Tote Chinesen in Pakistan

Foto: Gilbert Kolonko

Dass wieder ein chinesischer Staatsbürger ermordet wurde, überrascht nicht

Am Montag ist in der Megametropole Karatschi auf einen chinesischen Geschäftsmann geschossen worden. Er erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Laut ersten Ermittlungen der Polizei handelte es sich nicht um einen Raubmord, wie er in der Hafenmetropole öfters vorkommt, sondern es war eine gezielte Tötung. Dem 46-jährigen Chen Zhu wurde durch die Windschutzscheibe seines geparkten Wagens zweimal in den Kopf geschossen. Sein jüngerer Kollege blieb unverletzt. Die drei Polizisten, die zum Schutz der beiden chinesischen Staatsbürger abgestellt wurden, waren am Tatort nicht anwesend. Wer die schlecht ausgerüsteten und überarbeiteten unteren Ränge der pakistanischen Polizei kennt, die dazu noch mies bezahlt werden, weiß, dass der Polizeischutz für die Chinesen eine reine Alibimaßnahme ist.

Vor zwei Monaten hat Peking seine Bürger in Pakistan ausdrücklich gewarnt, dass Anschläge auf sie in Pakistan geplant seien. Die pakistanische Regierung versprach darauf hin erneut, alles für die Sicherheit der Chinesen im Land zu tun. Tausende von ihnen sind mittlerweile in Pakistan, um an den verschiedenen Projekten des 60-Milliarden-Dollar-Projekts Neue Seidenstraße zu arbeiten.

Schon die beiden letzten Ausländer, die in Pakistan ermordet wurden, waren chinesische Staatsbürger. Anfang Februar 2017 wurden die beiden Ingenieure im südwestlich gelegenen Quetta in Belutschistan angeblich vom IS entführt und kurz darauf umgebracht. Im Nachhinein behaupteten die pakistanischen Behörden, dass die beiden Ingenieure missioniert hätten.

Der verspätete Zeitpunkt dieser Behauptung lässt jedoch vermuten, dass die Behörden verhindern wollten, dass die Morde in Verbindung zu den chinesischen Unternehmungen in Pakistan gestellt werden. In der Region Belutschistan kommt es durch verschiedene Separatistengruppen neben Angriffen auf staatliche Einrichtungen, auch regelmäßig zu Anschlägen auf Projekte, die in Verbindung mit der Neuen Seidenstraße stehen. Zudem wurde im gleichen Jahr ein chinesischer Geschäftsmann in der südlichen Region Sindh durch gezielte Schüsse verletzt.

Dazu bekannte sich eine lokale Widerstandsgruppe, die sich gegen den Raubbau in ihrer Provinz wert. Chinesische Firmen heben augenblicklich die riesigen Kohlevorkommen im Sindh, jedoch hat die angestammte Bevölkerung aktuell nicht viel davon, da die Arbeiten von chinesischen Arbeitern ausgeführt werden. In Gojal, in Gilgit Baltistan, hat sich die lokale Bevölkerung (die weitaus gebildeter ist als der durchschnittliche Pakistaner) sogar geweigert, in Straßenbauprojekten unter den Chinesen zu arbeiten.

Dazu wird auch die Kritik der pakistanischen Medien an vielen Projekten der Neuen Seidenstraße immer lauter, da die Korruption der punjabischen Eliten und die ungerechte Gewinnverteilung zu Lasten Pakistans immer offensichtlicher wird. Dass eine Bande chinesischer Staatsbürger dabei ertappt wurde, wie sie über zwei Jahre Geldautomaten in Pakistan manipuliert und dabei Millionen von Rupien erbeutet haben, machte die Phrase der Verantwortlichen von der brüderlichen Freundschaft beider Nationen nicht glaubhafter. Auch der Umgang Chinas mit seinen Muslimen daheim stößt in Pakistan auf Kritik.

Es wird nicht der letzte Angriff auf chinesische Staatsbürger in Pakistan gewesen sein, dafür haben sich die pakistanischen Verantwortlichen zu viele Feinde im eigenen Land gemacht - und diese wissen, dass sie den Staat mit Angriffen auf Chinesen treffen können. Dazu treibt die pakistanische Armee ihr Doppelspiel weiter:

Auf der einen Seite unterstützt sie islamistische Extremisten bei ihren Anschlägen in Afghanistan und dem von Indien verwalteten Teil von Kaschmir, was selbst der ehemalige Armeegeneral Musharaf vor kurzem in einem Interview wieder bestätigte. Das stärkt den Einfluss der Islamisten in Pakistan.

Auf der anderen Seite wollen die Generäle, dass Peking ihnen im Verbund mit der Neuen Seidenstraße eine neue Infrastruktur baut und sie zugleich mit Waffen beliefert. Dass die angeblichen chinesischen Investitionen hauptsächlich aus Krediten für Pakistan bestehen, die zum Teil höhere Zinsen haben, als die von IWF und Weltbank, verschweigen die pakistanischen Verantwortlichen. Peking dagegen hat aktuell drei wichtige Straßenbauprojekte gestoppt. Offiziell ließ man verlauten, dass es Planungsschwierigkeiten gebe. Über inoffizielle Kanäle wurde jedoch stärker als sonst gestreut, dass ihnen die unverfrorene Korruption der Pakistaner bei diesen Projekten zu viel wird.

Doch Pakistan ist nicht Sri Lanka. Den Inselbewohnern gaben die Chinesen großzügige Kredite, um damit von chinesischen Firmen im Süden des Landes - in Hambantota - einen Hafen bauen zulassen. Dazu wurde 30 Kilometer entfernt ein Flughafen gebaut - natürlich mit chinesischen Krediten. Doch seit sieben Jahren ist der Hafen quasi ungenutzt, ebenso der Flughafen. Da Sri Lanka die chinesischen Kredite nicht zurückzahlen kann, mussten sie den Hafen für 99 Jahre an eine chinesische Firma verpachten.

In Sri Lanka gibt es mittlerweile heftige Proteste der Zivilbevölkerung gegen den Ausverkauf ihres Landes an China - aber chinesische Staatsbürger werden in Sri Lanka nicht erschossen. (Gilbert Kolonko)

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