Tod einer Survivalistin

Welche Rolle spielte die Mutter von Adam Lanza?

Nach und nach werden im Fall des Grundschulmassakers in Newtown aus Spekulationen Fakten: Dabei muss auch manches, was am Wochenende von Fernsehstationen und Zeitungen gemeldet wurde, revidiert werden: So stellte beispielsweise Oberschulrätin Janet Robinson mittlerweile klar, dass die Mutter des Täters, die 52-jährige Nancy Lanza, nicht als Lehrerin an der Sandy-Hook-Grundschule tätig war. Stattdessen konnte sich die geschiedene Frau mit einer jährlichen Apanage in Höhe von 325.000 Dollar ganz der Erziehung ihres Sohnes (den sie seit der zehnten Klasse zuhause unterrichtete) und ihren Hobbys widmen.

Zu diesen Hobbys zählte auch der Umgang mit Waffen. Sowohl das halbautomatische Bushmaster-AR-15-Gewehr, mit dem Adam Lanza seine Opfer erschoss, als auch die Glock und die Sig Sauer, die er mit sich führte, sowie, die Flinte, die in seinem Wagen gefunden wurde, waren auf seine Mutter registriert. In deren Haus fand die Polizei noch drei legale Schusswaffen: Ein Henry-Repetiergewehr (wie man es aus Western kennt), eine Enfieldbüchse und ein Marlin Kaliber .22. Ihrer Schwägerin Marsha Lanza zufolge war die ehemalige Börsenmaklerin eine Survivalistin, die ihre Schusswaffen auch wegen der Möglichkeit eines ökonomischen Zusammenbruchs besaß. Außerdem soll sie ihr Haus zu einer "Festung" ausgebaut und große Lebensmittelvorräte darin gehortet haben.

Sturmgewehr Bushmaster AR-15

Widersprüchliche Meldungen gibt es zum Besuch von Schießsportanlagen, zu denen die mit vier Kopfschüssen und im Schlafanzug tot in ihrem Bett aufgefundene Nancy Lanza ihren Sohn angeblich mitnahm. Ginger Colbrun, eine Sprecherin des Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms, sagte der Presse gestern, es sei keineswegs klar, ob Adam Lanza dort jemals einen Schuss abfeuerte.

Gesicherter scheint dagegen die Erkenntnis, dass der 20-Jährige am Dienstag vor dem Massaker versuchte, sich bei Dick's Sporting Goods im Nachbarort Danbury eine Waffe zu kaufen. Diesen Versuch soll Lanza aufgegeben haben, nachdem er von den (im Vergleich zu anderen US-Bundesstaaten) relativ strengen Bedingungen und der vierzehntägigen Wartezeit für eine Überprüfung des Käufers erfuhr. Dem US-Waffenbesitzerverband NRA nach hätte er nach einer Prüfung auch keine Waffe ausgehändigt bekommen, weil er dafür zu jung war.

Als wahrscheinlich unzutreffend stellte sich dagegen die von NBC und CNN verbreitete Meldung heraus, Lanza habe sich am Tag vor der Tat mit der Direktorin, der Psychologin und zwei weiteren Angestellten der Schule gestritten, von denen er dann am Freitag auf drei schoss und die vierte nur deshalb verschonte, weil sie an diesem Tag nicht zur Arbeit erschienen war. Paul Vance, ein Sprecher der Connecticut State Police erklärte gestern auf einer Pressekonferenz, er wisse entgegen der Medienberichte nichts von solch einem Vorfall. Auch die Version, dass die Direktorin Dawn Hochsprung Adam Lanza hereinließ, weil sie seine Mutter kannte, gilt mittlerweile als überholt: Der aktuellen Sprachregelung der Polizei nach hat der Täter die Öffnung der ab 9 Uhr 30 verschlossenen Schultür gegen 9 Uhr 35 "erzwungen".

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