Trump: "Ich werde der größte Jobs-Präsident sein, den Gott jemals geschaffen hat"

Bild: Kuka Systems/CC BY-SA-3.0

Donald Trump verspricht Millionen neuer Jobs in der Industrie. Die rasante Automatisierung wird ihm einen Strich durch die Rechnung machen

Die USA hatten buchstäblich die Wahl zwischen Pest und Cholera – zwischen einem faschistoiden Neoliberalen Trump und einer elitären Neoliberalen Clinton. Die Wahl verlief eigentlich so, als frage man einen Vegetarier, ob er sein Steak blutig oder medium haben wolle. Trump und Clinton stecken beide im Lobby-Sumpf aus Wall Street, US Army, privaten Sicherheitsunternehmen und anderen Interessengruppen. "It’s the economy, stupid." In den USA sind über die Hälfte der Kongressabgeordneten Millionäre.

Die röchelnde US-Wirtschaft war wie immer eines der zentralen Wahlkampfthemen – und damit verbunden die eklatante Kluft zwischen Arm und Reich. Das reichste 1 Prozent der US-Amerikaner verdient ein Viertel des gesamten Einkommens und besitzt die Hälfte aller Wertpapiere und die Hälfte des gesamten nationalen Vermögens. Die USA haben rund 320 Millionen Einwohner, 44 Millionen von ihnen haben nicht genügend zu essen und sind auf Lebensmittelmarken angewiesen. Das geht aus dem 2014 publizierten Bericht der US-Behörde für Landwirtschaft hervor. Ein 2015 veröffentlichter Bericht der US-Regierung kommt zu dem Ergebnis, dass rund 40 Prozent der Erwerbstätigen in nicht-regulären Jobs arbeiten, also mit befristeten Verträgen und ohne eine ausreichende Renten-, Kranken- oder Arbeitslosenversicherung. Kurzum: Den meisten US-Amerikanern geht es nicht gerade gut.

Donald Trump ließ sich nicht zweimal bitten, den Messias zu spielen. Während des Wahlkampfs hat er immer wieder betont, dass die Globalisierung und "illegale Einwanderer" an der Armuts- und Arbeitslosenquote der USA schuld seien. Im gleichen Atemzug erklärte Trump, dass er ein neues Jobwunder hervorzaubern werde und prophezeite: "I will create jobs like no one else." Anschließend verkündete Trump: "I will be the greatest jobs president God ever created." Doch die Argumente und Versprechen Trumps sind hanebüchen.

Trump behauptet, dass die Globalisierung am Job-Desaster schuld sei, weil Millionen von Arbeitsplätzen nach China, Mexiko und andernorts abgewandert seien. Und er fügte hinzu, dass die USA keine Realgüter mehr produzieren würden: "I talk about it all the time. We don't make anything anymore."

Fakt ist: Die USA sind hinter China weltweit die Nummer 2 in der industriellen Produktion. Seit dem Höchststand der industriellen Produktion im Jahr 1979 haben die USA in diesem Sektor bis heute rund 7 Millionen Jobs verloren. Aber: Im selben Zeitraum hat sich die Produktivität der US-Fabriken mehr als verdoppelt auf nunmehr 1,91 Billionen US-Dollar pro Jahr. Sprich, Maschinen ersetzen Menschen. Immer weniger Arbeitskräfte produzieren immer mehr Realgüter wie beispielsweise Autos, elektronische Geräte bis hin zum Pappkarton. Dagegen hat auch Trump kein Zaubermittel. Während die Produktivität der Industrie kontinuierlich wächst, schrumpft gleichzeitig die Anzahl der dafür benötigten Arbeitsplätze.

Eine vielzitierte Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen könnten. Während etwa Sozialarbeiter oder Handwerker weniger gefährdet sind, ist für Beschäftige in den Bereichen Finanzen, Verwaltung, Logistik, Spedition und vor allem Produktion das Risiko, ersetzt zu werden, enorm hoch.

Eine 2015 publizierte Studie der US-amerikanischen Ball State University kommt zu dem Schluss, dass in den letzten Jahren nur 13,4 Prozent der verschwundenen US-Jobs aufgrund von Importen und vergleichbaren Faktoren verloren gingen. Anders formuliert: Die rasant steigende Produktivität der US-Industrie ist zu 86,6 Prozent dafür verantwortlich, dass Arbeitsplätze vernichtet werden; es handelt sich also eindeutig um eine hausgemachte Entwicklung.

Die Autoren der Studie schreiben: "Hätten wir das Produktivitätsniveau der 2000er Jahre beibehalten und auf das Produktivitätsniveau der 2010er Jahre übertragen, dann hätten wir 20,9 Millionen Industrie-Arbeiter benötigt. Stattdessen haben wir aber nur 12,1 Millionen einstellen müssen." Und das allein in einem Zeitraum von zehn Jahren.

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