Test für schwimmendes AKW Russlands "erfolgreich" abgeschlossen

Die Akademik Lomonosov. Bild: Rosenergoatom

Die "Akademik Lomonosov 1" leitet den Bau weiterer mobiler AKW ein, um in der Arktis Häfen, Stützpunkte und Öl- und Gasplattformen mit Strom zu versorgen, China will auch mit dem Bau beginnen

Letztes Jahr hat Russland sein erstes schwimmendes Atomkraftwerk in Murmansk eingeweiht und mit Brennstäben bestückt. Die "Akademik Lomonosov 1" soll als erstes von weiteren Schiffen Sibirien und die Arktis mit Strom versorgen, zudem kann sie als Wasserentsalzungsanlage dienen. Russland baut die arktische Region aus und rüstet sie mit neuen militärischen Stützpunkten auf, da durch die Klimaerwärmung das Eis schmilzt und damit die großen Ressourcen, die man dort vermutet, zugänglich werden. Gleichzeitig kann die Arktisroute ganzjährig befahren werden (Aufrüstung in der Arktis).

Das Pentagon hatte 1976 mit der USS Sturgis das bislang einzige Schiff mit einem AKW mit der Leistung von 10 MW stillgelegt. Das schwimmende Kraftwerk auf dem für 17 Millionen US-Dollar umgebauten Schiff SS Charles H. Cugle wurde nur wenige Jahre im Panama-Kanal genutzt. Das Pentagon stellte das Army Reactor Program ein, das schwimmende AKW erwies sich auch im Betrieb als zu teuer und wurde im Panama-Kanal auch nicht mehr gebraucht.

Die Brennstäbe wurden entfernt, das Schiff dekontaminiert und versiegelt. Erst ab 2014 vergab das Pentagon den Auftrag in Höhe von mehr als 34 Millionen US-Dollar, den auf dem Schiff befindlichen Reaktor in Galveston, Texas, abzubauen und zu entsorgen. Mitte März 2019 waren die Arbeiten abgeschlossen. Alle Teile des Reaktors und der noch an Bord befindliche radioaktive Müll wurden entfernt, 680 Tonnen an radioaktivem Müll mussten entsorgt und 270 Tonnen Blei recycelt werden. Die 5800 Tonnen Stahl und andere Metalle vom restlichen Schiff wurden ebenfalls recycelt.

Betriebsgenehmigung wird im Juli erwartet

Auf der "Akademik Lomonosov" sind zwei Reaktoren vom Typ KLT-40S, die bis zu 70 Megawatt Strom und 50 Gigakalorien Wärme pro Stunde erzeugen können. Damit soll eine Stadt mit 200.000 Einwohnern versorgt werden können. Das schwimmende AKW hat selbst keinen Antrieb und muss an seinen Bestimmungsort geschleppt werden. Der Hersteller, der Energiekonzern Rosenergoatom, meldet, dass die beiden Reaktoren ab dem 31. März zu ihrer vollen Kapazität hochgefahren wurden. Die Versuche seien damit erfolgreich abgeschlossen worden, die Reaktoren und die Steuerungssysteme würden stabil arbeiten. Während der vergangenen Monate seien alle notwendigen Tests erfolgreich ausgeführt und die Kapazität der Reaktoren schrittweise hochgefahren worden, sagte der Generaldirektor von Rosenergoatom", Andrej Petrow.

Petrow geht davon aus, dass im Juli die Betriebsgenehmigung erteilt wird. Das schwimmende AKW soll dann die Hafenstadt Pewek auf der Tschuktschen-Halbinsel mit Strom und Wärme versorgen. Bis zum Winter würden dort die erforderlichen Anlagen und die Infrastruktur zur Einspeisung fertiggestellt sein, die im Dezember beginnen soll. Das schwimmende Kernkraftwerk soll das Kohlekraftwerk Chaun und das AKW Bilibino, das 1973 ans Netz ging und eigentlich nur für eine Laufzeit von 30 Jahren vorgesehen war, ersetzen. Einer der vier Reaktoren wurde bereits 2018 abgeschaltet.

Die Inbetriebnahme der "Akademik Lomonosov" ist der Startschuss für den Bau weiterer schwimmender AKWs, einer "neuen Klasse von Energiequellen auf der Grundlage russischer Technologien des nuklearen Schiffbaus". Damit sollen abseits liegende Industrieanlagen, Hafenstädte und Gas- und Ölplattformen mit Strom versorgt werden.

Alles ganz sicher?

Nach Rosatom seien die schwimmenden Atomkraftwerke so sicher, dass sie "alle möglichen Bedrohungen" überstehen können und "für Tsunamis und andere Naturkatastrophen unbezwingbar" seien. Alle Anforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seien erfüllt worden, eine Gefahr für die Umwelt bestehe nicht.

Das sehen nicht alle so. Greenpeace hatte letztes Jahr nach dem Auslaufen des AKW-Schiffs aus St.Petersburg nach Murmansk bereits erhebliche Bedenken angemeldet. Die abgebrannten Brennstäbe sollen auf dem Schiff in einem Zwischenlager für bis zu 12 Jahren liegen: "Ohne eigenen Motor und mit flachem Rumpf ist die schwimmende Konstruktion besonders anfällig für Stürme und raue See", überdies sei sie "nicht ausreichend gegen terroristische Anschläge geschützt". Und überhaupt sei es fatal, wenn Atomenergie auf einem Schiff nur dazu genutzt werde, "um mehr klimaschädliches Öl und Gas in der Arktis auszubeuten".

Die Schutzhülle soll nicht sehr stark sein, aus einem Leck könnte Radioaktivität austreten. Problematisch könnte ein Unfall im Winter und in den vorgesehenen abgelegenen Gebieten werden, weil es dann auch schwierig und langwierig sein könnte, Hilfe zu bringen. Wie gut das schwimmende AKW gegen Terroranschläge oder vor Nukleardiebstahl gesichert ist, bleibt offen. Mit einer wachsenden Flotte dürften die Risiken steigen. Immerhin benötigen die Reaktoren kein hoch angereichertes Uran.

Auch China will schnell mobile AKW

China ist in Eile und will noch 2019 den Bau seines ersten schwimmenden AKW starten, berichtete Global Times im März. 2021 soll das erste mobile AKW einsatzbereit sein. Auch China will damit Gebiete, die schwierig zu erreichen sind, Öl- und Gasplattformen und Inseln mit Strom versorgen.

Während Russland damit die arktischen Gebiete besser erschließen will, ist China dabei an den Inseln im Südchinesischen Meer interessiert, die das Land für sich beansprucht und zu Stützpunkten ausgebaut hat. Auch die Chinesen versprechen, dass die schwimmenden AKW nicht durch Erdbeben gefährdet würden. Sie würden auch keine Luftverschmutzung verursachen und überdies wenig Platz benötigen. (Florian Rötzer)