TU Peking: Patriotische junge Menschen unter 18 sollen KI-Waffensysteme voranbringen

Bild: TU Peking

Außergewöhnlich kluge und kampfbereite junge Menschen wurden für ein experimentelles Forschungsprogramm ausgewählt, um in der militärischen KI-Entwicklung Chinas Überlegenheit zu befördern

Mit aller Macht und viel Geld versucht China seit einiger Zeit, bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und der Anwendung von KI-Systemen zur führenden Nation werden - auch im Bereich der militärischen Systeme. Zwar gibt es wie im Kalten Krieg auch wieder einen Wettkampf um die Präsenz im Weltraum, der die USA seinerzeit dazu trieb, als erste auf dem Mond zu landen, heute ist aber die Überlegenheit in der digitalen Technik wirtschaftlich und militärisch wichtig. In den künftigen konventionellen Kriegen, bei denen digitale Technik bis hin zu autonomen (Kampf)Systemen immer wichtiger wird, und in den Cyberwars dürfte KI entscheidend werden.

Wie die SCMP berichtet, hat die chinesische Führung zu einem neuen Mittel gegriffen, um schneller voranzukommen. Es wurden 27 junge Männer und vier Mädchen unter 18 Jahren aus 5000 Kandidaten für ein experimentales Programm an der Technischen Universität Peking (BIT) ausgewählt. Bei dem Programm, das auf vier Jahre angelegt ist, geht es um die Entwicklung "intelligenter Waffensysteme". Das BIT gilt als eine der führenden Forschungsuniversitäten, auch im Bereich militärischer Waffentechnik.

Einer der Professoren, der an dem Programm beteiligt ist, aber seinen Namen nicht genannt sehen will, sagte, die ausgewählten Jugendlichen seien "außergewöhnlich klug". Man habe aber auch nach anderen Kompetenzen wie kreatives Denken, Bereitschaft zu kämpfen und Durchhaltewillen bei Problemen gesucht: "Ein Leidenschaft zur Entwicklung neuer Waffen ist ein Muss - und sie müssen auch Patrioten sein." Eine politisch willige, weil patriotische Elite wurde also ausgewählt, wo man sich von außen von vorneherein fragen muss, wie innovativ diese Auserwählten wirklich sein werden. Man beschreite einen neuen Weg, heißt es von der Universität, und mache, was vorher noch nie probiert wurde.

Man erwartet offenbar viel von den jungen Menschen, die jeweils von zwei Waffenwissenschaftlern betreut werden, einem aus der Rüstungsindustrie und einem aus der akademischen Forschung. Nach einem ersten Kurs im ersten Semester sollen sich die Studenten schnell spezialisieren und werden dann Labors zugeordnet, wo sie weiterforschen können. Nach den vier Jahren sollen die Studenten promovieren und zu den neuen Vorreitern des chinesischen KI-Waffenprogramms werden.

Wenn man spekulieren will, scheint man sich zu erwarten, dass mit den jungen Menschen, die gleich auf die Schiene von KI-Waffenentwicklung gebracht werden, mehr neue Ideen vielleicht auch schneller ausgebrütet werden, als wenn man ältere, bereits erfahrene Wissenschaftler auf die Entwicklung ansetzt. Insofern unterscheidet es sich von dem Konzept des Pentagon, das mit der Forschungsbehörde Darpa nicht auf junge Menschen setzt, sondern auf Ausschreibungen auch für Techniken, die dem Wissenschaftsestablishment als unmöglich oder verrückt erscheinen mögen, die aber dann, wenn sie doch angeschoben werden können, die militärische Überlegenheit in der Waffentechnik sichern können. Finanzielles Risiko nimmt man in Kauf, gefördert werden dadurch auch Startups oder die Verbindungen in die Privatwirtschaft. Ins Auge gefasst wurde auch die Möglichkeit, wissenschaftliche Forschung gleich an Maschinen zu delegieren: Pentagon will wissenschaftliche Forschung durch KI-Systeme ersetzen.

SCMP verweist auf kritische Stimmen aus den USA, die das Programm als gefährlich betrachten, auch wenn noch gar nicht klar ist, ob es tatsächlich im Sinne der Waffenentwicklung erfolgreicher sein wird als die üblichen Forschungsprogramme. Das chinesische Außenministerium erklärte auf Anfrage, man entwickle aktiv die KI-Technik und wende sie an, um der Wirtschaft, der gesellschaftlichen Entwicklung und dem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zu dienen. Man sei sich aber der Probleme von autonomen Waffensystemen bewusst und unterstütze die Prüfung von Präventionsmaßnahmen durch die internationale Gemeinschaft.

Auf der Ebene der Vereinten Nationen wird seit einiger Zeit darüber verhandelt, auch über ein mögliches Verbot (ICRC: "Ein Waffensystem ohne menschliche Kontrolle ist von Natur aus rechtswidrig"). Aber in der Regel widersetzen sich die USA, noch in der Position der militärischen Überlegenheit, Abkommen zum Verbot von neuen Waffensystemen und zu dessen Kontrolle. Das ist bei biologischen Waffen der Fall, aber auch bei der Militarisierung des Weltraums oder des Cyberspace. So lange die USA blocken, haben es Russland oder China leicht, für Abrüstungsabkommen einzutreten. Allerdings ist die Frage, ob bereits vor der Ankunft autonomer Systeme der Mensch noch viel zu entscheiden hat. Schon jetzt entscheiden Militärs meist nur aufgrund von computergenerierten Daten, weswegen ein Mensch "in the loop" eher die Risiken von autonomen KI-Systemen verstärkt, die eine Black Box sind (Autonome Systeme: "Technisches Roulette" im Wettrüsten). (Florian Rötzer)

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