Tauber unter Druck

Bild: ZDF

In der CDU geht es derzeit zu wie in einer Soap

Das ZDF informiert Journalisten gerade darüber, dass die "neue Rosamunde-Pilcher-Saison startet". Dieser Tage kann das "Herzkino" des Gebührensenders aus Mainz aber nicht mit dem einer anderen alten Drei-Buchstaben-Organisation mithalten: der CDU. In dieser Partei behauptet die durch ihren bei einer Femen-Veranstaltung hergezeigten Busen bundesweit bekannt gewordene Politikerin Zana Ramadani gerade öffentlich, die Berliner Bezirksverordnete Jenna Behrends habe bei ihr im Oktober in einem Chat über "intime Dinge" wie "Herzschmerz" offenbart, dass ein Mann, von dem sie angedeutet haben soll, dass es sich um den CDU-Generalsekretär Peter Tauber handelt, "sexuell stark auf sie" reagiert habe und durchblicken ließ, "dass sie ihm nicht unwichtig sei" - aber dann sei er dochlieber Joggen gegangen. Deshalb, so Behrends, könnten sie und Ramadani "ja eine es-ist[-]kompliziert-Leidensgruppe gründen".

Sandra Cegla, die Vorsitzende der Frauen-Union Berlin-Mitte, schreibt in derselben Pressemitteilung, sie könne eidesstattlich versichern, dass Behrends ihr im April sagte: "Mit dem Peter Tauber, das muss jetzt aber unter uns bleiben, die Gerüchte stimmen. Ich hatte ein Verhältnis mit ihm." Diese Mitteilung empfand Cegla ihren eigenen Angaben nach als "Grenzüberschreitung", über die sie "sehr irritiert" gewesen sei. Die "unvermittelte Äußerung seitens Jenna Behrends" lässt für Cegla "nur den Schluss zu, dass sie entweder die Grenzen anderer Menschen nicht klar erkennen und achten kann, oder dass ihre Aussage gezielt in meiner Gegenwart gemacht wurde, um Gerüchte erst entstehen zu lassen."

Im Berliner Kurier berichtete die Frauenunionsvorsitzende außerdem, andere Parteimitglieder hätten ihr berichtet, dass Behrends heimlich über sie lästere und dass die Bezirksverordnete angeblich "ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß".

Dass Medien derzeit deutschlandweit über diesen Klatsch berichten, liegt daran, dass Behrends vorher mit Vorwürfen auf sich aufmerksam machte, sie habe in der CDU mit "Sexismus" zu kämpfen gehabt. Als Beispiele dafür nannte sie eine Begrüßung von ihrer kleinen Tochter und ihr durch den Berliner CDU-Vorsitzenden Frank Henkel als "kleine süße Maus" und "große süße Maus". Außerdem soll sich der CDU-Vorsitzende beim Berliner CDU-Abgeordneten Sven Rissmann in derben Worten erkundigt haben, ob die Karriere der 26-jährigen Quereinsteigerin auch eine sexuelle Komponente hat. Letzterer bestätigte die Anfrage sinngemäß, kann sich aber nicht mehr an die Wortwahl erinnern.

Ramadi, die behauptet, das Chat-Protokoll gespeichert zu haben, kritisiert, Behrends prangere an, "dass ihr Affären angedichtet werden", verneine dann aber öffentlich die "angebliche Affäre mit [Tauber]", die sie ihr selbst suggeriert habe. Da, so Ramadi, frage sie sich:

Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Lügt sie, indem sie diese Affäre bestreitet? Oder hat sie mir ein Märchen erzählt? Und wenn das ein Märchen sein sollte: Warum, mit welcher Intention? Wie glaubhaft kann Jenna Behrends so überhaupt sein? Die Frage nach möglichen Intrigen und Machtspielen möchte ich dabei noch gar nicht stellen. [...] Indem sie dieses wichtige Thema Sexismus für sich instrumentalisiert, verhöhnt sie jedes wahre Opfer von Sexismus.

Dass die Affäre die Ausmaße annahm, die sie derzeit hat, liegt nicht zuletzt an der Reaktion Taubers auf die ersten Sexismus-Vorwürfe der Bezirksverordneten: Der CDU-Generalsekretär hatte der Bild am Sonntag nämlich gesagt, es sei "wichtig, dass es nun diese [Sexismus-]Debatte gibt". Auf seine Verstrickung in den Fall angesprochen, erklärte er gegenüber der Bild-Zeitung: "Jenna Behrends und ich haben uns kennengelernt und auch geflirtet. Aber es war für mich recht schnell klar, dass es rein freundschaftlich bleibt."

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am Montag Auszüge aus alten Mails aus dem Umfeld von Tauber, die die Besorgtheit des Generalsekretärs wie Heuchelei wirken lassen: Darin ziehen Männer recht offen und unverblümt die Strippen bei der Besetzung eines Frauen-Union-Chefpostens. Dabei schildert der heutige Büroleiter Taubers die Frauen-Union als "Schlangengrube" und seinen Kandidatinnenvorschlag als "optischen Gewinn".

Kurz vorher wurden deutlich schwerere Vorwürfe einer ehemaligen CDU-Kreisgeschäftsführerin bekannt: Sie behauptet, Tauber sei Mitautor einer Mobbing-Anleitung mit dem Titel Pflegehinweise für das Kaninchen gewesen, mit der man sie los werden wollte. Tauber bestätigte gegenüber der SZ zwar die Kenntnis des neunseitigen Papiers (das ausgesprochen interessante Einblicke in die politische Kultur in Parteien gibt und unter anderem zum Erwecken falscher Eindrücke und zu Handlungen zum Schaden unbeteiligter Dritter auffordert), bestritt aber, einer der Urheber zu sein. (Peter Mühlbauer)

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