Tim und Struppi unter Rassismusverdacht

Hergé-Figuren verbreiten angeblich altmodisches, rassistisches Geschwätz

Tim und Struppi (Tintin) kennt wohl jeder. Nun geraten diese beiden Comicfiguren des belgischen Zeichners Hergé in den Verdacht rassistisches Gedankengut zu verbreiten. Die britische Commission for Racial Equality hat nach einem BBC-Bericht die große Bücherkette Borders aufgefordert, das Comic-Heft „Tim im Kongo“ aus den Regalen zu nehmen, weil es rassistische Vorurteile verbreiten würde. „Die ,wilden Eingeborenen'“, sagte eine Sprecherin der Organisation, „schauen wie Affen aus und reden wie Schwachsinnige.“

„Tim im Kongo“ entstand Anfang der dreißiger Jahre als erstes Heft der späteren Tim-Alben und begleitet die beiden Comicfiguren bei einer Reise durch die damalige belgische Kolonie Kongo. Und Hergé selbst hat später nach der Unabhängigkeit des Landes schon einmal eine Szene korrigiert. Sie spielte in einer Missionarsschule, wo Tim den schwarzen Schülern Geografieunterricht gab. „Meine lieben Freunde“, erklärte Tim, „heute erzähle ich euch etwas über euer Land: Belgien.“ Daraus wurde dann in den späteren Auflagen historisch-korrekt eine Mathematikstunde.

Doch damit gibt sich die Commission for Racial Equality (CRE) nicht zufrieden. Für sie gehört das Comic-Album bestenfalls in ein Museum - versehen mit einem Schild: „Altmodisches, rassistisches Geschwätz.“ Dem entfachten Druck will sich die Buchhandelskette allerdings nicht beugen. Der Kunde, heißt es, solle selber entscheiden.

Hier wurde der Text politisch korrekt verändert

Wie der Streit in Großbritannien ausgeht, wird sich ja noch zeigen. Aber eines scheint sicher. Auf die CRE wartet noch jede Menge an Arbeit - man denke nur an die alten Afrikafilme, in denen die auftretenden Eingeborenen stets wild und auf keinen Fall aus heutiger Sicht politisch-korrekt gezeigt wurden. Und auch in unserem Land wird dieser Vorgang vermutlich Nachahmer finden. Schließlich hat es die Zehn kleinen Negerlein schon längst erwischt, und wer es schön süß mag, der ist schon lange keinen Negerkuss mehr, sondern nach Wikipedia einen Schokoladenkuss, Schokokuss, Schaumzapfen, Schaumkuss, Süßpropfen, Naschkuss oder eben einen Dickmann. (Ernst Corinth)

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