Teure schmutzige Wörter

Amerikanische Fernsehsender klagen gegen Anständigkeitsregeln

Vor zwei Jahren eröffnete "Nipplegate", der "Brustwarzen-Skandal" um Janet Jackson - das damals meistgesuchte Ereignis in der Geschichte des Internet (vgl. Oh shit! Oh fuck!) - für einen kurzen Moment auch der interessierten Öffentlichkeit hierzulande Einblick in einen für europäische Verhältnisse ungewöhnlichen "Kulturkampf", der in den USA geführt wird. In dessen Mittelpunkt stehen "Obszönitäten", unerhört hohe Geldstrafen - und einmal mehr das Recht auf freie Meinungsäußerung. Mit Bezug auf dieses Grundrecht haben jetzt vier große TV-Networks Klage bei amerikanischen Bundesgerichten eingereicht.

FCC, Federal Communications Commission, heißt die amerikanische Regulierungsbehörde, die mit weitreichender Macht ausgestattet (vgl. Telekommunikation als Sicherheitspolitk) in den USA mit spektakulären, Millionen Dollar schweren Geldbußen für Angst, Schrecken und allergrößter Vorsicht bei Radio-und Fernsehsendern sorgt. Ein falsches F...- oder S....-Wort und die Verantwortlichen müssen tief in die Tasche greifen, bzw. einen neuen Job suchen.

Zuletzt erregte die Behörde mit den Anständigkeitsregeln Aufsehen mit einer 3,6 Millionen schweren Buße gegen die Ausstrahlung einer Folge von "Without a Trace (in Deutschland verhältnismäßig erfolgreich auf Kabel 1), weil in der Folge suggeriert worden sei, dass Teenager an einer Gruppensexorgie teilnehmen.

Am vergangenen Wochenende haben CBS, Fox, ABC und die Hearst-Argyle Television Inc. Klage an Bundesgerichten in Washington und New York eingereicht, um die FCC zu "einem Showdown zu zwingen", wie es in mehreren Presseberichten heißt.

Man will Klarheit in den als zu rigide und zu willkürlich ausgelegten Anständigkeitsregeln erwirken, da man nicht genau wisse, wann man ein Einschreiten der FCC provoziere, werden Mitarbeitern der Sender zitiert. Dabei verweist man darauf, dass in den populären Satelliten-Programmen und im Internet sehr viel deutlicheres Material zu sehen sei. Die Regeln der FCC seien demgegenüber nicht mehr zeitgemäß.

Für Kritiker, wie etwa Buzzmachine Jeff Jarvis, handelt die FCC, deren Politik der Anständigkeit öfter auf spektakuläre Art mit prominenten amerikanische Radio-Moderatoren wie Howard Stern kollidiert ist, nicht verfassungsgemäß, weil sie gegen die in der Verfassung verankerte Meinungsfreiheit verstoße. Entsprechend spekulieren Experten, dass der gerichtliche Schritt der großen TV-Netzwerke nur ein Auftakt ist. Dem könnten noch andere dieser Art folgen, bis man, so die Vermutung, den Streit vor den "Supreme Court" bringen könne. (Thomas Pany)