Trübe Aussichten für die Bundestagswahl

Nach dem DeutschlandTrend gibt es wohl außer einer Wiederauflage von Schwarz-Rot keine Alternative

Das Leben für den Kanzlerkandidaten der SPD ist hart. Er muss simulieren, tatsächlich eine Chance bei den Wahlen zu haben, Kanzler werden zu können. Das freilich wird immer unwahrscheinlicher und ist eigentlich schon ausgeschlossen, sollte nicht irgendetwas Unvorhersehbares geschehen. Man kann sich freilich kaum vorstellen, was Martin Schulz und der angeknacksten SPD wirklich Auftrieb geben könnte. Das Fernsehduell am Sonntag wird jedenfalls nicht groß etwas ändern, sondern so langweilig sein, wie bislang der Wahlkampf ist, bei dem es nur darum zu gehen scheint, mit wem Merkel und ihre Union koalieren.

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Der neue DeutschlandTrend bestätigt die fatale Lage für Martin Schulz. Zwar verliert auch Angela Merkel kurz vor der Wahl wieder an Attraktivität. Immerhin sagen aber noch 49 Prozent, 3 Punkte weniger als Mitte August, sie würden wieder für die amtierende Bundeskanzlerin stimmen, wenn es eine Direktwahl der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers gäbe. Martin Schulz liegt sowieso deutlich abgeschlagen hinten, kann aber nicht von der leichten Flaute profitieren, sondern verliert mit vier Punkten noch mehr als Merkel. Mit 26 Prozent kann er gerade ein bisschen mehr Stimmen holen als die SPD.

Von Martin Schulz erwarten nur noch wenige überhaupt etwas. Im Fernsehduell wird nach Meinung von 64 Prozent Angela Merkel "gewinnen", während gerade einmal 17 Prozent auf den SPD-Kanzler-Kandidaten setzen. Selbst unter den SPD-Anhängern sehen nur 35 Prozent Schulz als Gewinner. Da können die Roten nur noch Schwarz sehen.

Der SPD geht es ähnlich wie ihrem Spitzenkandidaten, auch wenn sie einen Punkt auf nun 23 Prozent zu legen, während die CDU einen Punkt einbüßt, die nun 37 Prozent wählen wollen. Auch ansonsten bewegt sich nicht viel, die Fronten scheinen festgefahren zu sein, minimal schwanken die Bürger zwischen der einen oder der anderen Partei. Linke und Grüne halten sich auf 9 bzw. 8 Prozent. Die AfD kann einen Punkt zulegen und würde mit 11 Prozent die größte Oppositionspartei werden, als die Linke von der Position verdrängen. Die FDP dürfte ihren Wiedereinzug in den Bundestag aller Voraussicht nach schaffen, verliert aber einen Punkt und kommt auf 8 Prozent.

Auf der Grundlage wäre eine rot-rot-grüne Koalition weiter ausgeschlossen, die sowieso 71 Prozent nicht wollen, für Union und FDP reicht es auch nicht (auch nur 43 Prozent fänden eine schwarz-gelbe Koalition gut, damit wäre diese Konstellation im Aufwind). Theoretisch möglich wäre eine schwarz-gelb-grünen Koalition, würde aber für die Grünen wohl den Gang ins Abseits darstellen, zudem lehnen dies 69 Prozent ab. SPD, Grüne und FDP schaffen es auch nicht, eine solche Koalition würde sogar von 72 Prozent nicht begrüßt.

Einfacher und unproblematischer wäre also die wiederholte Auflage einer großen Koalition unter Merkel, Schulz könnte sich dann ja als Außenminister profilieren. Da die SPD, wie sie zeigte, an der Macht klammert, könnte so die bleierne Zeit weitergehen. Da die Menschen im Land dies ahnen und auch nicht wirklich einen Wechsel wollen, ergeben sie sich in ihr Schicksal und lassen das Wahlkampftheater an sich vorbeigehen. Eine Wiederholung der großen Koalition finden mit 44 Prozent knapp noch die meisten gut, aber gegenüber April, wo die Frage zuletzt gestellt wurde, sind es 7 Punkte weniger. So schwankt die Stimmung derzeit zwischen Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb, wobei letztere keine reale Chance hat. Eigentlich gibt es keine Konstellation, die eine Mehrheit begrüßen würde. Die Wahl bietet mithin keine Wahl. (Florian Rötzer)

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