Touristensaison "mit Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen"

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Urlaubsreisen nach Österreich werden für Deutsche ab 15. Juni wieder möglich, die Schweiz will den Grenzverkehr ebenfalls bald normalisieren

EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni sagte der Süddeutschen Zeitung für ihre heutige Ausgabe, man werde auch im Coronasommer 2020 "definitiv eine Touristensaison haben" - aber "mit Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen". Leitlinien dazu will die EU-Kommission heute offiziell verabschieden. Ihre Beschlussvorlage sieht vor, dass die zu Beginn der Seuche "angemessenen und berechtigten" Grenzkontrollen nur "vorsichtig" und "abgestimmt" wieder abgeschafft werden.

Möglich sei eine Grenzöffnung zwischen Ländern, in denen "die epidemiologische Situation vergleichbar" sei. Neben ähnlichen "Hygienevorgaben" und einer ähnlichen Ansteckungsrate müsse es dazu auch vor und hinter der Grenze ausreichend "Test- und Krankenhauskapazitäten" geben. Damit Urlauber das überprüfen können, will die EU-Kommission Online-Karten mit den entsprechenden Daten zur Verfügung stellen.

Italienische Regierung zahlt 500 Euro Urlaubsbonus

In den Urlaubsländern sollen spezielle Schulungen für Hotelangestellte sicherstellen, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Für Swimmingpools und Strände soll die Maximalzahl der Benutzer ebenso begrenzt werden wie für Gaststätten und Buffets.

In Italien, der Heimat Gentilonis, haben sich das Institut für Arbeitssicherheit und das nationale Gesundheitsinstitut bereits auf Regeln für Strände geeinigt: Sie sehen vor, das Badewillige nicht einfach an einen Strand gehen können, sondern vorher einen Platz buchen müssen. Bekommen sie diesen Platz, muss ihr Sonnenschirm mindestens fünf Meter vom nächsten entfernt stehen. Wachpersonal soll diese Abstände kontrollieren. Ebenfalls der Sicherung von Ansteckungsschutzabständen dient das Verbot von Gruppensportarten wie Beach Volleyball oder Wasserball und die Beschränkung der Zahl der Kinder an öffentlichen Spielgeräten.

Die italienischen Regionen Venetien, Ligurien und Emilia-Romagna wollen ihre Strände bereits am Montag wieder öffnen. Bis zum 1. Juni werden dort allerdings nur Gäste aus der jeweiligen Region baden dürfen. Erst für danach stellte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte in Aussicht, dass die Reisefreiheit innerhalb Italiens wieder hergestellt wird. Dem Corriere della Sera versprach der Regierungschef am Wochenende, dass die Italiener den Sommer "nicht auf dem Balkon verbringen" müssten, sondern ans Meer und in die Berge fahren könnten. Damit sie das auch wirklich machen und der dort ansässigen Tourismusindustrie wieder auf die Beine helfen, soll es für Geringverdienerfamilien mit Kindern einen aus Staatsschulden bezahlten Urlaubsbonus in Höhe von jeweils 500 Euro geben.

Auf Touristen aus dem Ausland werden die italienischen Hoteliers und Gastronomen wohl noch länger warten müssen - ebenso wie die spanischen. Dieses von der Coronaseuche besonders stark betroffene Urlaubsland verschärft am Freitag seine Grenzschließung sogar noch etwas und beschränkt nach den Einreisen über Frankreich und Portugal nun auch die über Flüge, Schiffe und Fähren aus dem Schengenraum. Einreisen dürfen dann bis vorerst 24. Mai nur noch Personen, die in Spanien wohnen oder arbeiten, Waren transportieren, oder eine "Notsituation" glaubhaft machen können. Für Einheimische in mehreren ländlichen Regionen abseits der Corona-Hotspots Madrid und Barcelona wurden dagegen am Montag die Ausgangsbeschränkungen etwas gelockert.

Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstation in Österreich sank auf 59

Während ihnen Italien und Spanien vorerst noch verwehrt bleibt, können deutsche Reisewillige ab dem 15. Juni nach Österreich fahren, wie das dortige Bundeskanzleramt heute früh bekannt gab. Darauf hätten sich der österreichische Regierungschef Sebastian Kurz und seine deutsche Amtskollegin Angela Merkel gestern telefonisch geeinigt. Vorher hatte sich Kurz beklagt, dass das deutsche Bundesland Bayern beim Thema Grenzöffnung "bremse". Aus der Münchner Staatskanzlei war dazu bislang keine Stellungnahme zu bekommen.

Deutsche Touristen sind in Österreich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - nicht nur im Winter, beim Skifahren, sondern auch im Sommer. Die in dieser Jahreszeit üblichen Aktivitäten gelten als nicht ganz so ansteckungsriskant wie das "Aprés-Ski", das der österreichische Epidemologieprofessor Franz Allerberger als einen der beiden wichtigsten Sars-CoV-2-Verbreitungswege Anfang des Jahres einstuft.

Inzwischen ist die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstation in Österreich aber auf 59 gesunken. 146 weiteren Angesteckten geht es so verhältnismäßig gut, dass sie in regulären Krankenhausbetten liegen. Angesichts dieser Zahlen plant man in Wien, auch den Grenzverkehr mit anderen Nachbarländern wieder schrittweise zu normalisieren: Mit Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Liechtenstein und der Schweiz - aber vorerst nicht mit Italien.

Mit der schweizerischen Regierung ist man Kurz zufolge "in einem sehr guten Austausch", der bereits in den "nächsten Tagen" zu "deutlichen Lockerungen" und zu einem "vollständigen Ende" der Einschränkungen im Juni führen könne. In Bern äußerte sich ein Sprecher von Justizministerin Karin Keller-Sutter ähnlich und stellte zudem vorsommerliche Urlaubsreiseerlaubnisübereinkünfte mit Deutschland und Frankreich in Aussicht. Die Grenzen zu Italien will aber auch die Eidgenossenschaft vorerst geschlossen halten. (Peter Mühlbauer)