Telepolis-Salon: Rechts um!

Telepolis lädt ein zu einer Veranstaltung über die Faszination an den Neuen Rechten und deren Verführungskraft im Münchener Lovelace

Das Online-Magazin Telepolis und die Gruppe Prismen laden zum zweiten Telepolis-Salon Rechts um in der Housetop-Bar im Lovelace am Mittwoch, den 18. Oktober, um 20:30 ein, um über Rechtspopulisten und mit einem prominenten AfD-Politiker zu sprechen. Es ist ein Experiment, von dem wir Aufklärung und keinen sturen Streit erhoffen.

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Eintritt kostenlos. Beginn 20:30 Uhr. @Housetop Bar / The Lovelace. Kardinal-Faulhaber-Straße 1 80333 München. Durch die Veranstaltung führen Florian Rötzer und Thomas Pany, Redaktion Telepolis, sowie Bulgan Molor-Erdene, Leon Pfannenmüller und Lion Bischof, Prismen.

Der erste Telepolis-Salon hatte das Thema Propheten und (zufällige) Parlamentarier. Videos von der Veranstaltung: Gespräch mit Timo Rieg über die aleatorische Demokratie, Gespräch mit Klaus Benesch über Trump und Co.. und die zwei interessanten Umfragen, die Prismen durchführten: Teil 1 und Teil 2.

Die Runde beim ersten Telepolis-Salon.

Zum Hintergrund: Auf der Buchmesse gab es Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken, die gezeigt haben, dass die Aggressionen und die Wut in beiden Lagern ansteigen (Mit Linken oder Rechtsnationalen reden).

Die Wahl in Österreich hat gezeigt, dass die FPÖ - wie übrigens auch die AfD - zur neuen Arbeiterpartei wurde und die Themen Nationalismus, Ausländer und Sicherheit weiter attraktiv bleiben. Die FPÖ legte mit mehr als 5 Prozent weiter zu und wird damit neben ÖVP und SPÖ zu einer "Volkspartei". Sie blieb zwar nur drittstärkste Partei, könnte aber nun bei Koalitionsverhandlungen hoch pokern und wird erneut den Vizekanzler stellen, wenn es nicht zu einer SPÖ-ÖVP-Koalition kommt.

Die Wahl in Niedersachsen zeigte allerdings, dass womöglich nach der Bundestagswahl der Zenith der Protestpartei schon überschritten sein könnte. Bei der Bundestagswahl erzielte die AfD oft zweistellige Ergebnisse, in Niedersachsen waren es 8 Prozent, bei der Landtagswahl konnten sie gerade noch 6,1 Prozent erreichen. Allerdings wurde damit ein Ziel erreicht, der Einzug in den Landtag.

Die Neuen Rechten/Identitären gehen von einer "polarisierten, vom "Gegen-Rechts-Furor" ergriffenen Gesellschaft" aus, die von Linken und dem politischen und medialen Mainstream dominiert wird. So schreibt Caroline Sommerfeld, die mit dem Linken Helmut Lethen verheiratet ist und auch darüber mit dem österreichischen Identitären Martin Lichtmesz das Buch "Mit Linken leben" verfasst hat:

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"Linke, und eben auch mein Mann, täuschen sich … über eines: daß sie als Diskurshegemonen die Wahrnehmungswerkzeuge seit Jahrzehnten geformt, deformiert und untauglich gemacht haben. Mit linker Utopie in Leib und Seele kann man die Migrationskrise, die Islamisierung, die Wehrlosigkeit des westlichen Männertypus usw. nicht erkennen. Und das - hier kommt der Richter ins Spiel - führt zu einer Form der "Apperzeptionsverweigerung" (Heimito von Doderer), die man als Rechte kaum umhin kann, als selbstgewählte und eisern durchgehaltene Dummheit zu bezeichnen, die kein kognitives (klar!), sondern ein moralisches Gebrechen ist."

Hier wird neben den Hauptthemen auch schon die Hauptstrategie deutlich, nämlich dass man als Vertreter der neuen völkischen Rechte von den "Gutmenschen" unterdrückt wird und sich als Opfer darstellt, aber sich gleichzeitig als Avantgarde versteht. Tatsächlich wurde länger versucht, die neuen Rechten, die keine plumpen Neonazis sind, sondern auch gebildete Intellektuelle, die vom linken Diskurs und Aktionismus gelernt haben, ins Abseits zu schieben. Seit der "Flüchtlingskrise" 2015 und dem Erstarken der rechten Parteien wie AfD, FPÖ oder Front National und noch extremeren Bewegungen ist das nicht mehr möglich. Die Rechten, dazu gehört auch Donald Trump, haben erkannt, wie leicht und effektiv sich Erregungen und damit mediale Aufmerksamkeit mit der Besetzung von Tabu-Themen triggern lassen. Der Feind sitzt nun in Washington oder Berlin und besteht aus den etablierten Parteien und den Mainstreammedien, die als Eliten dem Volk gegenübergestellt werden.

Durch solche Abwehrmechanismen in Politik und Medien finden keine wirklichen Auseinandersetzungen statt, sondern gibt es nur einen Schlagabtausch, von dem die Provokateure profitieren. Die Rechten haben auch davon profitiert, dass sie die Politik insgesamt nach rechts in dem Versuch verschoben haben, durch Aufgreifen der rechten Themen - Nation, Heimat, Wir-Gefühl, Grenzen, Flüchtlingsabwehr, Anti-Islamismus, Familie etc. - den rechten Parteien den Zulauf abzugraben. Das hat nicht funktioniert, wie man etwa auch in Bayern bei der Bundestagswahl gesehen hat. Die Freund-Feind-Logik, die von den Neuen Rechten verfolgt wird, ist desto erfolgreicher, je stärker sie sich spiegelt in der Abwehr seitens der gesellschaftlich und politisch noch dominanten Strukturen, die von Rechten gerne als "Kartell" oder auch als "linke Gesinnungsdiktatur" (Höcke) bezeichnet werden.

So ist nicht verwunderlich, wenn nun auch zur Buchmesse ein Buch unter dem programmatischen Titel "Mit Rechten reden" erschienen ist, das die Blockade zu beenden sucht und als "Leitfaden" für einen argumentativen Diskurs oder Streit wirbt. "Mit Linken leben" will hingegen ein Ratgeber sein, wie Rechte überleben und sich durchsetzen können. Wir sind weder an Leitfäden noch an Ratgebern interessiert.

Der Telepolis-Salon findet in der Housetop Bar des Lovelace statt.

Telepolis versucht am Mittwoch, den 18. Oktober, im zweiten Telepolis-Salon im Lovelace um 20:30 unter dem Titel "Rechts um" in ein Gespräch einzutreten, um die Hintergründe zu verstehen, die den Rechtsruck bewirkt haben. Dabei soll es nicht um die viel beschworenen Sorgen und Ängste des kleinen Mannes gehen - wo bleiben die kleinen Frauen? - , die ständig von den etablierten Parteien beschworen werden, sondern um die Anziehungskräfte, um die Hintergründe der Wut auf das System und um das Verlangen nach Revolte in der konservativ-subversiven Aktion zu verstehen, die mehr und mehr auch Alt-Linke anzieht.

Als Gäste haben wir eingeladen die Politikwissenschaftlerin Nina Horaczek aus Wien, die beim Falter arbeitet, sich mit dem Rechtsextremismus beschäftigt und gerade mit Walter Ötsch das Buch "Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung" veröffentlicht hat. Und Petr Bystron, den Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes Bayern, der als Abgeordneter in den Bundestag einzieht. (Florian Rötzer)

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