Trump: "Ich habe ein Schlamassel geerbt"

Donald Trump bei der Pressekonferenz. Bild: Weißes Haus

Donald Trump nutzte eine Pressekonferenz, um seine erfolgreiche Arbeit anzupreisen und die Medien mal wieder zu beschimpfen

Wir alle starren auf das Schauspiel, das derzeit in Washington seit Beginn des Wahlsiegs von Donald Trump aufgeführt wird. Ein hochgradig narzisstischer Milliardär versucht sich als Volkstribun, der das Establishment beiseite fegen und die USA wie ein hierarchisch geführtes Unternehmen führen will. Dagegen ein Widerstand, der nicht nur auf der Straße, sondern auch von Medien und der Politik zusammen mit den Geheimdiensten gegen den Präsidenten geführt wird, der als Sicherheitsrisiko dargestellt und beseitigt werden soll. Das Schauspiel überbietet die Fiktion, House of Cards etwa ist nur ein schwaches Abbild der Intrigen, die derzeit offen und verdeckt in Washington stattfinden.

Nachdem Trump gerade seinen Sicherheitsberater wegen russischer Kontakte, die von den Geheimdiensten an die Medien durchgestochen wurden, und seinen nominierten Arbeitsminister verloren hat, ergriff er die Flucht nach vorne und nutzte die Nominierung seines neuen Arbeitsministers für einen Rundumschlag in Form einer Pressekonferenz, was er ein "paar Worte" nannte. Natürlich strich Trump erst einmal heraus, wie gut seine Regierung bislang gearbeitet hat. Er sprach von einem "unglaublichen Fortschritt", noch nie habe ein Präsident so viel in so kurzer Zeit wie er geleistet.

Trump ist bekannt dafür, wie gut er sich findet. Das will er durch eine Rasmussen-Umfrage bestärken, nach der nun 55 Prozent seine Arbeit als Präsident gut finden. Das ginge nach oben, ebenso wie die Börsenkurse, denn in der Geschäftswelt gebe es einen Anstieg des Optimismus. Alles ist gut. Unternehmen würden bereits wieder in die USA zurückkehren. Aber die Medien in Washington, New York und Los Angeles, lamentierte er, würden über die Erfolge nicht berichten. Sie würden auch nicht für die Menschen sprechen, "sondern für Sonderinteressen und diejenigen, die von einem sehr kaputten System profitieren". Die Medien seien unehrlich geworden, daher müsse er darüber sprachen, was geschieht, da "die Medien außer Kontrolle sin". Manche Medien seien allerdings auch "ehrlich und fantastisch".

Er habe ein "Schlamassel" geerbt, im In- und im Ausland. Jobs und Unternehmen verlassen das Land, die Löhne sind niedrig, "Masseninstabilität überall, wo man hinschaut". Seit dem ersten Tag habe man daran gearbeitet, diese Probleme zu lösen. Es habe viele produktive Gespräche mit Großbritannien, Japan, Mexiko, China und Kanada gegeben: "sehr viel produktiver als Sie verstehen würden".

Er habe den Islamischen Staat geerbt, der sich wie ein Krebs verbreitet, er habe neue Sanktionen gegen den Iran verhängt, der "der weltweite Hauptunterstützer des Terrors" sei, und er habe einen "massiven Wiederaufbau des Militärs" angeordnet - in der Hoffnung, das Militär nie zu gebrauchen, man suche Frieden durch Stärke. Überhaupt halte er seine Wahlversprechen, indem er beispielsweise "die monumentale Aufgabe" verfolge, die Regierung an das Volk zurückzugeben, wobei er schnell auf sichere Grenzen kommt, um gleich wieder abzuschweifen und zu erklären, wie viele Stimmen er bei der Wahl von den Wahlmännern erhalten, angeblich mehr als alle andere Präsidenten seit Ronald Reagan, in dessen Nachfolge er sich stellen will. Überhaupt: "Diese Regierung läuft wie eine gut eingestellte Maschine, auch wenn ich mein Kabinett nicht durch den Kongress bringen kann."

Überall gibt es für Trump Erfolge, zumindest im Ankündigen. Man werde überflüssige Regulierungen weniger machen, die Drogen bekämpfen, die Grenzen sichern, die "große Mauer" bauen, kriminelle Ausländer abschieben und "islamische Terroristen" nicht ins Land lassen. Tag und Nacht werde für die Sicherheit gearbeitet, man baue die Pipelines, schaffe Obamacare ab und lege den "Korruptionssumpf" trocken.

Trump verteidigte noch einmal Flynn, verkehrt gelaufen sei, dass geheim eingestufte Informationen illegal weitergegeben wurden: "Das ist das wirkliche Problem." Über Russland könne man reden, so viel man wolle, es handele sich um Fake News, um die Wahlniederlage der Demokraten zu kompensieren, wobei die Medien mitspielen würden: "It's all fake news. It's all fake news. The nice thing is, I see it starting to turn, where people are now looking at the illegal -- I think it's very important -- the illegal, giving out classified information. It was -- and let me just tell you, it was given out like so much."

Sprachlich eiert Trump bei seinen Rechtfertigungstiraden ziemlich herum: "I don't mind bad stories. I can handle a bad story better than anybody as long as it's true and, you know, over a course of time, I'll make mistakes and you'll write badly and I'm OK with that. But I'm not OK when it is fake. I mean, I watch CNN, it's so much anger and hatred and just the hatred." Im Übrigen sei es gut, mit Russland gute Beziehungen zu haben, da das Land ebenso wie die USA ein "mächtiges nukleares Land" sei. Es sei für ihn einfacher, hart gegenüber Russland aufzutreten, aber dann werde es keinen Deal geben. Aber er wolle nicht nur das Richtige für die Amerikaner machen, sondern auch für die Welt. Er unterscheide sich halt von anderen Politikern.

Nebenbei: Bei einer Umfrage der American Psychological Association über den "Stress in America" fühlt sich im Januar die Mehrheit der Amerikaner mit 57 Prozent gestresst vom politischen Klima, vor allem die Schwarzen, die Bewohner der Städte und die jungen Menschen.

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