Teurer als der Vietnam-Krieg

Irak-Krieg: 2,5 Milliarden Dollar pro Woche, Tendenz steigend

Werden sich die US-Truppen im Irak dieses Jahr langsam aus der Schusslinie bringen und das geschundene Land irgendwann sich selbst überlassen? So unklar die Aussichten der Washingtoner Irak-Politik sind, so eindeutig ist die Frage nach den Kosten des Krieges und der Besatzung zu beantworten: Die Bush-Regierung hat sich grob verschätzt, in finzanzieller Hinsicht ist der Irakkrieg als einer der teuersten der amerikanischen Geschichte einzustufen.

Die Kosten für den Irak-Krieg (vgl. Der Krieg gegen den Terror wird immer teurer..) haben sich seit Beginn der US-Invasion vor mehr als drei Jahren fast verdoppelt, wie das unabhängige Center for Strategic and Budgetary Assessments in Washington ermittelte. Dabei ergibt sich wegen der Reparatur- und Neuanschaffungskosten für die zerschlissene Kriegsmaschinerie und die Entwicklung von modernerem Tötungsgerät eine steigende Tendenz. Im laufenden Jahr werden die Kosten auf 94 Milliarden Dollar geschätzt - was in einem Zahlenspiel für jeden der statistisch gesehen 78 Millionen amerikanischen Haushalte eine jährliche Zusatzbelastung von 1.205 Dollar bedeuten würde.

Die Ausgaben und die Haushaltsprioritäten Washingtons werden diese Woche zu hitzigen Debatten im Senat führen, der nach der Rückkehr aus der Frühjahrspause den umfangreichsten Sonderantrag der amerikanischen Geschichte berät. Der Entwurf sieht 106,5 Milliarden Dollar Extraausgaben vor, davon allein für die Kriege in Afghanistan und im Irak 72,4 Milliarden. Die präsentierte Rechnung ist die fünfte seit Beginn der Irakinvasion im März 2003.

Derzeit gibt die US-Regierung monatlich fast zehn Milliarden Dollar für die Kriege in beiden Ländern aus, wie der "Congressional Research Service", eine dem US-Kongress unterstehende Institution, vor kurzem für Kongressmitglieder ermittelte. Letztes Jahr lag die Summe bei 8,2 Milliarden Dollar. Die Personalkosten werden Regierungsangaben zufolge im laufenden Jahr zwar um 14 Prozent sinken. Doch die Ausgaben für Reparaturen, den Ersatz und die Anschaffung von Kriegsmaterial werden um ein Drittel in die Höhe schießen, wie der "Congressional Research Service" in Anhörungen herausfand. Die entsprechenden Kosten waren zu Kriegsbeginn bei 2,4 Milliarden Dollar gelegen und betragen heute mehr als das Zehnfache.

Hubschrauber, Panzer, Truppenfahrzeuge und selbst kleinkalibrige Waffen erfordern nach Angaben des Army Materiel Command, das das Kriegsgerät wartet, mehr Zeit und Geld für Instandhaltung als geplant. Der Army-Sprecher Gary Motsek sagte US-Medien zufolge, das Kriegsgerät sei "völlig heruntergewirtschaftet".

Sogar funktionierende Ausrüstung von Army- und Marineeinheiten werde derzeit in fünf Stützpunkte innerhalb der USA zur Verbesserung zurückbefördert. Dies bedeutet in Zahlen beispielsweise rund 700 Hubschraubermotoren, 600 "Bradley"-Fahrzeuge und 9.000 "Humvees". Dabei geht es aber nicht nur um Reparatur- und Aufrüstungsarbeiten innerhalb der Armeestützpunkte in den USA. Darüberhinaus sind mehr als 50.000 Arbeitskräfte - die meisten davon werden vom Pentagon beauftragt - im Irak und Nachbarländern mit Pflege und Wartung von US-Kriegsgerät beschaeftigt.

Nach Angaben des Army-Chefs General Peter Shoomaker vor dem Militärausschuss des Senats im Februar werden solcherlei Kosten noch lange nach einem Truppenrückzug aus dem Irak anfallen. Die US-Army vollständig auszurüsten und auf den neuesten Stand zu bringen, würde innerhalb von sechs Jahren rund 36 Milliarden Dollar kosten, warnte der General.

Die jährlichen Kosten für den Irakkrieg sind seit Monaten höher als die Gelder, die der Vietnamkrieg pro Jahr zwischen 1964 und 1972 verschlungen hatte, auf heutige Dollarzahlen umgerechnet. Vietnam hatte die amerikanischen Steuerzahler Jahr für Jahr 61 Milliarden Dollar gekostet. (Max Böhnel)