Täter: "Ich will Muslime töten"

Mit einem Lieferwagen fuhr ein Mann in London in eine Gruppe von Muslimen, als sie ein Gebetshaus verließen

In London scheint sich die Stimmung im Brexit-Großbritannien nach dem Wahldebakel und nach dem verheerenden Brand in einem Hochhaus aufzuheizen. Die von islamistischen Terrorgruppen wie al-Qaida und Islamischer Staat propagierte Methode, mit Fahrzeugen in Menschenmengen zu fahren und beliebige Menschen zu töten, wurde auch beim letzten Terroranschlag in London praktiziert.

Die Terroristen und ihre Anhänger, die im Westen im Namen des Islam Angst und Schrecken mit blutigen Anschlägen auslösen wollen, deren Opfer alle werden können, scheinen nun eine ebenso blinde und tödliche Wut ausgelöst zu haben, mit denselben Waffen einen Anschlag gegen Muslime auszuführen. Im Norden Londons, im Stadtteil Finsbury Park. raste um Mitternacht ein Lieferwagen in eine Gruppe von Muslimen, die gerade das Muslim Welfare House, ein kleines Gebetshaus, verließen. Dabei wurde ein Mann getötet, 8 Menschen wurde so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Eine ganz in der Nähe befindliche große Moschee, aus der ebenfalls Gläubige strömten, war angeblich in der letzten Zeit bereits Ziel von antimuslimischen Angriffen.

Die aufgebrachte Menge hielt den Fahrer fest, der später von der gerufenen Polizei mit der Anklage auf Mordverdacht verhaftet wurde. Er soll einer psychiatrischen Begutachtung unterzogen werden. Angeblich musste der Imam einschreiten, um die Menschen davon abzuhalten, dem Täter Schlimmeres anzutun. Der 48-Jährige soll gesagt haben: "Ich will Muslime töten" und "Ich habe meinen Teil getan." Nach einem Zeugen seien zwei weitere Personen geflohen. Die Polizei berichtet, dass es nach dem Stand der Dinge derzeit keine weiteren Verdächtigen gebe. Im Wagen seien keine weiteren Personen gewesen. Kritik wurde laut, dass die Polizei länger gebraucht habe, an den Tatort zu kommen, als bei islamistischen Anschlägen.

Zeugen beschrieben den Vorfall als gezielten Angriff. Die angeschlagene Premierministerin Theresa May kündigte an, dass der Vorfall als möglicher Terroranschlag betrachtet werde. Untersucht wird er vom Antiterrorkommando der Polizei. Innenministerin Amber Rudd erklärte, nachdem nun die Sicherheit muslimischer Einrichtungen und Moscheen in den Blickpunkt rückte, die bislang eher als Brutstätten des Terrorismus galten, wie May noch nach Manchester sagte, es gebe einen Fonds von 2,5 Millionen Pfund, der letztes Jahr für 12 Moscheen aufgelegt worden sei. Sie wolle den Fonds für andere Gebetshäuser öffnen, die mehr Sicherheit fordern: "Wir werden sicherstellen, alles zu tun, was wir können, um diese Art der Angriffe zu reduzieren."

Der Generalsekretär Harun Khan des Muslim Council of Britain's (MCB) sagte, während der letzten Zeit sei es bereits zu vielen islamfeindlichen Angriffen gekommen, dies sei nur der gewalttätigste bislang gewesen. Der Täter, so Khan, scheine auch von Islamfeindlichkeit getrieben zu sein. Er forderte die Polizei auf, nun am Ende des Ramadan, wo viele Muslime Moscheen besuchen, dringend die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. (Florian Rötzer)

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