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Telepolis blickt zurück ...

... auf einige Highlights von 2005

2. Januar 2005. Der amerikanische Parkbank-Konzern Mega-Rest legt bei der WTO Beschwerde gegen sämtliche EU-Mitglieder ein. Mega-Rest sieht sein Geschäftsmodell - zehnminütiges Versenken von Widerhaken auf der Sitzfläche nach Einwurf von 50 Cents - durch Stadtwerke und Gemeinden gefährdet, die ihren Bürgern Parkbänke gratis zur Verfügung stellen. "Wir verstehen nicht, warum der freien Wirtschaft mutwillig Knüppel zwischen die Beine geworfen wird", erklärt Bonnie B. Prendergast, Mega-Rests Lobbyistin in diesem Belang, "noch dazu auf Kosten der europäischen Steuerzahler." Diesem Argument können sich die zuständigen EU-Kommissare nicht verschließen, und die Bahn wird frei für Parkbänke mit Münzzählern und Spikes aus hochwertigem Edelstahl.

12. März 2005. Das Virus-Programm Hello Kitty, benannt nach der Betreffzeile in der selbst-replizierenden Email, infiziert zwei Millionen Windows-PCs und klickt robotisch auf 1000 Milliarden Google-Ads. Dieser plötzliche Boom wird zunächst für das lange erwartete phänomenale Abheben des Internet-Anzeigengeschäfts gehalten und erhöht Googles Market-Cap um 13.000 Prozent. Mundwinkel und Börsenkurs sinken allerdings beträchtlich als sich herausstellt, dass sich der Boom tatsächlich bei den Virenautoren abspielt. Sie haben ein neues Geschäftsmodell entdeckt: Erpressung von Google-Inserenten.

16. April 2005. Die Situation im mittleren Osten spitzt sich zu, George W. Bush bezichtigt (den Irak) den Iran, ein Kollaborateur der Al-Qaida zu sein und Massenvernichtungsmittelmittel zu entwickeln, um die USA anzugreifen. (Sicherheitsberaterin) Außenministerin Condoleezza Rice erklärt in einer Pressekonferenz, nicht erst beim Anblick eines Atompilz handeln zu wollen, sondern "prä-emptiv" gegen (Bagdad) Teheran vorgehen zu wollen.

1. Juni 2005. Abmahnspezialist "Kanzlei Dr Beutelschneyder & Dr Bluffer" lässt "Gratis-Download" als eingetragene Wortmarke schützen und klagt zweihunderttausend Websites gleichzeitig auf Unterlassung an.

4. September 2005. In den USA tritt der BLOCK-SPAM-Act in Kraft, der das Beantworten von Spam und Klicks auf Links in Spam mit 500 Dollar Strafe und drei Monaten Zwangsarbeit in den unterirdischen Call-Centern von Wal-Mart bestraft. "Es sind pornogeile Trottel, leichtgläubige Trottel und minderbemittelte Trottel, die Spam möglich machen", erklärt der Abgeordnete Thomas P. Glockenspiel Jr., Urheber des neuen Gesetzes. "Wir packen das Übel jetzt an der Wurzel und sacken ganz pragmatisch die Verursacher ein." pammy20388@surprise-her.com, Pressesprecherin des Verbands alternativer Marketing-Konsulenten, legt beim Supreme Court !!!VERF/-\$$UNGS.BESCHWERDE!!! ein.

24. Dezember 2005. Der PC einer Pensionistin aus Bielefeld findet dank SETI@home im Radiowellenwust das Signal einer extraterrestrischen Zivilisation. Die Entschlüsselung der Nachricht ist schwierig, nur das Schnipsel NEED A BIGGER MOON? SCIENTISTS APPROVE ASTRONOMICAL WINNING FORMULA kann eindeutig identifiziert werden.


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