The Company

Alle Bilder: Universal Pictures

Robert Litells CIA-Drama über den Kalten Krieg erscheint auf DVD

Mitte 2007 rückte die Central Intelligence Agency (CIA) anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens in den Fokus der US-Medien - zu einer Zeit, in welcher knapp zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges die ursprüngliche Existenzberechtigung des riesigen Auslandsgeheimdienstes längst weggefallen war und dieser angesichts der Folterskandale etwa von Abu Ghuraib und einer kontinuierlichen Bilanz an Versagen und Bruch von Völkerrecht in der Kritik stand. Rechtzeitig zum Jubiläum erschien damals im US-TV eine Fernsehfassung von Robert Littells CIA-Bestseller „The Company“ (2002), welcher vor dem realen Hintergrund des Kalten Krieges die Lebensgeschichte drei fiktiver Geheimdienstler über vier Jahrzehnte hinweg erzählt. Die Produktion ist nun seit Kurzem auch hier auf DVD erhältlich.

Ursprünglich hatten die in politischen Filmen erfahrenen Regisseure Ridley Scott („Blade Runner“, „Black Hawk Down“, „Gladiator“) und sein Bruder Tony Scott („Staatsfeind Nr.1“, „Spy Game“) den weltweit erfolgreichen Roman als Kinofilm konzipiert, jedoch erwies sich der Stoff als zu komplex, als dass er auf zwei Stunden hätte verdichtet werden können. Das gleiche Problem stellte sich bei Robert de Niros zur selben Zeit produzierten CIA-Film Der gute Hirte (2006), der sich auf zweieinhalb Jahrzehnte beschränkte und daher auf eine Fortsetzung angelegt worden war, die jedoch wegen des mäßigen Kassenerfolges nie realisiert wurde. Da zudem für eine bildgewaltige Kinofassung von „The Company“ auch keine ausreichende Finanzierung realisiert werden konnte, produzierten die Scotts schließlich für das TV einen Sechsteiler, der mit beträchtlichem Aufwand zum Teil an den Originalschauplätzen gedreht wurde und mit namhaften Schauspielern aufwartet.

Vier Jahrzehnte Kalter Krieg

Das Drama beginnt an der elitären Universität Yale, wo sich die Studenten Jack McAuliffe (Chris O'Donnell) und Leo Kritzky (Alessandro Nivola) sowie der russische Austauschstudent Yevgeny Tsipin (Rory Cochrane) begegnen. Jack und Leo werden später von der CIA rekrutiert, während Yevgeny vom KGB in die USA geschickt wird, um als Kurier einen Spionagering zu betreuen. CIA-Offizier Jack durchläuft in den folgenden Jahrzehnten viele historische Momente des Ost-West-Konflikts:

Im Nachkriegsberlin wird Jack vom dortigen CIA-Stationschef Harvey Torriti (Alfred Molina), der dem historischen William King Harvey nachempfunden ist, in das zynische wie verlogene Agentenspiel eingeführt. Schnell verliebt er sich in eine Doppelagentin (Alexandra Maria Lara), die schließlich in den Selbstmord getrieben wird. Wie die fiktive Agentin waren praktisch alle von der CIA geführten Ostagenten stets von der Gegenseite sofort enttarnt und umgedreht worden, um Desinformation zu lancieren. Torriti, ein Agent alter Schule, der intern seiner schmutzigen Tricks wegen „Zauberer“ genannt wird, wird ohne es zu merken, selbst zum Zuschauer einer von der Gegenseite inszenierten Illusionsshow.

Die beschämende Rolle der CIA im Ungarischen Volksaufstand von 1956 wird bemerkenswert drastisch dargestellt. So wird Jack Zeuge, wie sich die Bevölkerung von Budapest im Vertrauen auf die Versprechungen der CIA auf militärische US-Unterstützung gegen die kommunistischen Machthaber wendet. Doch nachdem die Aufständischen die stalinistisch geprägte Geheimpolizei ÁVH blutig besiegt haben, erweisen sich die Meldungen des von der CIA betriebene Radio Free Europe als Illusionen und taktische Lügen, die anrückenden russischen Panzer jedoch als Realität. Der wegen des Desasters verzweifelte und depressiv gewordene CIA-Stratege für schmutzige Operationen, Frank Wisner, verlässt arbeitsunfähig die Agency.

