Tanz nicht mit den Monstern

Screenshot der Amiga-Version von "Dimo’s Quest"

"Dimo’s Quest" - Ein neues Spiel für Atari 8-Bit-Computer [sic!]

Die Retrocomputing-Szenen sind lebendiger denn je. Das lässt sich vor allem am regelmäßigen Output von neuer Software für alte Computer beobachten. Der deutsche Atari Bit-Byter User Club (ABBUC) veranstaltet jährlich eine Software-Competition, die 2014 Thomas Schulz mit seinem Spiel "Dimo’s Quest" gewann.

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"Dimo’s Quest" basiert auf dem gleichnamigen Spiel aus dem Jahr 1993, das Schulz damals zusammen mit dem Grafiker Tobias Prinz für den Commodore Amiga entwickelte. Es verkaufte sich über 17.000 mal, was für ein nicht hauptberuflich entstandenes Programmierprojekt beachtlich ist, und wurde sogar für PCs mit MS-DOS und das (leider nicht so erfolgreiche) CDi-System von Philips portiert. Schulz, der heute die Firma Talios (ein IT-Dienstleistungsunternehmen) betreibt, hat seinen alten Computer nie abgeschworen. Mit dem 8-Bit-Demake von "Dimo’s Quest" bewegt er sich in der Zeit sogar noch weiter zurück, denn die Plattform, für die er sein Spiel portiert hat, stammt ursprünglich aus dem Jahr 1979.

In der Amiga-Version finden sich farbenfrohe, detailreiche Grafiken

Als Atari Ende der 1970er-Jahre mit ihrer Spielkonsole VCS größte finanzielle Erfolge feierte, begann man sich dort Gedanken über Nachfolgeprodukte zu machen. Neben neuen, verbesserten Spielkonsolen sollten Mikrocomputer, deren Markt sich gerade etablierte, ein Ziel sein. Mit der technischen Erfahrung für spieloptimierte Hardware-Plattformen entwarf man einen Computer, der neben den üblichen Komponenten (CPU, RAM, ROM mit Betriebssystem) auch Spezialprozessoren für die Generierung von Grafik und Sound, die Auswertung von Spielcontroller-Eingaben und eine Anschlussmöglichkeit für Fernsehgeräte besaß. Die Modelle Atari 400 und 800, die Anfang der 1980er-Jahre durch die Modelle 600XL, 800XL und später die XE-Varianten ergänzt und ersetzt wurden, hatten (insbesondere in den USA) einen beachtlichen Erfolg.

Das Titelbild der Amiga-Version ist das Bild auf dem Packshot der Atari-Version

Das lag vor allem auch daran, dass die Firma Atari über Unmengen von Spiellizenzen und eine Entwicklungsinfrastruktur verfügte, die das Unternehmen beinahe unabhängig von Drittanbietern machte. Alte Spielhallen- und Konsolen-Spiele wurden auf die neuen 8-Bit-Computer portiert. Und die Atari-Käufer nutzt auch selbst bald die Möglichkeiten, die das System bot, eigene Software zu entwickeln - entweder im (im ROM eingebauten) BASIC oder dem viel schnelleren Assembler, für das es bereits früh Entwicklungsumgebungen für Atari-Computer gab. In Zeitschriften, Userclubs und bei Conventions bekam die professionelle, oft auch teure Spielesoftware dadurch Konkurrenz von Homebrew-Entwicklungen (teilweise jugendlicher) Atari-Hacker, die zum Selbstkostenpreis, für symbolische Beträge oder sogar umsonst abgegeben wurden.

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