Tödliche Energiearmut in Griechenland

Die Verteuerung von Strom und Heizung wird gefährlich

In Griechenland haben nach Angaben der Feuerwehr innerhalb eines Monats – vom 20. November bis zum 20. Dezember – 16 Menschen ihr Leben verloren, weil sie mutmaßlich beim Versuch, ihre Wohnung zu heizen, einen Brand ausgelöst haben. Allein am 20. Dezember starben vier Personen. Die jüngsten Opfer waren zwölf und dreizehn Jahre alt. Sie starben, weil die Holzöfen über Nacht einen Brand auslösten.

Teure Heizung

An kalten Tagen herrscht in Athen, in der Hafenstadt Piräus und in den anderen Großstädten ein gespenstisches Szenario. Verarmte Menschen versuchen mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln ihre Wohnung zu heizen. Sie benutzen Holzöfen, aber auch Holzkohlegrills, um Wärme zu erzeugen. Die Luft in den Städten ist voll mit Rauch, Ruß und Feinstaub.

Der Grund für diesen gefährlichen Trend ist unschwer in den steigenden Energiepreisen zu erkennen. Der Preis für Erdgas ist um beinahe 200 Prozent gestiegen. Die Regierung versucht, mit einem Hilfspaket entgegenzusteuern, das den Staatshaushalt bis zu zwei Milliarden Euro kosten wird. Die Hilfsgelder sollen bis zu vierzig Prozent der Preissteigerung beim Erdgas auffangen.

Teurer Strom

Noch dramatischer ist es um die Preise für Strom bestellt. Verbraucherverbände melden, dass sich Kunden über immens hohe Rechnungen beklagen. So sind Stromrechnungen für zwei Monate, die sich auf dem Niveau von 100 Euro bewegten, nun auf bis zu 300 Euro angestiegen.

Für die alle vier Monate fälligen Abschlusszahlungen nach Messkontrolle sind Nachzahlungen von 300 bis 500 Euro keine Seltenheit. Die hohen Energiepreise treffen auch den Handel und die Industrie. Sie sorgen für erhebliche Preissteigerungen für Produkte. Linsen, die im Kilo 2020 für 1,10 Euro angeboten wurden, kosten nun 2,50 Euro. Fleisch wurde um bis zu 25 Prozent teurer.

Coronabedingte Lieferengpässe sorgten bei einigen Produkten aus der Elektronikbranche für weitere Preisanstiege, sodass hier mit unter eine Verdopplung der Preise verzeichnet wurde.

Energietipps aus dem Fernsehen

Die Regierung versucht gegenzusteuern. Der staatliche Fernsehsender ERT gab über sein drittes Programm Energietipps an die Verbraucher. Um Heizkosten zu sparen, sollen sie an sonnigen Tagen die Gardinen aufziehen, um mehr Licht und Wärme in die Wohnung zu lassen. Wände sollen dagegen mit dicken Gardinen bedeckt werden. Teppiche sollen ausgelegt werden. Alte Tücher, kleine Teppiche oder ähnliches Material soll zur Abdichtung vor die Eingangstür gelegt werden.

Es sind Ratschläge, die teilweise Sinn haben. Allerdings verstören sie viele Griechen, was sich in Kommentaren unter einschlägigen Onlineartikeln und in sozialen Medien manifestiert.

Ein weiterer Tipp von ERT 3 besagt, dass die Badezimmertür beim Duschen offengelassen werden soll, damit die Dämpfe des warmen Duschwassers die Wohnung wärmer machen sollen. Gleiches gilt gemäß der ERT für den Backofen, der nach dem Backen aufgelassen werden soll.

Premierminister Kyriakos Mitsotakis verkündete zudem in einer Ansprache ans Volk, dass der Kauf neuer, energetisch günstiger Haushaltsgeräte bis zu bestimmten Einkommensgrenzen vom Staat gesponsert wird. Ein entsprechendes Förderprogramm soll noch im ersten Halbjahr 2022 anlaufen. (Wassilis Aswestopoulos)