Tragbares Radarsystem, um Verschüttete zu entdecken

Ein von der Nasa entwickeltes Radarsystem kann anhand des Herzschlags Verschüttete aufspüren. Bild: Nasa

Nasa und US-Heimatschutzministerium haben eine Technik entwickelt, um Verschüttete anhand ihrer Atembewegungen oder ihres Herzschlags zu lokalisieren

Ingenieure vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa haben in Kooperation mit dem Science and Technology Directorate (S&T) des US-Heimatschutzministeriums ein Radarsystem entwickelt, mit dem man feststellen kann, ob im Geröll von eingestürzten Gebäuden noch Menschen am Leben sind. Gefunden werden können Menschen anhand ihres Herzschlags, auch wenn sie schwer verletzt sind und sich nicht mehr selbst melden können, bewusstlos sind oder aber ihre Hilferufe von den Rettern nicht gehört werden.

Mitte September wurde das Gerät mit dem Namen FINDER (Finding Individuals for Disaster and Emergency Response) von dem städtischen Such- und Rettungsteam Virginia Task Force 1 in Lorton erneut und offenbar erfolgreich getestet. Vier freiwillige Opfer waren durch angelegte Betonröhren tief in die Trümmer gekrochen, angeblich wurden die "Opfer" bereits beim ersten Rundgang entdeckt. Zum Absuchen eines eingestürzten Hauses mit der Grundfläche von 100 Quadratmetern braucht man 10 Minuten.

Mit dem Prototyp, so die Nasa, könne man Menschen unter bis zu 9 m hohen Trümmern, hinter 6 m dicken festen Beton und au seiner Entfernung von 30 m in offenen Räumen. Das Radargerät sendet schwache elektromagnetische Wellen , die teilweise vom Schutt abprallen, aber auch diesen durchdringen und dann von den verschütteten Körper reflektiert werden. Wenn der Mensch noch lebt, dann hebt und senkt sich beim Atmen die Brust, schlägt das Herz und werden die Venen in der Kopfhaut gefüllt und geleert. Diese teils von uns gar nicht wahrnehmbaren Bewegungen erzeugen kleine Zeitunterschiede bei der Reflektion, die vom System registriert werden können. Angeblich können Menschen dabei auch von Tieren unterschieden werden.

Die Nasa hat die Technik beispielsweise beim Deep Space Network verwendet, um Weltraumflugkörper zu erkennen, beispielsweise um kleine Bewegungsveränderungen des Cassini-Satelliten, der um den Saturn kreist, festzustellen. Für FINDER wird eine ähnliche Technik der Signalverarbeitung zur Unterscheidung des Herzschlags oder des Atmens eines Menschen von anderen Geräuschen eingesetzt, wie sie Astronomen zur Identifizierung von Pulsaren vom Hintergrundrauschen nutzen.

Die Nasa geht davon aus, dass die Technik, die 2014 anwendungsreif sein könnte und auch weiter miniaturisiert würde, auch für künftige bemannte Missionen verwendet werden könnte, um die Vitalparameter aus der Ferne ohne Verdrahtung feststellen zu können. Man könne auch Roboter damit ausstatten, um nach Verschütteten zu suchen. Für die biologische Forschung wird gesagt, dass sich damit Arten unterscheiden ließen. Naja. Und natürlich soll die irdische Zweitverwertung der finanziell klammen Nasa dazu dienen, auf die Bedeutung ihrer Forschung auch für Anwendungen im Alltag hinzuweisen. Man wird sich etwa an die Teflonpfannen erinnern. Und die Nasa drückt auch ganz schön auf den Spin-Off: "FINDER bringt Nasa-Technik, mit der andere Planeten erforscht werden, dazu, Leben auf unserem Planeten zu retten. Mason Peck, Cheftecchniker der Nasa, fügt hinzu, dass FINDER ein wichtiges Beispiel für die Zusammenarbeit der Behörden sei, "die für den Steuerzahler einen direkten Vorteil bringt".

Vergessen wird allerdings zu erwähnen, dass die Technik auch helfen kann, Menschen in Gebäuden, die nicht zerstört sind, von außen zu orten. Das könnte nicht nur für die Jagd auf Kriminelle interessant sein, sondern auch für Kriminelle selbst, die mal schauen wollen, ob sich jemand in einem Haus aufhält, das sie ausrauben wollen. Seit 9/11 wurden von der Darpa eher Entwicklungen gefördert, um durch Mauern sehen zu können (Die Stadt und ihre Gebäude sollen zum Panopticon werden, Tragbare UWB-Systeme, um durch Mauern schauen zu können). (Florian Rötzer)