Trump: Der beliebte Kriegspräsident

US-Präsident Donald Trump bedankte sich bei den Navy-Kommandeuren nach dem Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt. Bild: Weißes Haus

Der bisher bestgehasste US-Präsident ist plötzlich der Liebling auch der "kritischen" Journalisten - Ein Kommentar

Der alte Kriegsreflex funktioniert in den USA noch immer: Während in Deutschland die Mehrheit der Befragten Trumps Raketen-Beschuss eines syrischen Flughafens ablehnt, wird er in die USA von Freund und Feind dafür gelobt und geliebt. Jetzt erst sei er "Präsident der Vereinigten Staaten" - lautet das Echo.

Präsident wird erst, wer beweist, dass er Krieg führen kann. So zum Beispiel der bisherige Trump-Kritiker Brian Williams vom Fernsehsender MSNBC: Die 59 Marschflugkörper seien "wunderschön" gewesen - so "wunderschön" wie Trump zuvor die vom Giftgas getöteten Babys fand. Oder auch die sonst Trump-kritische "New York Times", die durch den Raketen-Einsatz "eine Wende seiner Präsidentschaft" sieht. Trump als Friedensengel, der "wunderschöne Babys" rächt.

Der bisher bestgehasste US-Präsident ist plötzlich der Liebling auch der "kritischen" Journalisten. Auf dieselbe wundersame Weise wurde schon George H. W. Bush sen. zum Liebling der US-Journalisten als er 1991 den Irak-Krieg begann, und ebenso sein Sohn George W. Bush jun., der seinen Irak-Krieg 2003 mit einer Lüge rechtfertigte. 99% der US-Journalisten applaudierten, anstatt kritische Fragen zu stellen.

Bush hatte sich bei seinem Krieg sogar auf seinen "Freund Jesus" berufen. Dass durch die jüngste Trumpsche Raketen-Aktion 15 Menschen starben, ist in den US-Medien so gut wie kein Thema. Der Giftgas-Angriff war natürlich "böse", aber "unsere" Rache mit 59 Tomahawk-Raketen ist natürlich "gut". Die möglichen Folgen dieser Aktion werden verdrängt.

Der Kolumnist Sam Sacks twitterte: "Er musste einen Krieg anfangen." Über einen Präsidenten, der komplett von seinen Stimmungen abhängig ist, macht sich kaum ein US-Journalist Gedanken. Und schon gar nicht, dass diese Stimmungskanone Trump auch über einen Einsatz von Atombomben verfügen kann.

Journalisten sollten Regierungen kritisieren und kontrollieren. Stattdessen geben sich die meisten US-Medien wieder einmal als einfallsloses Sprachrohr eines Kriegs-Präsidenten, der keine Idee hat, wie er zur Beendigung dieses Konflikts beitragen kann.

Wann je wurde durch noch mehr Raketen und Waffen ein Krieg beendet? Reicht es immer noch nicht, dass sich bisher in Syrien mehr als 20 Kriegsparteien gegenseitig bekämpfen? Seit wann ist Rache ein guter Ratgeber für eine bessere Zukunft?

Kritikloser Beifall statt kritischer Fragen und Kontrolle: Das ist der publizistische Skandal hinter dem Skandal-Präsidenten Donald Trump.

Frieden geht auch in Syrien nicht über noch mehr Waffeneinsatz, sondern nur über Verhandlungen. Während die Toten des jüngsten US-Angriffs betrauert und beerdigt werden, verbrachte der US-Präsident am Wochenende zehn Stunden beim Golfspielen.

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(Franz Alt)

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