Taliban in Kundus

Militärisch wurde offenbar nach 14 Jahren nichts bewirkt

Die Eroberung von Kundus, Hauptstützpunkt der Bundeswehr, durch die Taliban setzt ein Zeichen. Wir haben angeblich Deutschland am Hindukusch verteidigt und nun offensichtlich verloren, auch dann, wenn die afghanischen Sicherheitskräfte mit der Unterstützung der US-Luftwaffe die Stadt wieder einnehmen sollten.

Allein dass die Taliban einen koordinierten Anrgiff auf Kundus ausführen konnten, muss die Fähigkeiten der Geheimdienste, vor allem die der amerikanischen, düpieren. Sie wollen angeblich zur Terrorabwehr auf alle Daten Zugriff haben, aber sind nicht in der Lage, im Ausland größere Veränderungen vorherzusagen, was schon beim arabischen Frühling der Fall war, geschweige denn, Entwicklungen beeinflussen zu können.

Wie im Irak konnten wenige hundert Kämpfer die regulären Sicherheitskräfte in die Flucht schlagen und offenbar mit Überfällen und Straßenbomben nachrückende Truppenverbände hindern, schnell vorzurücken. Angeblich wurde die Rückeroberung der Stadt durch die Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung verhindert. Das heißt lediglich, dass man nicht eine ganze Stadt in Schutt und Asche legen will, um ein paar hundert Aufständische zu vertreiben. Natürlich verstecken sich die Taliban hinter den Zivilisten, wenn sie versuchen, eine Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Das Argument ist fadenscheinig, sollten sie sich außerhalb als Zielscheibe präsentieren? Dass sie nicht durchaus als feindliche Besatzungsmacht gelten, machen Videoaufnahmen deutlich.

Für die Bundeswehr und die deutsche Regierung ist der Fall von Kundus ein deutliches Zeichen, dass der militärische Einsatz nichts bewirkt hat. Die Verteidigungsministerin, die wegen des Plagiatsvorwurfs überlegen muss, ob sie nicht zurücktreten sollte, erklärte, dass die Situation "besorgniserregend" sei. Das ist sie in der Tat für die Politik Deutschlands und die vielen Milliarden, die für die Stabilisierung des Landes geflossen sind. (Florian Rötzer)

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