TTIP soll US-Käseberg abbauen

Asiago. Foto: Public Domain

Amerikaner beklagen hohe Zölle und Herkunftsbezeichnungen - Europäer kritisieren feinschmeckerfeindliche Hygienestandards

Bei den Verhandlungen für das Freihandelsabkommen TTIP fordern die US-Vertreter, dass Zölle in Höhe von derzeit 36 Prozent und andere Beschränkungen, die bislang den Export von amerikanischem Käse nach Europa behindern, komplett wegfallen. Ein Grund dafür, warum dieses Ziel mit besonderem Nachdruck verfolgt wird, ist, dass zwischen New York und San Francisco ein "Käseberg" wächst:

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Um diesen Käseberg selbst abzubauen, müssten die Amerikaner einer Rechnung des Wall Street Journal nach alleine 2016 drei Pfund Käse pro Kopf mehr essen - dass das geschieht ist trotz einer Preissenkung auf etwa die Hälfte der Preise von 2014 und trotz des Postulats des ProSieben-Jumbos, es könne auf einer Pizza nie genug Käse geben, unwahrscheinlich. Weil die Anbieter die Preise nicht unter die Herstellungskosten fallen lassen wollen, lagern sie derzeit über 550.000 Tonnen Käse ein, was einen Bauboom für neue Kühlhäuser auslöste.

Ursache des Preisverfalls und des Überangebots ist der in der Volkswirtschaftslehre altbekannte "Schweinezyklus": Als die Milchpreise stiegen, investierten viele Farmer in größere Ställe und mehr Kühe, die jetzt mehr Milch produzieren. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet 2016 97 Millionen Tonnen - so viel wie noch nie.

Zu den Importschranken, die sie gerne beseitigt hätten, zählen die Amerikaner auch die geschützten Ursprungsbezeichnungen in der EU. Sie sorgen seit 1997 dafür, dass zum Beispiel Feta-Käse entweder aus Griechenland kommen oder anders benannt werden muss (wobei kleine Produktionsschritte in Griechenland reichen, um sich die Bezeichnung zu sichern - vgl. Könnte Schwarzwälder Schinken auch aus Timbuktu kommen?). Könnten US-Produzenten ihren Asiago und andere Käsesorten in Europa unter den Gattungsnamen anbieten, würden sie ihrer Rechnung nach deutlich mehr absetzen.

Die Europäer, die beim Export ihrer Milchprodukte in die USA mit 18 Prozent nur halb so viel Zoll zahlen wie umgekehrt, beschweren sich dagegen über Verbraucherschutzregeln, die ihrer Meinung nach die Einfuhr von Delikatessen und Feinschmeckerwaren in die USA unnötig erschweren: Das Standardbeispiel dafür ist der Mimolette-Käse, dessen kraterartige Rinde durch Milben erzeugt wird. US-Behörden blockierten die Einfuhr größerer Mengen dieses Lieblingskäses von Charles de Gaulle mit dem Argument, die Milben könnten allergische Reaktionen auslösen. Das können allerdings auch Erdnüsse und zahlreiche andere Lebensmittel. Die von den US-Zollbehörden benutzte Formulierung, Mimolette bestehe "als Ganzes oder zum Teil aus einer dreckigen, übelriechenden oder verdorbenen Substanz" und sei "nicht zum Verzehr geeignet" empörte französische Hersteller und Medien, die argumentierten, an ihren Produkten sei noch nie jemand gestorben.

Dass der US-Käseberg wächst, liegt aber nicht nur an der gestiegenen Milchproduktion, sondern auch daran, dass Anleger mehr Vertrauen in den Dollar als in den Euro haben, weshalb die US-Währung mehr nachgefragt wird und deshalb im Verhältnis teurer wurde. Mit ihr teurer wurden US-Produkte - was maßgeblich dazu beitrug, dass der US-Käseexport nach Europa um 14 Prozent zurückging.

Die Käseexporte aus Europa in die USA stiegen dagegen um 23 Prozent und liegen aktuell bei 31.239 Tonnen. Damit sind die USA der wichtigste Abnehmer von Käse aus der EU, wo Bauern seit dem Sanktionskrieg mit Russland stark gesunkene Milchpreise beklagen (vgl. Moskau: Asiatische Milliardeninvestition in Milchproduktion). (Peter Mühlbauer)

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