Telepolis wird wie andere Online-Medien gebührenpflichtig

Werbung ist für Online-Medien kein Geschäftsmodell mehr

Da trotz steigender Werbung im Internet die Einkünfte der Online-Medien meist spärlich sind, wird wieder einmal überlegt, für Beiträge Geld zu verlangen. Dabei ist man schon vor Jahren daran gescheitert.

Wir hatten auch schon einmal vor 11 Jahren so getan, als würde Telepolis demnächst nur noch für diejenigen zugänglich sein, die dafür bezahlen wollen (Ein Wort an unsere Leser). Damals schrieben wir:

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Warum wir uns für dieses Abonnentenmodell entschieden haben? Ganz einfach. Die journalistische Qualität unseres beliebten Magazins kann nur unter hohem finanziellen Aufwand gewährleistet werden. Damit wir Ihnen auch weiterhin die Top-Information bringen können, die Sie von uns gewöhnt sind, müssen wir eine angemessene Abogebühr erheben.

Man kann sich vorstellen, dass es einen Aufruhr unter den Lesern gegeben hat – aber auch Verständnis (leider ist ein Großteil der Kommentare im digitalen Nirwana verschwunden). Weder damals noch heute denken wir ernsthaft daran, demnächst Abonnements oder Gebühren für den Zugang zu unseren Inhalten zu verlangen. Allerdings ist die künftige Finanzierung von Online-Medien eine offene Frage. Sie unterminieren zwar die traditionellen Medien, aber im Augenblick könnte es so scheinen, dass die Kostensenkungen für die Verlage und die Leser möglicherweise überhaupt die finanzielle Grundlage für Journalismus, den kritischen zumal, untergraben könnten.

Die Internetnutzer freilich sind alles andere als geneigt, für Online-Artikel zur Kasse gebeten zu werden. Während man in aller Regel selbstverständlich für Printmedien bezahlt, wenn man sie lesen will, ist das bei Online-Medien keineswegs der Fall. Nach einer Umfrage von BITKOM und Forsa wollen 84 Prozent der Internetnutzer kein Geld für Online-Artikel ausgeben. "Noch kein Ende der Kostenlos-Kultur im Internet in Sicht", heißt es bei BITKOM. Aber offenbar gibt es erhebliche Unterschiede:

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Während unter den Bundesbürgern mit Hauptschulabschluss lediglich fünf Prozent bereit sind, für Artikel im Internet zu bezahlen, ist es jeder vierte mit Abitur (27 Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich aufgeschlossen sind die 18- bis 29-Jährigen. Fast jeder Fünfte (19 Prozent) dieser Altersgruppe würde für journalistisch aufbereitete Artikel im Internet zahlen.

Entscheidend sei die Angemessenheit der Beiträge: "Bis zu 10 Cent pro Artikel würden 93 Prozent der grundsätzlich Zahlungsbereiten ausgeben, bis zu 1 Euro ist es immerhin noch mehr als jeder Zweite (56 Prozent)."

Eine im Auftrag von KPMG von YouGov durchgeführte Umfrage kommt in Großbritannien zu ähnlichen Ergebnissen. Gerade einmal 11 Prozent geben Geld für Online-Medien aus. Internetbenutzer, die bislang nichts bezahlen werden, wollen auch weiterhin kostenlos bedient werden. Wiederum nur 11 Prozent erwägen, einmal Geld für Online-Inhalte auszugeben. Aber die Menschen wollen nicht nur kein Geld für Online-Medien ausgeben, sie sparen auch bei Printmedien. 28 Prozent sagen, sie hätten seit der Rezession weniger Geld für Zeitungen und Zeitschriften ausgegeben, um statt dessen kostenlose Online-Artikel zu lesen. Nur 3 Prozent von diesen sagen, sie würden wieder dieselben Ausgaben machen, wenn die Rezession zu Ende geht.

David Elms von KPMG bezeichnet die "Monetaririsierung von Online-Content" als den "Heiligen Gral der Medienbranche". Wer für Online-Inhalte zahlt, macht dies vorwiegend für Online-Fernsehen (21%), für Filme (19%) oder für Musik (17%), Online-Journalismus ist mit 7% ein Waisenkind. Allerdings steigt auch hier die Bereitschaft der Jüngeren. Mehr Angehörige der 18-14-Jährigen geben Geld für Online-Inhalte aus als die anderer Altersgruppen.

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(Florian Rötzer)

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