Tod wegen einer Karikatur, die Allah als Diener des IS darstellt

Jordanien: Der Journalist Nahed Hattar wurde erschossen. Er hatte die Karikatur veröffentlicht. Konservative Wortführer der Geistlichkeit und die Regierung wissen nicht, wo sie stehen

Am Sonntag wurde in der Hauptstadt Jordaniens ein Mann aus allernächster Nähe erschossen, weil er eine Karikatur veröffentlicht hatte, die sich über das Gottesbild des "Islamischen Staates" lustig machte. Der Täter ist ein religiöser Eiferer. Begleiter des Ermordeten konnten ihn fassen.

Der jordanische Regierungssprecher verurteilte das "abscheuliche Verbrechen" umgehend, wie es das Protokoll in solchen Angelegenheit verlangt. Dazu gehört auch das Versprechen, dass die Regierung mit eiserner Hand gegen alle vorgehen würde, die aus dieser Tat Stoff für Hasspredigten ziehen.

Auffallend ist, dass die Regierung nichts für den Schutz des Mannes Nahed Hattar unternommen hatte. Hattar war nicht nur in Jordanien bekannt als kritischer Journalist und Satiriker, ein Mann christlicher Herkunft, der zum Atheisten gereift war. Sein Fall war im ganzen Land bekannt. Er war unterwegs zu seiner Gerichtsverhandlung.

Aus einem Meter Entfernung konnte der Mörder, gewandet in einer Dischdascha - die auch in der jordanischen Hauptstadt nicht jeder als Straßenkleidung trägt - drei Mal ungestört auf sein Opfer schießen. Nahed Hattar hatte keinen Personenschutz, obwohl die Todesdrohungen gegen ihn der Öffentlichkeit bekannt waren.

Beunruhigend ist nicht nur das. Jordanien ist ein Nachbarland Syriens. Die Art und Weise, wie sich der Fall Hattar entwickelte, zeigt eine beängstigende Interessensüberschneidung zwischen den konservativen religiösen Wortführern und der Sache des Dschihad. Dass sich ein ehemaliger Imam zu einem Mord aufhetzen ließ, hat mit einer ansteckenden Empörungsbereitschaft zu tun und mit einem dumpfen Widerwillen gegen Nuancen, wenn es um den "wahren Glauben" geht. Beides, Wut und die hartnäckige Weigerung, selbstständiges Denken hochzuhalten, nähren den Dschihadismus und führen ihm Anhänger zu.

Am 12. August dieses Jahres postete Nahed Hattar eine Karikatur auf Facebook. Sie zeigt einen bärtigen Zausel mit zwei geschminkten Frauen im Bett, in der Hand eine Zigarette, eine Karaffe Wein auf einem Tisch, Weinflecken auf dem Boden und schmutziges Geschirr. Der Bärtige ist im Dialog mit Gott, der mit großem Gesicht ins Zimmer lugt und sich nach den Wünschen von Abu Saleh erkundigt.

Dieser antwortet ihm (laut Übersetzung von Clarion Project), der Herr möge doch noch Wein reichen und dem Erzengel Gabriel Bescheid geben, dass er Cashewkerne bringe. Tatsächlich sagt er sogar, Gott selbst möge doch bitte die leeren Teller abräumen. In einer zweiten Sprechblase Abu Salehs trägt er "Seiner Prächtigkeit" noch auf, eine Tür ans Zelt anbringen zu lassen, damit er nächstes Mal anklopft.

Überschrieben ist die Karikatur mit "fil jann", auf Deutsch: "im Paradies". Es ist also klar, dass es sich um Paradiesvorstellungen und die Doppelmoral von Dschihadisten handelt, die im Nachbarland Syrien ihre Gefolgsleute mit einer Karikatur des islamischen Glaubens in den Tod schicken und dabei möglichst viel "Ungläubige" mithinein reißen sollen. Ähnlichkeiten mit Abu-Saleh-Personen (es gab auch noch einen Abu Saleh beim IS) aus der syrischen Dschihad-Szene waren offensichtlich beabsichtigt. Der Gegenstand der Karikatur war eindeutig.

Angesprochen und beleidigt fühlten sich jedoch auch die Ehrwürdigen der jordanischen Geistlichkeit, die Regierung in Amman schlug sich auf ihre Seite. Ein Familienmitglied des Ermordeten macht die Regierung für die Folgen verantwortlich:

Der Premierminister war der erste der gegen Nahed aufwiegelte, als er seine Festnahme anordnete und ihn wegen dieser Karikatur vor Gericht stellen ließ, damit brachte er die Öffentlichkeit gegen ihn auf, was zum Mord führte.

Saad Hattar

Tatsächlich folgten auf die Festnahme des Spötters (er wurde anschließend gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt) Todesdrohungen auf Facebook. Der Fall schlug Wellen. Im Netz freut sich die Dschihad-Gemeinde über den geglückten Mord an dem "Blasphemiker".

Nahed Hattar war bekannt dafür, dass er den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad unterstützte. Der Mord sollte auch den westlichen und arabischen Unterstützern der Gruppen zu denken geben, die sich in Syrien im Namen des syrischen Dschihad zusammentun.

Der Journalist Daoud Kuttab beschreibt die Situation nach dem Mord des Satirikers in Jordanien gegenüber al-Jazeera als "gruselig". (Lesenswert auch der Kommentar des Angry Arab zur Rolle der arabischen und iranischen Regimes wie auch des Westens zur Erhöhung der Aufwiegelungsbereitschaft).

Erinnert sei auch daran, dass der Gründer von al-Qaida im Irak (AQI), dem Vorläufer des IS, al-Zarqawi, aus Jordanien stammt. Er konnte dort auf ein Netz von Gefolgsleuten zählen. Laut dem Guardian-Bericht zur Ermordung gab es zuletzt eine Reihe von gewaltsamen Vorfällen in Jordanien.

Anzeige