Teilnehmer am Weltwirtschaftsforum sind wieder reicher geworden

Bild: WEF/CC BY-NC-SA-2.0

Die Ungleichheit hat zugenommen, besonders in Deutschland, das WEF sieht nach einer Umfrage die Globalisierung gegen den Populismus von der Mehrheit der Menschen gestärkt

In Davos versammelt sich wieder einmal unter dem Titel Globalization 4.0 die politische und wirtschaftliche Elite, zumindest diejenigen, die meinen, sich hier zeigen zu müssen und zu demonstrieren, dass man dazu gehört. Man umgibt sich mit dem Nimbus, sich Gedanken um die Zukunft der Welt zu machen, dabei geht es den Reichen vor allem darum, den Status quo zu behalten, der ihnen weiterhin ein wachsendes Vermögen garantiert. Da kann man dann schon mal auf steigende Ungleichheit oder bedenkliche Folgen der KI hinweisen, aber nicht, um das Wirtschafts- und Eigentumssystem zu ändern, sondern um Maßnahmen zu fordern, die das Schlimmste verhindern, also den Reichtum und den Einfluss, den dieser garantiert, gefährden.

Selbst ein Medium wie Bloomberg macht darauf aufmerksam, dass sich bei Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos dieses Mal wieder die Menschen treffen, die noch einmal reicher geworden sind, während die Lebensverhältnisse des Großteils der Menschen stagnieren und die Kluft zwischen Arm und Reich in vielen Ländern weiter angestiegen ist. Bloomberg hat sich die Vermögen von einem Dutzend der Besucher von Zuckerberg und Gates über Soros, Murdoch und Schwarzmann bis Mukesh Ambani angeschaut, das sich in einem Jahr um 175 Milliarden vermehrt hat. Seit 2009 ist das Vermögen der Milliardäre von 3,4 Billionen auf 8,9 Billionen US-Dollar in 2017 angewachsen. Entsprechend auch der Einfluss, den die Superreichen oder globalen Oligarchen auf die Politik ausüben können. Bloomberg: "It means the Davos Man—the conference remains overwhelmingly male—exerts more authority and visibility than ever."

In den USA ist der Anteil der 20 Prozent reichsten Amerikaner am nationalen Einkommen angestiegen, das der Mittelschicht und der unteren Einkommensschicht ist jedoch eingebrochen. Kaum verwunderlich, dass die Ungleichheit zugenommen hat, die irgendwann für Unruhe sorgen könnte. Der Gini-Koeffizient hat für die USA, Japan, China und Großbritannien seit 2010 zugenommen, am stärksten in Deutschland, das unter Führung der Großen Koalition, also unter Mitwirkung der Sozialdemokraten, Japan, Großbritannien und China überholt und mit 81,6 schon nahe an die amerikanischen Werte kommt.

Natürlich gut, dass das WEF sich durch eine Umfrage bestätigt hat lassen, dass eigentlich alles im Sinne der Mehrheit geschieht. Trotz überall aufbrechender Globalisierungskritik verkündet das WEF auch auf Deutsch: "Die überwiegende Weltöffentlichkeit befürwortet eine multilaterale Zusammenarbeit, ist offen für Zuwanderung und lehnt die Vorstellung ab, dass das Wohl des eigenen Landesauf Kosten anderer erreicht wird."

Allerdings wird da Globalisierung mit Kooperation zusammengepackt, denn die Frage lautete, wie wichtig es sei, dass Staaten zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dass da 70 Prozent der "stichprobenartig" in verschiedenen Ländern ausgewählten 10.000 Menschen zustimmten, ist wenig verwunderlich, von Wirtschaft, Standortkonkurrenz und Ungleichheit war hier schließlich nicht die Rede.

Überraschend ist eher, dass die Befragten aus den westeuropäischen Ländern dazu die geringste Bereitschaft äußerten, auch weniger als die Osteuropäer oder Nordamerikaner. Bei der Frage, ob anderen Ländern geholfen werden müssten, überzeugten Nordamerikaner und Westeuropäer durch ihren Egoismus. Dagegen vereinen sich Ost-und Westeuropäer in der Ablehnung der Einwanderung. 40% der in Osteuropa und Zentralasien lebenden Menschen und 46% der Befragten in Westeuropa sagen, Einwanderung sei meist gut, weltweit sind es 57 Prozent, Im Trumpschen-Mauerbau-Amerika sogar 66 Prozent. Und die Möglichkeit, gesellschaftlich aufsteigen zu können, wird in Westeuropa am wenigstens für möglich gehalten.

Trump und eine US-Delegation haben die Teilnahme wegen des Shutdowns abgesagt. May und Macron werden auch nicht kommen, statt Shutdown gibt es hier den chaotischen Brexit und die Gelbwesten. Dafür werden Angela Merkel und Jair Bolsonaro teilnehmen, eine "gute" Konstellation. (Florian Rötzer)