Bei der CIA-gesteuerten „Invasion in der Schweinebucht“ von 1961 begleitet Jack die Exilkubaner bei der missglückten Anlandung. Die Bilder von den im Kugelhagel gemetzelten gutgläubigen Krieger, denen von der CIA wie zuvor den Ungarn eine militärische Unterstützung versprochen worden war, gleichen sich. Während bis dahin die verdeckten Operationen der CIA etwa in Mittelamerika und anderen Entwicklungsländern von der patriotischen US-Presse als Propaganda abgetan worden waren, lässt sich die amerikanische Organisation des versuchten Staatsstreichs nicht ansatzweise abstreiten.

Angesichts der konstanten Misserfolge mehren sich Hinweise auf einen Maulwurf in der CIA. Zu seinem Entsetzen muss der Leiter der Gegenspionage der CIA, James Jesus Angleton (Michael Keaton), feststellen, dass ausgerechnet sein britischer Kollege und Saufkumpan seit etlichen Jahren "Kim" Philby ein Doppelagent des KGB ist. Fortan entwickelt sich Angleton zum wohl begabtesten Verschwörungstheoretiker der Geheimdienstgeschichte, der sich im Labyrinth der geheimdienstlichen Illusionen verirrt und durch seine Verdächtigungen und Hexenjagden die Arbeitsfähigkeit der Ostabteilung der CIA lähmt. In Verdacht gerät schließlich Jacks enger Kollege Leo, den Angleton in Folterhaft nimmt – und sich damit endgültig der gleichen barbarischen Methoden wie der verhasste Staatsfeind Sowjetunion bedient. Derweil gerät Yevgeny ins Visir der Gegenspionage. Nach vier Jahrzehnten Kaltem Krieg beginnt sich der Nebel aus Verrat und Illusionen zu lichten.

Dichtung und Wahrheit

Wie sich die Romangeschichte weiter abspielt, soll hier nicht verraten werden, da diese zumindest zum unterhaltsamen Spionagefilm taugt. Spätestens in der letzten Folge verabschiedet sich die Produktion von jedem historischen Selbstanspruch, bedient stattdessen propagandistische Klischees und irritiert mit einer doch recht großzügigen dichterischen Freiheit. Soweit bekannt, war auf dem Boden der USA lediglich eine verschwindend geringe Anzahl von illegalen KGB-Residenten tätig. In der Anwerbung von Informanten gab es kaum mehr Erfolge als umgekehrt bei der CIA, stattdessen beschränkte man sich auf die Betreuung von amerikanischen Selbstanbietern, deren Kommunikation konspirativ betreut wurde. Geheimdienstliche Verfolgungsjagden oder gar Duelle gab es auf US-Boden nur im Kino. Die Entlarvung von KGB-Maulwürfen beruhte praktisch nie auf kriminalistischen Verdiensten der CIA, sondern auf Verrat von Überläufern oder der Arbeit des FBI oder der NSA. Ein von Autor Litell frei ersonnener KGB-Masterplan, mit dem die USA durch Abzug von Devisen in ein wirtschaftliches Chaos gestürzt werden sollen, strapaziert den historisch interessierten Zuschauer dann doch ein wenig – wie seit der Finanzkrise bekannt, können das die Amerikaner genauso gut auch auch ohne die Russen.

Die ambitionierte Produktion hätte durchaus eine Art unterhaltsamer Geschichtsunterricht werden können. So wird erstmals Allen Dulles, Architekt und graue Eminenz der CIA, von einem Schauspieler verkörpert. Im Film sieht man Dulles als freundlichen wie bedächtigen Behördenleiter. Keinen Deut darüber erfährt der Zuschauer jedoch davon, dass es vor allem der millionenschwere Spionagechef und sein Bruder, Außenminister Eisenhowers John Foster Dulles, waren, welche die Supermächte polarisierten und als Anwälte wie Teilhaber der bedeutendsten Außenwirtschaftskanzlei Sullivan&Cromwell die Auslandsinteressen der Wall Street vertraten – mit den Mitteln der paramilitärischen CIA.

