Teures Spielzeug oder lohnende Investition?

Die neue Tesla-Schwarmspeicherbatterie könnte Strompreise senken - und Anschlusspreise erhöhen

3.100 US-Dollar für einen 7-kWh-Batteriespeicher, mit welchem man der heimischen PV-Anlage über die dunkle Nacht helfen kann, ohne selbst im Dunkeln sitzen zu müssen - das erscheint auf den ersten Blick ein durchaus attraktiver Preis. Entsprechend groß war die Begeisterung, als der Tesla-Gründer Elon Musk diesen Monat seine Tesla Powerwalls vorstellte. Dass der Schwarmkraftwerkverfechter Lichtblick beteiligt wird, macht aus mehreren Gründen durchaus Sinn. Aber rechnet sich das System? Und wenn ja, für wen? Und was machen die Anderen?

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Die zunehmende Zahl dezentraler Kleinkraftwerke, die erneuerbare, aber nicht durchgängig verfügbare Energiequellen nutzen, benötigen einen Ausgleich für die Zeiten der Nichtverfügbarkeit. Klassische Pumpspeicherkraftwerke (die als Notfallreserve für den Ausfall eine großen Kohle- oder Kernkraftwerksblocks errichtet wurden, um für den Zeitrahmen einspringen zu können, bis ein Ersatzkraftwerk betriebsbereit ist) sind für die aktuellen Anforderungen weniger geeignet - und zudem im Betrieb zu teuer. Kraftwerksgruppen wie das bekannte Schluchseewerk werden gerade einmal für etwa 400 Jahressvolllaststunden genutzt. Heute würde kein Betreiber mehr ein Pumpspeicherkraftwerk für eine solch kurze jährliche Ausnutzung errichten.

Bei den aktuell diskutierten Stromspeichern geht es zumeist um die Überbrückung sonnen- oder windloser Zeiten im Tagesgang. Dabei rücken immer wieder Akkusysteme in den Blickpunkt. In Rechenzentren und anderen Anlagen, die eine permanente und sichere Stromversorgung benötigen, kommen meist unterbrechungsfreie Stromversorgungen zum Einsatz, die in 95 % der Fälle mit Blei-Säure- oder Blei-Vlies-Akkus arbeiten. Die seit langem bekannte Technik ist erprobt und zuverlässig. Zudem lassen sich die Blei-Akkus vollständig recyclen.

Powerwall-Doppelbatterie. Bild: Tesla

Dies ist bei Lithium-Akkus (die aufgrund der höheren Energiedichte für Mobiltelefone, E-Mobile und heimische Stromspeicher genutzt werden) nicht der Fall. Sie lassen sich nur zu 53 % recyclen. Zudem waren sie bislang auch aufgrund ihrer Kosten wenig attraktiv.

Daher suchte man in Bayern nach Möglichkeiten, die Kosten für die Akkus zu senken, indem man ausgediente Akkus aus E-Mobilen in heimischen Stromspeichern nutzt. Derzeit forschen Bosch, BMW und Vattenfall an der Zweitnutzung von Traktionsbatterien aus E-Mobilen. Nach Aussagen eine Sprechers des Bayerischen Wirtschaftsministeriums befasst man sich mit mehreren Projekten im Bereich der Forschung zu Second Life Batteries. Ein konkreter Förderantrag die Industrie liegt jedoch bislang nicht vor.

Tesla geht mit seiner Ankündigung, ab Mitte 2015 zwei unterschiedliche Stromspeicher mit 7 (bzw. 10) Kilowattstunden Speicherkapazität zu liefern, einen anderen Weg und will die Erfahrungen mit der Fertigung der Fahrzeugbatterien künftig auch für die Produktion einer etwa 100 kg schweren und 1,30 x 86 x 18 Zentimeter großen Lithium-Ionen-Speicherbox zu nutzen, die der Kunde sich dann in der Keller stellen oder an die Wand hängen kann. Zielgruppe sind PV-Anlagenbesitzer.

Da die Strombezugskosten für Privathaushalte in Deutschland zu dem höchsten in Europa zählen, macht es Sinn, die Powerwall dort zu testen. Der deutsche Partner Lichtblick kann zudem auf Erfahrung mit Schwarmkraftwerken zurückgreifen (auch wen die Experimente eher lehr- als erfolgreich waren) und scheint die dafür entwickelte Steuerungssoftware jetzt auch für die neuen Schwarmspeicher nutzen zu können.

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Ob sich die wirtschaftlichen Erwartungen dieses Mal realisieren lassen, wird sich zeigen. Nur wenn sich der gespeicherte Strom hochpreisig ins Netz verkaufen lässt, wird sich das Modell rechnen. Zudem fehlen von der Tesla Powerbank noch zahlreiche wichtige Details wie die Angabe zu den möglichen durchschnittlichen Ladezyklen. Die anfallenden Akku-Recyclingkosten in Höhe von einem Euro dürften hingegen nicht besonders ins Gewicht fallen. Für viele Nutzer könnte jedoch der Spaß an ein wenig Autarkie im Vordergrund stehen. Ein finanzieller Vorteil ist da nicht unbedingt zwingend notwendig. Der ist ja auch bei den E-Autos von Tesla nur sehr bedingt gegeben.

Viel wichtiger für die Gesamtheit der privaten Stromverbraucher dürften jedoch die Nebenwirkungen sein, auf die das Freiburger Öko-Institut in einem Kommentar zu Teslas Powerbank verweist. Dort bezweifelt man nicht den durch die Energiewende entstehenden grundsätzlichen Bedarf an zusätzlichen Stromspeichern - man glaubt aber an andere Flexibilitätsoptionen, die kostengünstiger und mit weniger Verlusten behaftetet sein sollen.

Der wirtschaftliche Vorteil des Heimakkusystems zeigt sich vor allem, wenn der Betreiber einer PV-Anlage in erster Line auf Eigennutzung setzt. Dann kann er die Netzkosten der öffentlichen Stromversorgung auf andere abwälzen, die diese über einen höheren Strompreis mit bezahlen. Deshalb ist nach Ansicht des Öko-Instituts im Falle des Markterfolgs der Heimakkusysteme mit einer Anhebung der Netzgebühren zu rechnen.

Damit könnte die Tesla Powerwall Veränderungen in der Stromversorgung auslösen: Möglicherweise steigt für die Privathaushalte das Gewicht der verbrauchsunabhängigen Kosten - und die Verbrauchskosten werden reduziert. Heimakkusystemen könnten sich dadurch wieder weniger lohnen. (Christoph Jehle)

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