Trump: "Wir haben eine Menge Killer gehabt"

Bild: Weißes Haus

Der US-Präsident spricht einmal wieder undiplomatischen Klartext, auch mit einem "Killer" wie Putin können die USA kooperieren, die nicht viel anders agieren

Man kann über Trumps Politik denken, was man will, er überrascht aber immer wieder durch "unkonventionelle" Äußerungen. Derzeit macht er persönlich Jagd auf den Bundesrichter, der sein Einreiseverbot vorübergehend aufgehoben hat. Er habe damit das Land für die Zureise der Bösen geöffnet, schrieb er auf seinem weiterhin betriebenen privaten Twitter-Account, den er wohl nicht aufgeben will, allerdings schreibt er auf seinem Potus-Account dasselbe.

In einem Interview mit dem Sender FoxNews, den Barack Obama gemieden hat, der aber nun von Trump bevorzugt wird, machte er wieder deutlich, dass er nicht bereit ist, dem Druck nachzugeben, was seine Russlandpläne betrifft. Der Sender veröffentlichte vorab einige Äußerungen, um für die spätere Aussendung des Interviews zu werben.

Bill O'Reilly fragte den Präsidenten, ob er den russischen Präsidenten Putin respektiere. Er respektiere ihn, antwortete Trump: "Aber ich respektiere eine Menge Leute. Das bedeutet nicht, dass ich mit ihnen klar komme." Das klingt noch sehr zurückhaltend, aber er sagte, er würde jede Hilfe von Russland im Kampf gegen den Islamischen Staat begrüßen, und fügte hinzu, er würde lieber mit Russland auskommen als im Konflikt zu liegen.

Als dann O'Reilly meinte, dass Putin doch ein Killer sei, gab Trump eine überraschende Antwort, die anderen Präsidenten wohl kaum über die Lippen gekommen wäre, die aber wieder deutlich macht, dass er sich wenig diplomatisch verhält, sondern seine persönliche Meinung nicht zurückhalten kann. Sie ist allerdings ehrlich: "Es gibt eine Menge Killer. Wir haben eine Menge Killer gehabt", sagte er. "Was glauben Sie? Ist unser Land so unschuldig?" In der Tat nicht, zuletzt wurden unter Obama Tausende von Menschen mit Drohnen und Spezialkommandos gezielt umgebracht, auch Trump selbst muss einen ersten Einsatz im Jemen verantworten, bei dem Frauen und Kinder getötet wurden, darunter ein achtjähriges Mädchen mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Das Eingeständnis, dass die USA auch Killer beschäftigt hat, dürfte freilich nicht bedeuten, dass Trump die Praxis verändern wird. Schließlich hat er erst eine CIA-Agentin zur stellvertretenden Direktorin gemacht, die aktiv am CIA-Folterprogramm beteiligt war. Seine Billigung des Einsatzes im Jemen, ein Killerkommando, macht klar, dass Mordanschläge auf vermutliche Gegner weiter auf dem Programm stehen. Trump scheint nur die Machtpolitik offensiv zu vertreten und die moralische Scheinheiligkeit aufzugeben. Man arbeitet, wie dies die USA immer wieder gemacht haben, durchaus mit mörderischen Regimen zusammen, wenn es Amerika groß macht. Dafür wird Trump nicht wie Obama den Friedensnobelpreis erhalten, aber er ermöglicht klarere Standpunkte auch für die Kritik.

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