Trump holt Breitbart-Chef ins Team

Breitbart News. Screenshot: Telepolis

Entscheidung könnte erneuten Strategiewechsel bedeuten

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat sein Wahlkampfteam um zwei bekannte Persönlichkeiten erweitert, die auf eine Änderung seiner Strategie hindeuten: Dass er die Big-Data-Spezialistin Kellyanne Conway verpflichtete, heißt wahrscheinlich, dass er es Clinton gleichtun und Wähler gezielter mit ihren besonderen Interessen ansprechen will. 2016 ist das eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Überraschter waren Beobachter von der zweiten Personalie: Mit Stephen K. Bannon, dem Chef des Medienunternehmens Breitbart News Network, hat Trump eine Person in sein Team geholt, die keine Erfahrung mit Wahlkämpfen, aber viel Erfahrung im Kampf gegen etablierte Medien hat. Breitbart steht nicht nur für Attacken gegen Hillary Clinton und die Demokratische Partei, sondern auch gegen das republikanische Establishment, mit dem sich Trump in den letzten Monaten eher zu versöhnen schien.

Das Unternehmen wurde vor neun Jahren vom damaligen Drudge-Report- und Huffington-Post-Mitarbeiter Andrew Breitbart als Videoblog ins Leben gerufen, der damit explizit ein Gegenstück zu den etablierten Medien aufbauen wollte. 2010 sagte er Slate, sein Geschäftsmodell sei der "Angriff" und er nehme es in Kauf, wenn er deshalb als "verrückt" dargestellt werde. Als der Gründer 2012 im Alter von lediglich 43 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt starb, gingen viele davon aus, dass das das Ende der Erfolgsgeschichte des Portals sein würde - aber das Gegenteil war der Fall:

Breitbarts Nachfolger Stephen Bannon, der in den 1990er Jahren mit der Fernsehsendung Seinfeld reich wurde, steigerte die Leserschaft innerhalb von vier Jahren von 2,9 auf 17 Millionen Besucher, verdreifachte das Personal und expandierte nach Großbritannien und Israel. Alleine im letzten Jahr stieg der Traffic von Breitbart um 124 Prozent. Das dürfte auch daran liegen, dass man sich mit dem britischen Kolumnisten-Star Milo Yiannopoulos explizit als Gegengewicht zum SJW-Mainstream positionierte (vgl. Cruz verweigert Trump die Unterstützung) und sich über Donald Trump nicht geifernd ereiferte, sondern den Milliardär - wenn auch manchmal etwas augenzwinkernd - als Mann feierte, der das Potenzial hat, dem Establishment gefährlich zu werden.

Ein Zeichen dafür, dass die Berufung Bannons in Trumps Wahlkampfteam auch eine Änderung der Wahlkampfstrategie war, könnte die Reaktion des Milliardärs auf das Geheimdienst-Briefing sein, das ihm der Nationalen Geheimdienstdirektor am Mittwoch gewährte. Solch ein Briefing ist für die Kandidaten der beiden großen Parteien nach den Nominierungsparteitagen üblich. Trump sagte in einem Interview bereits vor dem Termin, er wolle sich als Präsident bei Entscheidungen nicht nur auf die Geheimdienste verlassen, weil sich deren Einschätzungen in der Vergangenheit nicht immer als zutreffend erwiesen hätten.

Bekommt Bannon Einfluss darauf, was Trump im Wahlkampf sagt und was er nicht sagt, dürfte das auf Kosten des nominellen Wahlkampfleiters Paul Manafort gehen, der den Milliardär nach der Ablösung seines eher Bannon ähnelnden Vorgängers Corey Lewandowski angeblich davon zu überzeugen versuchte, dass sich das Anti-Establishment-Image, mit dem er die Vorwahlen gewann, nicht dazu eignet, in größerem Maßstab unabhängige Wähler anzusprechen und Hillary Clinton zu besiegen. Danach agierte Trump zurückhaltender - und verlor in Umfragen.

Dem Vanity-Fair-Autor Ken Stern sagte Bannon vor seiner Berufung in Trumps Wahlkampfteam angeblich, der Kandidat sei für ihn nur ein "ungeschliffenes Instrument", mit dem sich eine Bewegung beginnen lasse - egal, ob er die Wahl im Herbst gewinnt oder nicht. Stern spekuliert deshalb, ob es Bannon und dem Milliardär überhaupt darum geht - oder ob sie nicht lieber ein Medienimperium aufbauen wollen, das Rupert Murdoch und Fox News den Rang abläuft.

Roger Ailes, der unlängst wegen sexueller Belästigungsvorwürfe einer Angestellten gefeuerte Ex-Chef von Fox News, wird Trump nicht auf die anstehenden Fernsehdebatten vorbereiten. Ein Bericht der New York Times, die dieses Gerücht aufgebracht hatte, wurde vom Wahlkampfteam des Milliardärs dementiert. Ailes gilt sowohl als Vater des Erfolgs von Fox News als auch als Erfinder des polarisierenden Kurses, dem dieser Erfolg zugeschrieben wird und den er gegen den Widerstand von Konzernchef Rupert Murdoch durchsetzte.

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