Trump: "Russland, halte dich bereit"

Abschuss einer Tomahawk-Rakete. Bild: US-Navy/gemeinfrei

Kriegsgebell des US-Präsidenten: Mit seinen neuen Tweets lässt er keine Zweifel mehr an seinen Angriffsplänen in Syrien und bringt sich unter Zugzwang. Unklar ist, was er im Verhältnis zu Russland beabsichtigt

Trump gibt sich unbeeindruckt von russischen Warnungen für den Fall eines Angriffs. Er reagierte wie so oft mit Tweets. Im ersten teilte er mit, dass sich Russland bereit halten soll, weil die Raketen auf Syrien, die Russland laut Ankündigung abschießen würde, kommen würden, "hübsch und neu und smart". Russland sollte kein Partner eines Tieres sein, das ein Volk tötet und das genießt:

Russia vows to shoot down any and all missiles fired at Syria. Get ready Russia, because they will be coming, nice and new and "smart!" You shouldn’t be partners with a Gas Killing Animal who kills his people and enjoys it!

Donald Trump @realDonaldTrump

Im folgenden Tweet erklärt der US-Präsident dann, dass die Beziehung zu Russland so schlecht sei wie nie zuvor, einschließlich der Zeiten des Kalten Krieges. Dafür gebe es aber keinen Grund. Russland brauche die Vereinigten Staaten, damit seiner Wirtschaft geholfen werde…

Our relationship with Russia is worse now than it has ever been, and that includes the Cold War. There is no reason for this. Russia needs us to help with their economy, something that would be very easy to do, and we need all nations to work together. Stop the arms race?

Donald Trump @realDonaldTrump

Crazy. Vor einiger Zeit hatte Trump noch mit Putin telefoniert und nichts dergleichen über das Verhältnis gesagt. Nun variiert er Obamas Ausspruch, der Russland nicht den Status einer Weltmacht zugestand, sondern den einer Regionalmacht, und stellt Russland als ein Land hin, das auf Wirtschaftshilfe der USA angewiesen ist.

Solche Prestigespielchen dürften bei Putin nicht gut ankommen. Die Chancen, dass ein US-Raketenangriff, der nicht nur die syrische Regierung, sondern auch die Interessen Russlands empfindlich trifft, vom Kreml gelassen, mit ruhig Blut beantwortet wird, erhöhen sich durch die Tweets nicht wirklich.

Anderseits gab es im Twitter-Show-Down zwischen Trump und Kim Jong-un auch verbale Eskalationen, die mit der Zeit unheimlich wurden, echte Raketen wurden aber nicht abgeschossen, stattdessen wurde dann ein Treffen vereinbart. Ob es eine ähnliche Wende auch in der Konfrontation zwischen den USA und Russland geben könnte?

Der Unterschied ist allerdings, dass Syrien eine ganz andere Rote-Linien-Vorgeschichte hat, dass sich Trump von Obamas Zurückweichen vor einem Angriff in letzter Minute im August 2013 ("Wir hatten keine Slam-Dunk-Beweise für einen Chemiewaffenangriff", Obama) zuletzt sehr entschieden distanzierte: Er werde das anders handhaben. Trump setzte sich mit jeder Äußerung zu beabsichtigten militärischen Aktionen tiefer in die Nesseln und erhöhte den Zugzwang, tatsächlich krachend und härter als beim letzten Mal zuschlagen zu müssen.

Wie ernst das Kriegsgebell diesmal ist, ist daher schwer einzuschätzen. Für die Möglichkeit, dass sich Trump nur aufbläht, spricht derzeit nicht so viel. (Thomas Pany)

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