Tanker-Stau auf den Weltmeeren

Supertanker Hellespont Alhambra. Bild: uscg.mil

Ungedrosselte Ölförderung bei niedrigen Preisen, weiterhin schwache Nachfrage, volle Speicher an Land - und neue Kundschaft in China

Drei Milliarden Tonnen Rohöl und Derivate werden jährlich über die internationalen Seewege bewegt - wenn sie nicht im Stau stecken oder in spekulativer Absicht geparkt werden. Die Ölpreisentwicklung der vergangenen Monate hat auch Auswirkungen auf die Bewegungsmuster der Tankerflotten des Planeten.

Zum einen sind es Behinderungen und Verzögerungen in den Verlade- und Zielhäfen. 200 Millionen Barrel Rohöl sollen allein im April 2016 in den Bäuchen der vor China aufgestauten Tanker-Armaden auf ihre Beförderung oder Entladung gewartet haben. Zum anderen ist es die Vorratshaltung in Tankern, da die Speichermöglichkeiten an Land knapp geworden und weitgehend ausgelastet sind. 2015 wurde die verfügbare globale Öl-Speicherkapazität von der Weltölförderung übertroffen, eine Ölschwemme war die Folge, das Schwarze Gold schwappte sozusagen über.

Stau vor Basra, Screenshot 7. August 2016. Im März 2016 exportierte der Irak über seine Südküste 3.26 Millionen Barrel pro Tag. 2010 waren es noch 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Die normale Wartezeit der Tanker von fünf bis zehn Tagen kann sich auf drei Wochen ausdehnen. (Legende: Diamant - Tanker vor Anker; Pfeilform - in Bewegung). Bild: MarineTraffic.

Die International Energy Agency (IEA) beobachtet das Treiben und geht in ihrem letzten Energiebericht von 94 Millionen Barrel aus, die Ende Mai auf den Weltmeeren schwimmend eingelagert waren - der größten Menge seit 2009.

Für spekulatives Ölhorten spricht diesmal wenig, sagen Experten. In vorangegangenen Episoden hatten Hedgefonds Öltanker angemietet und auf höhere Ölpreise in der Zukunft gewettet. Die Contango-Rechnung würde diesmal nicht aufgehen, dafür steige der Ölpreis aufgrund fehlender Nachfrage zu langsam, gemessen an den laufenden Kosten, die die schwimmenden Lager mit sich bringen.

Langzeitparken vor dem iranischen Asalouyeh, Screenshot 7. August 2016. Bis Januar 2016 konnte der Iran aufgrund des Export-Embargos sein Öl nicht verkaufen. Es wurde stattdessen in Tanker eingelagert. Die Tanker haben Erdgas-Kondensat an Bord, in einer Größenordnung von 40 Millionen Barrel. Bild: MarineTraffic

Im Gegenteil: Die Öleinlagerung auf gecharterten Tankern wird über Kredite finanziert. Selbst wenn das Ölparken bei den gegenwärtigen Raten keinen Profit erlaubt, suchen die Ölhändler nach Platz für ihr unverkauftes Öl.

Neben Absatzschwierigkeiten und Speicherplatzmangel gibt es weitere Probleme: Die Häfen im Nahen Osten ersticken am Öl, das auf seine Verladung wartet, während die Hafen-Infrastruktur in Asien nicht mit neuen Herausforderungen bei der Entladung hinterherkommt. Reedereien freuen sich: In Staus gebundene Tankerkapazitäten und die damit verbundene Tonnage-Verknappung erhöhen die Nachfrage nach ihren Tankern.

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