Trojanisches Pferd der Atomkriege

Auf der ersten internationalen Uranwaffenkonferenz wurde die Anerkennung von DU-Munition als Massenvernichtungswaffe und deren weltweite Ächtung gefordert

Unter dem Motto "Das trojanische Pferd der Atomkriege" fand letzte in Hamburg die erste weltweite Uranwaffenkonferenz statt, eine Initiative der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA). Etwa 200 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, Kriegsveteranen sowie Aktive aus der Anti-AKW- und der Friedensbewegung aus der ganzen Welt berieten vier Tage über eine Kampagne zur weltweiten Ächtung von uranabgereicherter Munition.

Uran erhöht die Durchschlagskraft von Metallen um ein Vielfaches und wird daher seit dem Golfkrieg '91 in panzerbrechenden Waffen eingesetzt. Für die Geschossmantel wird genanntes abgereichertes Uran - Depleted Uranium (DU) - eingesetzt. Dieses DU fällt zu Hunderttausenden von Tonnen bei der Nuklearindustrie als Atommüll ab - Kriegsgebiete sind also praktisch das atomare Endlager der westlichen Industrienationen.

Während des Golfkrieges '91 wurden laut Schätzungen von unabhängigen Wissenschaftlern etwa 320 Tonnen Uran im Südirak eingesetzt, in Bosnien ca. 3 Tonnen, in Serbien und Kosovo etwa 10 Tonnen. Diesen Angaben zufolge waren es annähernd 1.000 Tonnen Uran in Afghanistan und im Irak Anfang dieses Jahres vermutlich noch mehr. Die A 10 Thunderbolt Jets, aus denen die DU-Munition abgeworfen wird, sind auch in der BRD stationiert: auf dem US-Militärstützpunkt in Spangdahlem.

Uranmunition gilt als konventionelle Waffe, sie ist laut Ramsey Clark, dem ehemaligen Generalstaatsanwalt der USA, aber eine "hoch toxische und radioaktive Waffe". Laut GAAA wird durch deren Einsatz die Grenze zwischen konventionellen und nuklearen Waffen bis zur Unkenntlichkeit verwischt und die Artikel 35 und 56 der Genfer Konvention außer Kraft gesetzt.

DU-Munition steht im Verdacht, genetische Schäden und diverse Krebserkrankungen, wie z.B. Leukämie, hervorzurufen. DU-Partikel gelangen überall in den Körper, werden durch die Lymphgefäße transportiert und lagern sich beispielsweise bei Schwangeren im Mutterkuchen ab. Die Folgen für Mensch und Umwelt kann niemand abschätzen. In Afghanistan wird beispielsweise jetzt eine drastische Erhöhung der Krebsrate registriert. "Außerdem tauchen Krankheiten auf, von denen vorher noch niemand in unserem Land je etwas gehört hat", so der afghanische Wissenschaftler Mohammed Daud Miraki.

Der Zusammenhang zwischen erhöhten Krebsraten und Deformationen bei Neugeborenen und DU-Munition wird von den Verantwortlichen im Pentagon jedoch vehement bestritten. Untersuchungen, die diese Vermutung bestätigen - oder die Vorwürfe vielleicht auch entkräften - könnten, werden vereitelt. "Uns wurde in der Vergangenheit nicht gestattet, die für solche Untersuchungen notwendigen Gerätschaften zu importieren, nicht einmal die einschlägige Fachliteratur war erlaubt", erläuterte die irakische Umweltingenieurin Souad Al-Azzawi auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Kongresses. "Jetzt leben wir unter US-Besatzung und daran hat sich nichts geändert."

Auf dem Kongress wurde die Hamburger Kommission für Uranwaffen gegründet. Die Aktiven aus den verschiedenen Bereichen wollen sich weltweit vernetzen, Informationen austauschen und Öffentlichkeitsarbeit machen. Gemeinsame Forderung ist die offizielle Anerkennung von DU-Munition als Massenvernichtungswaffe und deren weltweite Ächtung.

Die Kommission fordert zudem, dass der Vertrag von 1959 aufgelöst wird, durch den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) gebunden ist. Die IAEA gilt als Lobby der Atomkonzerne, die kein Interesse an negativen Schlagzeilen - und demzufolge auch nicht an Aufklärung hat. Die WHO weist allerdings zurück, dass das Abkommen mit der IAEA die Organisation einschränkt. Die WHO wird aufgefordert, umgehend wissenschaftliche Untersuchungen einzuleiten, unabhängige Studien, die nicht von Konzernen finanziert werden und ohne Einmischung der Regierungen und dem Militär durchgeführt werden können. (Birgit Gärtner)

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