Trifft Trump Kim Jong Un in Prag?

Ob Regen in Genf, Wind in Warschau oder Sonnenschein in Singapur: Die Frisur sitzt (bei beiden Politikern). Bild "Kim Jong-Un": User P388388 / CC-BY-SA-4.0; Bild "Donald Trump": U.S. federal government

Südkoreanischer Präsident: Nordkorea "äußert den Willen zu einer völligen atomaren Abrüstung" und hat "keine Bedingung daran geknüpft, die die USA nicht akzeptieren könnten"

Für das geplante Treffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un sind Bloomberg zufolge neun Orte im Gespräch: Neben den für Gespräche zwischen verfeindeten Ländern traditionsreichen Städten Genf und Helsinki auch die skandinavischen Metropolen Oslo und Stockholm sowie die polnische Hauptstadt Warschau, die tschechische Hauptstadt Prag, das mongolische Ulan-Bator, das thailändische Bangkok und der asiatische Stadtstaat Singapur.

Weil der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman am Dienstag den (mit einem bekannten Schriftsteller namensgleichen) amerikanischen Botschafter Stephen King traf und weil sein Büro keine Fragen über solche "Spekulationen" beantwortet, setzen tschechische Medien auf ihre Hauptstadt. Der nordkoreanische Botschafter dort, Kim Pjong Il, ist ein Onkel von Kim Jong Un.

Ausgeschlossen soll mittlerweile sein, dass das Treffen in der chinesischen Hauptstadt Peking, in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, im koreanischen Grenzort Panmunjom oder in den USA stadtfindet. Letzteres wurde von Donald Trump bestätigt, der nicht von neun, sondern nur von fünf möglichen Orten für das Treffen spricht. Seinen Angaben nach muss es nicht unbedingt im Mai stattfinden, wie anfangs gemeldet, sondern könnte auch erst Anfang Juni erfolgen - oder gar nicht.

Letzteres werde dann der Fall sein, wenn er zur Ansicht gelange, dass das Gespräch "nicht ergiebig" sein würde. Derzeit, so Trump, gehe er aber davon aus, dass es ein "weltweiter Erfolg" werde. Ändere sich der Eindruck während des Gesprächs, werde er es "respektvoll verlassen". Ein Treffen zwischen Kim Jong Un und dem designierten US-Außenminister Mike Pompeo in Pjöngjang, über das US-Medien am Mittwoch spekuliert hatten, bestätigte der US-Präsident.

Der südkoreanische Präsidenten Moon Jae In wird sich bereits am 27. April mit Kim Jong Un treffen. Er sagte der Presse gestern, Nordkorea "äußere den Willen zu einer völligen atomaren Abrüstung" und habe "keine Bedingung daran geknüpft, die die USA nicht akzeptieren könnten". Zu solchen Bedingungen, die die USA nicht akzeptieren könnten, zählt seinen Worten nach auch der bislang als Vorbedingung geforderte Abzug der etwa 28.500 in Südkorea stationierten US-Soldaten. Neben einem "Ende der feindseligen Politik" bestehe Nordkorea nun nur noch auf "Sicherheitsgarantien".

Er, so Moon Jae In, glaube zwar nicht, dass alle Probleme auf einmal gelöst werden können, hoffe aber auf eine "Denuklearisierung" und einen Friedensvertrag, der seinen Worten nach dem "gemeinsamen Wohlstand beider Koreas" nützen würde. Aktuell gilt zwischen Nord- und Südkorea lediglich ein 1953 geschlossener Waffenstillstand. Donald Trump hatte bereits vorher verlautbart, dass eine Umwandlung dieses Waffenstillstands in einen Friedensvertrag seinen "Segen" hätte.

Yukiya Amano, der japanische Generaldirektor der Internationale Atomenergiebehörde IAEA zeigte sich in der Süddeutschen Zeitung ebenfalls hoffnungsfroh. Seinen Angaben nach stünden binnen weniger Wochen IAEA-Inspektoren bereit, die die nordkoreanischen Atomanlagen überprüfen könnten, wenn in den Gesprächen entsprechende Ergebnisse erzielt werden.

Eher nicht in diese Entspannungsmeldungen passen Einreisesperren der EU, die gestern gegen vier Nordkoreaner verhängt wurden. Als Begründung für die Einreisesperren führt Brüssel die Teilnahme an "betrügerischen Finanzpraktiken" zur Umgehung von Sanktionen gegen die Entwicklung verbotener Waffen an. Aus diesem Grund habe man auch "mögliche Vermögen" eingefroren.

Vorher war bereits gegen 55 natürliche und neun juristische Personen entsprechende Maßnahmen verhängt worden. Weitere 80 natürliche und 75 juristische Personen hat die UN auf eine Sanktionsliste gesetzt. (Peter Mühlbauer)

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