Thermisches Solarkraftwerk ist unrentabel

Crescent Dunes. Bild: U.S. Energieministerium/gemeinfrei

Das Crescent Dunes Solar Energy Project in der Nähe von Tonopah in Nevada ist ein wirtschaftlicher Fehlschlag und wird wohl abgewickelt

Das thermoelektrische Solarkraftwerk "Crescent Dunes", das mit großen Hoffnungen im Jahr 2015 in der Wüste Nevadas eröffnet wurde, und das ähnlich aufgebaut ist wie das solarthermische Kraftwerk im israelischen Negev 40 Kilometer südlich von Be'er Scheva, war über die Citigroup und über Kreditbürgschaften des Energy Departments der Obama-Regierung unter dem damaligen US-Energieminister Steven Chu für die Firma SolarReserve finanziert worden.

Beim Solarkraftwerk Crescent Dunes gruppieren sich zehntausend Spiegel spiralförmig um den Turm mit dem Solar Receiver, wo die Wärme in flüssigem Salz gespeichert wird, mit welchem dann am Boden Dampf erzeugt wird, der die Turbinen antreibt, die dafür sorgen, dass mittels Generatoren Strom erzeugt wird. Zu den Vorteilen des solarthermischen Kraftwerks zählt die Möglichkeit, die im geschmolzenen Salz gespeicherte Wärme für eine gewisse Zeit vorhalten zu können und dann auch Strom erzeugen zu können, wenn die Sonne nicht mehr scheint.

Die Speicherung der solaren Wärme war zumindest zum Zeitpunkt der Anlagenplanung kostengünstiger als die Speicherung von elektrischer Energie. Die Kosten für die Fläche, welche die Anlage benötigt, konnten dadurch gering gehalten wurden, dass man öffentlichen Grund zur Verfügung stellte.

Die Nutzung von Salz als Wärmespeichermedium ist schon seit den 1990er-Jahren erfolgreich getestet worden, als mit dem Demonstrationsprojekt "Solar Two" in Daggett in der Nähe von Barstow in der kalifornischen Mojave-Wüste die Speicherung solarer Wärme mit Hilfe von flüssigem Salz erfolgte. Auch dieses Projekt wurde mit Unterstützung des U.S. Department of Energy durchgeführt.

Bei dem Kraftwerk Crescent Dunes hatte man bei den Lieferanten für den Receiver an der Turmspitze die Wahl zwischen einem Kesselhersteller aus dem Bereich der konventionellen thermischen Kraftwerke und Rocketdyne, einem Hersteller von Raketenantrieben für die NASA. (An dieser Stelle wurde eine Annahme entfernt).

Was man bei der Konzeption der Anlage offensichtlich nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt hatte, ist die Tatsache, dass man für den Betrieb der Anlage deutlich mehr Bedienungs- und Wartungspersonal benötigt als bei einer solaren Stromgewinnung mit PV-Modulen, deren Gestehungskosten kontinuierlich reduziert werden konnten, nicht zuletzt weil die Produktionsstückzahlen kontinuierlich anstiegen. Auch die Förderung der Photovoltaik in China trug zu einem weltweiten Preisverfall dieser Technik bei.

737 Millionen Dollar in den Sand gesetzt?

Nach derzeitigen Informationen wird der US-Steuerzahler 737 Millionen Dollar nicht mehr wiedersehen, weil das Kraftwerk während seiner Laufzeit keinen Gewinn erwirtschaften konnte. Als Ende 2018 mit NV Energy, einem Konzern im Besitz von Warren Buffett, der einzige Kunde des Kraftwerkes absprang, war das Schicksal des Kraftwerks offensichtlich besiegelt.

Auch wenn die Summe von 737 Millionen Dollar jetzt durchaus beachtlich erscheint, machte sie nur 2,9 Prozent des Budgets aus, welches das US-Energieministerium für erneuerbare Energie zum Zeitpunkt der Anlagenfinanzierung zur Verfügung hatte. Letztlich handelte es sich bei Crescent Dunes um ein Pilotprojekt. In Großserie werden solche solarthermischen Kraftwerke bis heute nicht gebaut. (Hier wurde ein Satz gekürzt. Anm. d. Redaktion)

Dass Pilotsysteme nicht immer auf Anhieb zu wirtschaftlichen Erfolgen führen, ist im Grunde eine Binse. Hier gilt ein ähnliches Prinzip wie bei Start-ups, wo letztlich auch etwa zehn Prozent der Investitionen genug Rendite generieren müssen, um auch die übrigen 90 Prozent zu finanzieren.

Wenig verwunderlich ist, dass die derzeitige US-Regierung das offensichtliche Scheitern des solarthermischen Kraftwerks nicht dazu nutzt, aus den Fehlern zu lernen und die Technik weiterzuentwickeln, sondern mit verfahrenstechnischen Mitteln die Anlage zu übernehmen und sie dann in die Insolvenz zu schicken. Die Verfechter konventioneller fossiler Energieträger dürfen sich zumindest in den USA freuen, dass die Nutzung der Solarenergie zur Stromerzeugung einen Rückschlag erlitten hat.

Das dient inzwischen als Argument, dass die Regierung nicht mehr in die Entwicklung der Erneuerbaren investieren solle. Man könnte aus deutscher Sicht jetzt jedoch berücksichtigen, dass man in Deutschland mit dem Scheitern der Winkraftanlage "Growian" auch nachweisen wollte, dass solche großen WKAs nicht wirtschaftlich zu betreiben seien, was die weitere Geschichte dann so deutlich widerlegte, so dass man in Deutschland inzwischen daran arbeitet, andere Geschütze gegen die Erneuerbaren aufzufahren. Erfolg haben die Erneuerbaren inzwischen vor allem in China. (Christoph Jehle)