Telemobil bis in den Tod

Sie sprechen nun auch mit den Hunden – und mit den Toten: Handys sind allgegenwärtig

Der moderne Mensch ist dank Handy immer erreichbar und Sklave seiner selbst. Nur Luxusmodelle haben einen Ausschalter – Verzeihung, nur reiche oder entspannte Leute erlauben es sich, das Gerät auch mal abzuschalten und so das Risiko einzugehen, etwas zu verpassen.

Auch Kinder und Hunde werden inzwischen per Handy überwacht. Das Hundehandy hat selbstverständlich Knochenform und filtert andere Nummern außer der des Hundebesitzers aus, um Werbeanrufe von Los- und Hundefutter-Verkäufern vom Haustier fernzuhalten. Ärger mit telefonisch bestellten und frisch gelieferten zwei Tonnen Knochen vor der Garage sind also nicht zu befürchten.

Das Hundehandy (Bild: Petsmobility.com)

Handyfans erkennt man angeblich am bleichen Fleck hinterm Ohr nach dem Mallorcaurlaub. Und so mancher möchte am liebsten sein Telefon auch ins Grab mitnehmen – was dann aber zu Missstimmung führen kann. Eher schon lässt der kommunikative Mitmensch sich dann in einem Handy begraben. Auch Webcams im Sarg wurden schon vorgeschlagen, zum ersten April für zu spät gekommene Trauergäste, aber mitunter auch, um sicher zu sein, dass der Begrabene auch wirklich tot ist. Soll heißen: nicht grausamerweise lebend begraben wurde.

Auch Grabsteine mit eingebautem Bildschirm und Internetanschluss oder einer gepflegten Videoauswahl wurden bereits angeregt, damit sich die Hinterbliebenen beim Pflichtbesuch am Grab des Opas nicht so langweilen. Internetjunkies wiederum können dort ihre Homepage archivieren und darstellen lassen. Und die Verwandten können von zuhause nachsehen, ob noch alles in Ordnung oder aber bereits der Wurm drin ist.

Ein ganz anderes Problem hatte allerdings Jürgen Bröther aus Osnabrück: Wenn er auf den Friedhof ging, um mit den Verstorbenen zu sprechen, so fand er dies nicht nur je nach Wetterlage ziemlich unangenehm – es war ihm außerdem sehr peinlich. Es könnte ja einer dabei zuhören!

Und so hat er nun den ultimativen Telefonterror entwickelt, der einen bis ins Jenseits verfolgt: Der "Telefonengel" wird im Grab mit vergraben und bleibt bis zu einem Jahr auf Empfang. Maximal 200 Stunden kann der Käufer nun von zuhause zum Preis eines Mobiltelefongesprächs mit dem Toten reden. Oder die allgegenwärtigen Telefonwerber, denen möglicherweise gar nicht auffällt, dass der Angerufene nicht sehr gesprächig ist. Und da das Gerät vergraben ist, bekommt davon niemand etwas mit, auch nicht, wer vor dem Grab steht. Unangenehm wird es nur, wenn der Tote antwortet oder gar zurückruft.

Der Telefon-Engel 12 x 22 x 9 cm ist ein glasfaserverstärktes, sehr stabiles Gehäuse mit Dichtschnur. Der Inhalt ist ein Handy, ein Lautsprecher und eine Stromversorgung. Bei Lieferung ist das Handy angemeldet, eingeschaltet und sofort betriebsbereit. Der Telefon-Engel ist in vielen Ländern zum Patent angemeldet und als geschütztes Markenzeichen eingetragen. Das Paket ist völlig neutral verpackt, versichert und wird von der Post zugestellt.

Telefonengel.com

Nur knapp 1500 Euro soll das Handy zum Eingraben kosten. Es wird neutral verpackt geliefert und hat auch keine Flensburger Adresse als Absender. Guter Empfang unter der Erde wird allerdings nicht garantiert, hier müssen die Netzbetreiber noch Friedhofs-Funkzellen nachrüsten: Da das Gesprächsaufkommen in diesen Arealen bisher eher unterdurchschnittlich war, lohnte sich eine Vollversorgung auch im Tiefgeschoss bislang einfach nicht.

Die Umwelt: Wenn die Stromversorgung ausgeht, sollte das Gehäuse nicht länger im Grabbereich verbleiben. Senden Sie den Telefon-Engel innerhalb von 18 Monaten ungeöffnet in der gleichen Verpackung kostenfrei zurück. Für Ihre Mühe bekommen Sie 50,- Euro. Es ist ganz gleich, ob Sie erst einen zweiten Telefon-Engel bestellen und dann den vorhandenen zurück senden oder umgekehrt. Sie bekommen immer für jeden zurückgeschickten Telefon-Engel 50,- Euro.

Telefonengel.com

Nach einem Jahr ist dann das Grab zu öffnen und das Gerät wieder auszubuddeln, damit die Akkus recycelt werden können und der Tote nicht auch noch eine Bleivergiftung erleidet. Drei Geräte sollen tatsächlich bereits verkauft worden sein. Mittlerweile war aber die Webseite bereits zeitweise abgeschaltet – wegen zu großen Interesses und Download der Videos. (Wolf-Dieter Roth)

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