So sind es denn auch vor allem selektive Darstellungen bis hin zu kompletten Auslassungen, welche den durchaus sehenswerten Agententhriller in die Nähe von Propaganda rücken. Von der Unzahl der von der CIA angezettelten Staatsstreiche und Unterstützung von brutalsten Diktaturen wird gerade einmal mit einem Satz der inszenierte Putsch in Guatemala von 1954 erwähnt. Hätte man vor historischem Hintergrund einen repräsentativen Film über die CIA machen wollen, so hätten keinesfalls die für die Company charakteristischen Fallschirmagenten fehlen dürfen, von denen man über Tausend im jeweiligen Operationsgebiet absetzte, um die dortigen Staatssysteme durch Subversion zu destabilisieren – eine Tätigkeit, die man bei umgekehrter Parteienkonstellation „Terrorismus“ nennen würde. Praktisch alle diese Einsätze erwiesen sich als Selbstmordkommandos.

Mag sich die Produktion auch das Verdienst erworben haben, erstmals die Invasion in der Schweinebucht filmisch (mit schmalem Budget) nachzustellen, so erfährt der historisch unbedarfte Zuschauer nicht, aus welchen Gründen Fidel Castro den vormaligen Diktator entmachtet hatte. Ebenso wenig werden die verdeckten CIA-Operationen gegen Kuba gezeigt, welche den ursprünglich amerikafreundlichen Revolutionär seinerseits in einen strammen Diktator verwandelt hatten. Irritierend ist insbesondere die Darstellung des charismatischen Anführers der Exilkubaner, der ausgerechnet dem jungen Castro wie aus dem Gesicht geschnitten scheint.

Die zahlreichen verdeckten Operationen in der arabischen Welt, in Indochina, Lateinamerika oder wo auch immer, mit denen etwa mittels schwarzer Propaganda politische Gegner in Misskredit gebracht werden sollten, wurden gänzlich der Dramaturgie des Ost-West-Konflikts geopfert. Wenige Sätze erübrigt der Film wenigstens für die sowjetische Paranoia eines überraschenden atomaren Erstschlags der Westens, als dessen Vorbereitung das NATO-Manöver Able Archer von 1983 vom KGB und der Sowjetführung interpretiert wurde. Für die im Film aufgestellte Behauptung, die damalige Furcht vor einem Alleingang des als unberechenbar bewerteten Hardliners Reagan sei Ergebnis einer bewussten Desinformation des intriganten KGB gewesen, gibt es keinen Anlass.

Bei einem Film über die CIA wäre es auch angezeigt gewesen, die konstante Rivalität mit dem Militär sowie das stets gespannte Verhältnis der Agency zum Päsidenten zu thematisieren. Die Präsidenten jedoch haben im Film praktisch keine Auftritte, für einen politischen Film kommt die Politik insgesamt erstaunlich kurz. Selbst beim Ende des Kalten Krieges wird das Schlüsselthema Afghanistan komplett unterschlagen – ausgerechnet eine der ganz wenigen (aus ihrer Sicht) erfolgreichen Operationen der CIA. Wenigstens bei den Extras auf der DVD hätten sich historische Informationen ganz gut gemacht.

Angesichts des Grades an dichterischer Freiheit und der vielen Konzessionen an das amerikanische Mainstreampublikum, dessen patriotische Befindlichkeiten mit Kritik an nationalen Institutionen wie der CIA möglicherweise schon genug strapaziert werden, taten die Scott-Brüder gut daran, ihren Ruf als politisch ambitionierte Filmemacher zu wahren und die Regie dem Kollegen Mikael Salomon zu überlassen, der sich bereits in der reichlich patriotischen CIA-Serie „The Agency“ mit der Spionagebehörde befasst hatte. Ridley Scott selbst legte allerdings mit einem eigenen Drama nach, das die Strukturen der gegenwärtigen CIA realistisch darstellt: Der Mann, der niemals lebte (2008).

Alles in allem ist der Sechsteiler „The Company“ ein stimmiger Agententhriller in den Kulissen des Kalten Kriegs. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. (Markus Kompa)

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