Taliban, Corona und andere Plagen

Gefährdet der Ausbau erneuerbarer Energien die Versorgungssicherheit? Von Wolfgang Pomrehm

Zu den häufigsten Einwänden gegen den Ausbau der erneuerbaren Energieträger gehört der Verweis auf die Versorgungssicherheit, die durch diese gefährdet sei. Anfang des Jahres warnte zum Beispiel Henrik Paulitz in einem aufrüttelnden Interview hier auf Telepolis vor den vermeintlichen Gefahren der Energiewende aufgrund fehlender Langzeitspeicher. In düstersten Farben entwarf er ein Bild, der nach dem Abschalten der letzte AKWs zum Jahresende 2022 drohenden Verhältnisse.

Kurz darauf hatte ihm bereits Ralf Streck geantwortet und auf die für das europäische Stromnetz destabilisierende Wirkung des französischen Mix aus hohem Atomstromanteil und weit verbreitete Stromheizungen hingewiesen.

Deutschland mit seinem Atomstromanteil von nur noch 12,6 Prozent (2020), ist aber auf jeden Fall sehr weit weg von einer Gefährdung der Netzstabilität und der Versorgungssicherheit. Das zeigen Statistiken, die die Bundesnetzagentur vergangene Woche, am 23. August, veröffentlichte.

Demnach war der von der Agentur seit 2006 jährlich ermittelte Index für die Unterbrechung der Stromversorgung 2020 so niedrig wie nie zuvor und hatte sich gegenüber 2006 sogar halbiert. Mit leichten Schwankungen zeigt der Index über die vergangenen 15 Jahre eine deutlich abnehmende Tendenz.

Das heißt, die in Deutschland ohnehin im internationalen Vergleich außergewöhnlichen Stromunterbrechungen nehmen weiter ab, und zwar bei einem steigenden Anteil der Erneuerbaren an der Nettostromproduktion. 2020 betrug er bereits rund 51 Prozent. (Harald Neuber)