Trump gefährdet den Wissenschaftsstandort USA

Es kommen weniger Studenten und weniger Graduierte bleiben da, die Paranoia vor China wird geschürt, was langfristig der wirtschaftlichen und militärischen Macht der USA gefährlich werden kann

600.000 Chinesen studieren im Ausland, etwa die Hälfte in den USA. Die USA haben lange vom Brain Drain aus anderen Ländern profitiert, die meisten Studenten blieben auch nach Studienabschluss im Land und haben mit dafür gesorgt, dass die Fortschritte der amerikanische Wissenschaft und Technik andere Ländern in vielen Bereichen überflügelt. Kompensiert wurde durch den steten Zufluss auch der Mangel an amerikanischen Studenten in den MINT-Fächern.

Letztlich trugen die Studenten aus China und anderen Ländern auch dazu bei, die militärische Überlegenheit der USA durch den technischen Vorsprung zu sichern. In den letzten Jahren blieben fast 90 Prozent der Chinesen, nachdem sie einen höheren Universitätsabschluss gemacht haben, noch in den USA - und waren damit dem chinesischen Markt und damit etwa auch der Rüstungs- oder KI-Forschung entzogen.

Donald Trumps Versuch, Amerika größer zu machen, indem die Militärausgaben erhöht werden, aber auch die Handelsschranken vergrößert und die Zuwanderung verringert werden, könnte längerfristig die technische und wissenschaftliche Innovationskraft und damit auch die Wirtschaft des Landes schwächen. Trump verschärft nicht nur den militärischen und wirtschaftlichen Konflikt mit China, das viel in neue Techniken wie die KI, aber auch in neue Waffensysteme investiert, sondern hat neben dem Warenimport auch die Zuwanderung von chinesischen Studenten durch Restriktionen bei der Gewährung von Visa erschwert.

So wird gerade den Chinesen, die Robotik, KI oder andere technischen oder Ingenieursstudiengänge (STEM) studieren, seit Juni erst einmal nur ein Visum für ein Jahr gewährt, das dann Jahr um Jahr verlängert werden kann. Zuvor war es Routine, dass sie für einen Zeitraum von 5 Jahren ausgestellt wurden. Zudem sollen Bewerber, die sich für solche Studiengänge bewerben wollen, genauer überprüft werden. Die New York Times berichtet, dass es bereits für chinesische Wissenschaftler schwieriger wurde, Forschungsanträge zu stellen.

Überdies würden die chinesischen Studenten stärker unter den Verdacht geraten, als Spione in die USA kommen zu wollen. Bei einem Essen mit CEOs soll Trump Anfang August gesagt haben, dass fast jeder, der aus China kommt, ein Spion ist. Während einer Geheimdienstausschussanhörung im Februar sprach der FBI-Chef Christopher Wray davon, dass praktisch alle chinesische Studenten und Wissenschaftler als "nontraditional collectors" eine Bedrohung darstellen. China bedrohe nicht nur die Regierung, sondern die gesamte Gesellschaft, daher müsse die Antwort auch eine gesamtgesellschaftliche sein. Es wird also gezielt Paranoia verbreitet und die Naivität der offenen Gesellschaft beklagt.

Trump fürchtet neben Spionage "ökonomischen Diebstahl". Angekündigt wurde dies bereits in der Nationalen Sicherheitsstrategie, die im Dezember 2017 veröffentlicht wurde: "Wir werden Restriktionen für ausländische STEM-Studenten aus bestimmten Ländern überlegen, um sicherzustellen, dass geistiges Eigentum nicht an unsere Konkurrenten übermittelt wird, während wir die Bedeutung der Anwerbung der am weitesten fortgeschrittenen technischen Arbeitnehmerschaft anerkennen."

Zwischen 2012 und 2016 ist die Zahl der Studenten aus dem Ausland an amerikanischen Universitäten stetig gestiegen. Letztes Jahr gab es auf einmal einen Knick. Insgesamt waren 2017 über 3 Prozent weniger an den Universitäten als 2016, bei den Graduierten war der Rückgang am höchsten. In den STEM-Fächern waren es hier sogar 6 Prozent weniger. Am stärksten betroffen waren die Computer- und Ingenieurswissenschaften. Noch immer aber kommen die meisten Studenten aus China und Indien. Als Gründe werden die veränderten politischen und sozialen Bedingungen in den USA, die hohen Kosten, Visa-Probleme und Konkurrenz von anderen Ländern mit den USA als Universitätsstandorte genannt.

Zwar könnte sich die Zahl der Studenten aus China in den USA nicht schnell stark verändern, aber es gibt nach dem chinesischen Bildungsministerium auch hier einen neuen Trend, dass die chinesischen Hochschulabsolventen vermehrt und schneller nach China zurückgehen. 2017 waren es danach mehr als 480.000, 11 Prozent mehr als 2016. Trump und Visa-Probleme sind aber nur eine Ursache. Hinzukommt, dass die Gehälter in China deutlich gestiegen sind und so das Arbeiten in den USA weniger attraktiv wird. "Das Problem des Brain Drain gibt es nicht mehr", sagte Chen Guoqiang, der Direktor des Zentrums für synthetische und systemische Biologie an der Tsinghua-Universität gegenüber SCMP: "Ein wichtiger Grund ist das Gehalt, ein anderer Trump."

SCMP berichtet, dass etwa das Gehalt für eine Postdoktorantenstelle an einem Institut für Chemische Physik in China bis zu 87.000 US-Dollar (600.000 Yuan) reichen kann, doppelt so viel wie das übliche Gehalt in den USA, das aber auch vielfach in China gezahlt wird, wo Postdoktoranden normalerweise zwischen 200.000 und 400.000 Yuan verdienen. Der Trend ist, dass mit dem Ausbau der Wissensgesellschaft die Zahl der Stellen steigt, mehr interessante und innovative Forschung stattfindet und sich die Konkurrenz um die besten Studenten und Wissenschaftler verstärkt, wodurch auch die Gehälter anwachsen. Allerdings sollen auch Studenten daran gehindert worden sein, ins Ausland zu gehen, weil auch China fürchtet, dass sie Wissen weitergeben könnten.

Mittlerweile profitiert selbst Deutschland von der veränderten Bildungsmobilität, die sich mit Trumps Politik weiter verschieben könnte, wobei erst einmal die unmittelbaren Konkurrenten Großbritannien und Australien gewinnen werden. Allerdings liegt Deutschland knapp nach Frankreich weltweit an vierter Stelle, was die Zahl internationaler Stellen betrifft.

In Deutschland hatte man sich 2013 das Ziel gesetzt, auch durch vermehrte englischsprachige Studienangebote, die Zahl der ausländischen Studenten bis 2020 auf 350.000 zu erhöhen. 2015 waren es noch nur 235.000 internationale Studenten vor allem aus China, Indien und Russland. Im Wintersemester 2016/17 war mit 359.000 ausländischen Studenten das Ziel bereits übertroffen worden. Was in den USA Donald Trump ist, könnte in Deutschland die auch im Ausland wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit sein, die es für internationale Studenten weniger attraktiv erscheinen lässt, hier zu studieren - und dann auch zu bleiben. - (Florian Rötzer)

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