Teures Wohnen: In zahlreichen Städten werden Haushalte durch Mieten überlastet

In vielen Städten ist ein Umzug kaum möglich. Auch ohne Energiekrise und Inflation sind viele Haushalte längst durch die Miete überlastet. Die Wohngeldreform könnte helfen. Warum die Hilfe nicht schnell kommt.

Wohnen ist in manchen Städten und Regionen Deutschlands zu einem Luxus geworden. Steigende Mieten, Heiz- und Nebenkosten bringen viele an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Inflation und Energiekrise verschärfen das Problem.

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unterstreicht das. "Viele Menschen werde aus finanziellen Gründen nicht mehr umziehen können", erklärte Studienautor und Immobilienökonom Michael Voigtländer am Donnerstag. Für viele sei der Traum vom großzügigen Wohnen ausgeträumt.

In den letzten Jahren stiegen die Mieten stetig und die Wohnungen waren für die Menschen immer weniger erschwinglich. Im Zeitraum 2018 bis 2021 traf das auf 75 Prozent der Kreise in Deutschland zu, ist ein Ergebnis der Studie. Inflation und Energiekrise tragen auch ihren Teil dazu bei und könnten den Trend verfestigen: Die Wohnnebenkosten steigen und die Kaufkraft der Haushalte nimmt ab.

In der IW-Studie wurde untersucht, wie viel Quadratmeter sich ein Single-Haushalt mit mittlerem Einkommen leisten kann, wenn er nicht mehr als 25 Prozent seines Nettoeinkommens dafür ausgeben will.

In München kann sich ein Durchschnittsverdiener damit gerade einmal 36,2 Quadratmeter leisten. Im Umland der bayerischen Hauptstadt ist die Lage ähnlich: Sieben der zehn teuersten Regionen Deutschlands liegen in der Metropolregion München. Hier können sich die Mieter nur einige wenige Quadratmeter mehr leisten.

Überlastung der Haushalte – auch ohne Energiekrise

Nur 25 Prozent des Haushaltseinkommens für die Miete aufwenden zu müssen, ist für viele Menschen in Traum. Das zeigt eine Analyse des Portals immowelt für 80 Großstädte in der Bundesrepublik, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Untersucht wurde die Wohnkostenbelastung von Singles durch Warmmiete einer Wohnung mit 50 Quadratmetern Fläche.

Das Ergebnis: In 53 Großstädten müssen Singles inzwischen mehr als 30 Prozent des Durchschnittseinkommens für Wohnkosten berappen. "Je nachdem, wie sich die Energiepreise weiterentwickeln und wie kalt der kommende Winter wird, könnten auch noch weitere Städte hinzukommen", heißt es bei immowelt.

Auch in dieser Studie ist München Spitzenreiter. Singles müssen hier etwa 52 Prozent ihres Einkommens für eine warme Wohnung ausgeben. Menschen mit geringem Einkommen trifft es härter, wie die Studienautoren erklären.

Denn ihrer Berechnung liegt das mittlere Einkommen zugrunde; wer weniger verdient, muss einen größeren Teil seines Einkommens für das Wohnen aufwenden. "Für viele Menschen dürfte dann die einzige Option sein, Einbußen beim Lebensstandard hinzunehmen und zum Beispiel deutlich weniger zu heizen", heißt es in der Studie weiter.

Doch auch ohne Energiekrise wären viele Haushalte überlastet. In 23 von 80 Städten müssten Singles mehr als die empfohlenen 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Auch hier sind Personen mit einem durchschnittlichen Einkommen gemeint.

In München müssten sie immer noch 47 Prozent ihres Gehalts ausgeben. In Frankfurt (Main) und Berlin sei die Belastung mit jeweils 39 Prozent auch deutlich zu hoch.

Streit um Wohngeldreform

Vor diesem Hintergrund und den steigenden Energiepreisen hatte die Bundesregierung erklärt, mit einer Reform des Wohngelds helfen zu wollen. Der staatliche Mietzuschuss soll ab Januar um durchschnittlich 190 Euro im Monat steigen. Außerdem soll der Empfängerkreis um 1,4 Millionen Bürger ausgeweitet werden.

Doch die Bundesregierung liegt im Clinch mit den Bundesländern, welche sich bislang weigern, die Mehrkosten mitzutragen. Bislang zahlen sowohl der Bund als auch die Länder eine Hälfte des Wohngelds.

"Der Bund möchte da viel machen, dann soll er es auch selber bezahlen", erklärte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Auch bei einem Treffen am Dienstag konnten sich Bund und Länder nicht einigen. Nach Aussagen des Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), hatte der Bund noch keine greifbare Vorstellung zur Finanzierung. Erst Ende Oktober soll es erste konkrete Aussagen dazu geben.

Selbst wenn sich Bund und Länder einigen sollten – eine schnelle Hilfe wird das Wohngeld voraussichtlich nicht: Es fehlt den Kommunen an Personal, die Flut von Anträgen zu bearbeiten.

Schon jetzt wartet in Berlin ein Antragsteller zwischen fünf und sechs Wochen, bis ihm das Wohngeld bewilligt wird. Mit der Reform könnten sich die Wartezeiten deutlich verlängern, fürchtet zum Beispiel Matthias Steuckardt (CDU), Stadtrat für Soziales und Bürgerdienste in Tempelhof-Schöneberg. (Bernd Müller)