THAAD-Raketenabwehrsystem wird in Rumänien installiert

THAAD-System bei einem Test. Bild: MDA

Es war auch schon von Deutschland die Rede. THAAD soll ab Sommer das Raketenabwehrsystem in Deveselu ersetzen, das upgedated wird

Das European Command (EUCOM) des Pentagon meldete am 11. April, dass "nach Aufforderung der Nato" der US-Verteidigungsminister ein THAAD-System (Terminal High Altitude Area Defense) im Sommer nach Rumänien verlegen wird. Nachdem bereits das amerikanische Raketenabwehrsystem in Deveselu (teilweise) zur Nato BMD (Ballistic Missile Defense) im Rahmen des European Phased Adaptive Approach (EPAA) wurde, soll das THAAD vorübergehend während eines Updates des Aegis-Systems die Lücke füllen und gegen die angeblich wachsende Bedrohung durch ballistische Raketen außerhalb des "euro-transatlantischen Gebiets" schützen.

Versichert wird, dass die Modernisierung des Aegis-Systems routinemäßig geschehe und keine "offensiven Kapazitäten" hinzugefügt werden. Bekannt ist allerdings, dass mit der "offenen Architektur" des Aegis-Systems viele unterschiedliche Raketen, auch mit nuklearen Sprengköpfen aufgerüstete Tomahawk, abgefeuert werden können.

Es gab schon einmal im letzten Jahr das Gerücht, dass das Pentagon überlege, zusätzlich zu dem in Rumänien befindlichen Aegis-Raketenabwehrsystem in Deutschland ein THAAD-System in Deutschland zu stationieren (Kommt das US-Raketenabwehrsystem THAAD nach Deutschland?). Offenbar hat man sich dagegen entschieden, es wäre auch sehr provokativ gewesen und wäre wohl auf den Widerstand eines Teils der Deutschen gestoßen. Man muss vermuten, dass die Überlegungen bereits auf dem Hintergrund entstanden sind, aus dem INF-Vertrag auszusteigen, sicher ist, dass sie auch durch die Verzögerungen im Aufbau des Aegis-Raketenabwehrsystems im polnischen Redzikowo verbunden waren, das eigentlich 2018 einsatzbereit sein sollte, dies aber bestenfalls ab 2020 sein wird.

Zu heftigen Reaktionen kam es, als die USA angesichts der damaligen nordkoreanischen Drohungen ein THAAD-System in Südkorea installierten. Dabei ging es nicht um die Raketen, die nur eine Reichweite von 200 km haben, sondern um die damit verbundenen Radarsysteme, die weit nach China und Russland hineinsehen und aufsteigende Flugzeuge oder Raketen früh erkennen können.

Gegen Drohungen von außerhalb des "euro-transatlantischen" Gebiets

Nach Rumänien verlegt wird es eindeutig, dass das Raketenabwehrsystem nicht primär gegen Iran oder Nordkorea, sondern gegen Russland gerichtet ist. Das hatten die USA und die Nato immer bestritten und damit Russland bezichtigt, Fake News in die Welt zu setzen. Jetzt hat EUCOM das schon eingeräumt, wenn man von Drohungen außerhalb des "euro-transatlantischen Gebiets" spricht. Gibt es Anzeichen, dass Russland europäische Nato-Staaten angreifen könnte? Die Nato suggeriert dies immer, wenn sie von der "russischen Aggression" spricht, aber dafür gibt es bislang keine Belege.

Ähnlich wie das russische S-400-Raketenabwehrsystem wurde weder das landgestützte Aegis- noch das THAAD-System bislang im realen Einsatz getestet. Die USA haben vermieden, nordkoreanische Raketen abzuschießen, Russland schreckte davor zurück, in Syrien damit amerikanische oder israelische Angriffe abzuwehren. Die Abschreckungswirkung aller Systeme ist also nur auf nicht realistische Tests begründet und damit vorerst auf Fiktion.

Das auch deswegen, weil sowohl Russland als auch die USA versuchen, ihren Raketenabwehrsysteme zu verkaufen und sie als überlegen darzustellen. Ein Scheitern im wirklichen Einsatz wäre höchst geschäftsschädigend. Aber nicht nur das. Wenn andere Staaten die Raketenabwehr übernehmen, werden sie auch abhängig. Zur Diskussion steht dies gerade im Fall der Türkei, die das russische S-400-System und die amerikanischen F-35-Kampfflugzeuge erwerben will. Für die USA ein No go. Wenn S-400-Systeme gekauft werden sollen, sollen keine F-35-Flugzeuge an den Nato-Staat geliefert werden und keine Teile dafür mehr in der Türkei hergestellt werden dürfen. (Florian Rötzer)

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