ihre 17 Mitglieder des ZKs traten geschlossen zurück, was eine Abspaltung in den nächsten Tagen nahe legt.

Foto: Wassilis Aswestopoulos

Die linke Plattform unter Panagiotis Lafazanis versucht dagegen weiterhin den Spagat. Man möchte die Sparmemoranden und sämtliche damit zusammenhängenden weiterhin auch im Parlament ablehnen, aber die Regierung stützen. Lafazanis wetterte in seiner Rede, dass Tsipras dem Land eine Diktatur des Euro bescheren würde. Ein Parteikongress nach erfolgtem Vertragsabschluss könne doch nur dazu dienen, die verwerfliche Ausbeutung des eigenen Volks im Nachhinein abzusegnen, meinte er.

Konsequenzen zogen Lafazanis und Co noch nicht. Der frühere Energieminister rief seine Genossen zur sofortigen Einführung der Drachme auf. Notwendige Devisen könne sich das Land in Windeseile besorgen, wenn die mindestens 35 Milliarden im Umlauf befindlichen Banknoten in Drachmen getauscht würden, meinte Lafazanis, der zudem von unzähligen weiteren, unter Kopfkissen gebündelten Milliarden fabulierte.

Für Statistiker sei erwähnt, dass die Sitzung, die im Kino Kerameikos nahe dem Omonia Platz stattfand, um 10 Uhr begann und erst nach 24 Uhr beendet wurde. Tsipras selbst erschien mit zwei Stunden Verspätung zu seiner Rede. Alles in allem klang der Premier genauso wie seine Gegner beim Wahlkampf im Januar. Tsipras im Juli rechnete mit dem Tsipras des Januars ab. (Wassilis Aswestopoulos)

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