Trump droht Frankreich mit Straf-Zöllen auf Wein?

Bild: Pixabay/CC0

Dem US-Präsidenten hat es in Europa nicht gut gefallen

Die deutsche Kanzlerin gab dem französischen Präsidenten Rückendeckung und sprach sich am Dienstag vor EU-Abgeordneten für eine echte oder wahre europäische Armee aus. Ihre Worte waren so gewählt, dass sie praktisch nicht viel kosten, aber möglichst gute Gefühle auslösen - sie blieben unverbindlich.

"Wir sollten an der Vision arbeiten, eines Tages auch eine echte europäische Armee zu schaffen. (…) Eine gemeinsame europäische Armee würde der Welt zeigen, dass es zwischen den europäischen Ländern nie wieder Krieg gibt", so der betreffende Auszug aus ihrer Rede vor dem Europaparlament in Straßburg. Dafür gab es Beifall von den EU-Abgeordneten.

Sie sicherte sich gegen Missverständnisse ab, als sie betonte, dass eine europäische Armee "keine Armee gegen die Nato sei". "Kein Mensch möchte klassische Verbindungen in Frage stellen", fügte sie hinzu und der Bericht der Welt notiert, dass sich an dieser Stelle "Applaus und Buhrufe aus den verschiedenen Fraktionen mischten". Laut ZDF gab es massive Störungen durch Buhrufe und "Protestrufe von rechtsextremen Parlamentariern und Abgeordneten der EU-kritischen britischen UKIP". An welchen Stellen der Rede genau sie einsetzten, wurde aber nicht präzisiert.

US-Präsidenten Trump goutierte die Absicht der Bildung einer europäische Armee mit scharfen Sticheleien. In seinem ersten Tweet dazu sprach er davon, dass der Vorschlag Macrons, eine eigene europäische Armee aufzubauen, um sich gegen die USA, China und Russland zu schützen, beleidigend sei.

Das war noch vor seiner Abreise nach Frankreich, wo er mit anderen Staatschefs das Ende des Ersten Weltkriegs gedachte. Als er wieder zurück in den Vereinigten Staaten war, gab es dann weitere Tweets mit weiteren, noch grimmigeren Tweets, sie zielten auf die europäische Armee, Deutschland und Macron.

Vergeblich hatte Macron zu erklären versucht, dass Trump unterschiedliche Bemerkungen des langen Interviews Macrons mit Europe 1 zusammengemengt habe, einmal die Idee, eine "wahre europäische Armee zu bilden" und zum anderen die Sorgen über die Sicherheitslage in Europa angesichts der von den USA angekündigten Aufkündigung des INF-Vertrags.

Trump hörte, was er hören wollte und es kann gut sein, dass ihm missfällt, was Macron mit seiner Initiative auf der praktischen Seite im Sinn hat: weniger Rüstungsaufträge für US-Unternehmen, mehr für europäische.

Trump war wahrscheinlich auch wenig angetan von der auf Fotos auffallend dokumentierten Nähe zwischen Merkel und Macron bei den Gedenkzeremonien, den Anspielungen, die deutlich gegen seinen politischen Kurs gerichtet waren, die Reden für den Multilateralismus, gegen Alleingänge und Nationalismus - sein Tweets zeigten Verstimmung. Er nahm das Thema "europäische Armee" noch einmal auf, mit den gleichen Worten wie zuvor, aber einer neuen Pointe gegen Macron und Merkel.

Emmanuel Macron schlägt die Bildung einer Armee vor, um Europa gegen die USA, China und Russland zu schützen. Aber es war Deutschland im ersten und zweiten Weltkrieg - was hatte das für Folgen für Frankreich? Sie fingen an, in Paris Deutsch zu lernen, bevor die USA einschritten. Zahlt für die Nato oder lasst es.

Donald J. Trump

Der Geschäftsmann setzte dem noch eins drauf:

Was den Handel betrifft, so produziert Frankreich exzellente Weine, aber auch die USA. Das Problem besteht darin, dass es Frankreich für die USA sehr schwierig macht, seine Weine nach Frankreich zu verkaufen, während es die USA für die französischen Weine sehr einfach macht und nur sehr wenig Zölle erhebt. Das ist nicht fair und muss geändert werden.

Donlad J. Trump

Französischer Wein, Strafzölle? Frankreich ist nach Italien der größte Weinexporteur in die Vereinigten Staaten. Im Jahr 2017 wurden laut des Fachmagazins Pleinchamp 100,47 Millionen Liter französischer Wein in die USA exportiert, der Wert lag bei 782,14 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das Magazin einen Geschäftsrückgang von 7,1 Prozent fest.

Frankreich sei der unumstrittene Führer beim Handel mit teuren und hochwertigen Weinen, ebenso beim Rosé, ist bei der Bankgruppe BNP Paribas nachzulesen. Dort bezeichnet man die USA als Eldorado für französische Winzer.

Es dauerte nicht lange, bis man in den französischen Medien auf den Tweet reagierte. Müssen sich nun französische Winzer bedroht fühlen?, wurde gefragt, abgewiegelt ("Trump ist nur ein bisschen schlecht gelaunt") und aufgeklärt.

Er sehe keine Zollbarrieren für amerikanische Weine, sagt der Chef des Handelsunternehmens Vin du Monde gegenüber der Zeitung Le Monde. Hinzuzufügen ist allerdings, dass Herr Ponçin hauptsächlich sehr teure Weine aus Kalifornien importiert. Da spielt der Preis ohnehin keine entscheidende Rolle. Die Franzosen würden nur teuren, exzellenten Wein aus den USA trinken, ansonsten lieber eigene Produkte. Die Einfuhr amerikanischer Weine mache 1 Prozent aller importierten Weine aus, so die Zeitung.

Dagegen setzt Le Monde die Exportzahlen für 2017 sehr viel höher an als das oben genannten Fachmagazin, nämlich bei einem Umfang von 1,56 Milliarden und einem Plus von 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2016. In kein anderes Land würde man so viele Flaschen Wein und Champagner exportieren auch nicht nach Deutschland. Insgesamt würde Europa Wein im Wert von 3,4 Milliarden Euro in die USA exportieren. Da könnte man schon Hebel ansetzen.

Der Sprecher der Gemeinschaft der französischen Wein- und Spirituosen-Exporteure spricht davon, dass es lediglich um eine Androhung gehe. Man will sich dazu nicht weiter äußern. Beim Handel mit den USA gehe es um teure Weine. (Thomas Pany)

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