Tesla: Sicherheitsmängel, Rückrufe und teure Reparaturen

Wachstum auf Kosten der Sicherheit? Tesla hat es aus Sicht der US-Verkehrssicherheitsbehörde zu weit getrieben. Foto: Jeremy / CC-BY-2.0

Tesla startet bei Auslieferungen durch, muss aber hunderttausende Fahrzeuge wegen vermuteter Mängel zurückrufen. Aus Frust ließ ein Finne seinen Tesla öffentlichkeitswirksam sprengen

Der US-Autobauer Tesla hat einen neuen Rekord vermeldet: Im vergangenen Jahr lieferte er nach eigenen Angaben fast eine Million Autos aus. Mit einer Stückzahl von 936.000 verkaufte er damit fast doppelt so viele Fahrzeuge wie 2020 und deutlich mehr als Anfang 2021 als Ziel ausgegeben wurde. Allein im vierten Quartal lieferte Tesla 308.600 Autos aus.

Im Gegensatz zu anderen Autobauern litt Tesla nicht im selben Maße am Chipmangel. Zwar musste das Unternehmen seine Produktion ebenfalls drosseln und zeitweise sogar stoppen, konnte das Problem aber auch teilweise umgehen: Es verbaute andere Chips, die vielseitiger nutzbar waren, und programmierte die Software dafür zum Teil um.

Auf lange Sicht will das Unternehmen seinen Wachstumskurs fortsetzen: Die Zahl der Auslieferungen soll jährlich um 50 Prozent steigen. Die dafür benötigten Produktionskapazitäten werden zurzeit im brandenburgischen Grünheide und in Texas geschaffen. Bislang baut Tesla seine E-Autos im Stammwerk im kalifornischen Fremont und im neuen Werk in Shanghai. Den Löwenanteil am Geschäft machten die Kompaktwagen "Model 3" und "Model Y" aus.

Keine Garantie für freie Sicht

Das rasante Wachstum wurde offenbar auch mit einer schlechteren Qualität erkauft. Wie jetzt bekannt wurde, rief Tesla in den USA und China rund 700.000 Autos zurück, da sie sicherheitsgefährdende Mängel aufweisen könnten.

In den USA sind dabei alle Fahrzeuge der Reihe "Model 3" betroffen, die zwischen 2017 und 2020 gebaut wurden. Das geht aus einem Dokument der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hervor, das im Internet veröffentlicht wurde. Bei rund 356.000 Autos sei des demnach möglich, dass das Öffnen und Schließen des Kofferraumdeckels die Kabel der Rückfahrkamera beschädigt. Dadurch könnte die Kamera ausfallen.

Hinzu kommen in den USA rund 119.000 Autos des "Model S", die zwischen 2014 und 2021 gefertigt wurden. Bei ihnen könnte sich die Motorhaube unerwartet öffnen, sofern ein Verriegelungsmechanismus gelöst würde. Dies könne "die Sicht des Fahrers behindern", heißt es, "und die Unfallgefahr erhöhen".

In China sind ebenfalls vor allem Autos des "Model 3" betroffen, rund 144.000 Stück, die in China produziert wurden, und 20.000 importierte Fahrzeuge, wie aus einer Online-Stellungnahme der chinesischen Marktaufsichtsbehörde hervorgeht. Darüber hinaus sind auch knapp 20.000 importierte Autos des "Model S" betroffen. Laut Berichten geht es hier um dieselben Probleme wie in den USA.

Sprengung mit Musk-Puppe

Wenig erfreut über sein "Model S" zeigte sich jetzt auch in Finne in einem Youtube-Video. Angeblich verärgert über die hohen Reparaturkosten ließ er das Auto – präpariert mit 30 Kilogramm Sprengstoff – in die Luft jagen; und mit ihm eine Puppe mit dem Gesicht des Tesla-Firmengründers Elon Musk. Das Mitte Dezember eingestellte Video wurde inzwischen fast fünf Millionen Mal aufgerufen.

Nach eigenen Angaben hatte der Finne das Auto gebraucht gekauft – nach nur 1.500 Kilometern habe es einen Batterieschaden gehabt, der nicht von der Werkstatt behoben werden konnte. Die Batterie austauschen zu lassen, kam für ihn offenbar nicht in Frage – für 20.000 Euro hatte man ihm einen Austausch angeboten.

Dieser horrende Preis ist für Tesla nicht ungewöhnlich – in diesem Fall aber vielleicht doch etwas zu hoch angesetzt. Aus den USA sind Preise bekannt, die von rund 7.000 US-Dollar für den Akku im "Model 3" bis zu 13.000 US-Dollar fürs "Model Y" reichen. Laut Spiegel Online kursieren im Internet aber tatsächlich Preise von um die 20.000 Euro.

Viele Fälle, in denen Tesla-Fahrer den Batterie-Tausch selbst zahlen mussten, dürfte es noch nicht geben. Denn für die Akkus der verschiedenen Modelle werden bis zu acht Jahre Garantie gewährt, in Abhängigkeit von der Laufleistung. Davon hatte der Finne allerdings Ende 2021 nichts, denn sein Auto wurde 2013 gebaut. (Bernd Müller)