Trump in der nationalistischen, sexistischen und rassistischen Überbietungsspirale

Trump greift Slogans von der rechten Gruppe "Ilhan must go" auf. Bild von Ilhan must go

Beim Schlagabtausch mit nicht-weißen demokratischen Frauen im Kongress soll Amerika nationalistisch von beiden Seiten gerettet werden

US-Präsident Donald Trump fürchtet schon jetzt im Wahlkampf, von demokratischen Kandidaten abgehängt zu werden. In der aktuellen Umfrage von NBC/WSJ liegt er mit 42 Prozent gleich um 9 Prozentpunkte hinter dem konservativen und bei den Demokraten umstrittenen Ex-Vizepräsident Joe Biden zurück, der in einer Stichwahl von 51 Prozent gewählt würde. Auch der linke Bernie Sanders liegt mit 7 Prozentpunkten vor Trump, der schon länger die Gefahren einer linken Politik mit Rückgriff auf den Antikommunismus des Kalten Kriegs beschwört. Auch gegenüber Elizabeth Warren liegt er 5 Punkte zurück. Und selbst hinter Kamala Harris mit 45 zu 44 Prozent um einen Punkt.

Gegenüber Biden liegt Trump bei den Männern, den Weißen und Weißen ohne Highschool-Abschluss vorne, bei den übrigen drei bei den Weißen und in den Vorstädten. Was macht Trump? Er beschimpft die vier nicht-weißen demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib, sie sollten so schnell als möglich in ihre "zerfallenen und durch Kriminalität verseuchten" Länder abhauen. Dumm nur, dass alle amerikanische Staatsbürgerinnen sind und bis auf Ilhan Omar, die mit 12 Jahren in die USA aus Somalia kam, auch in den USA geboren wurden.

"Ihr könnt gar nicht schnell genug gehen"

Trump erregte sich, dass die "progressiven" Politikerinnen, die "den Menschen der USA, der größten und mächtigsten Nation der Erde, bösartig sagen, wie ihre Regierung handeln soll". Es ist das "Argument", das man auch hierzulange gerne hörte, wenn man Westdeutschland, die Regierung oder den Kapitalismus kritisierte. Wenn es einem hier nicht gefällt, solle man doch "nach drüben" gehen.

Trump will, dass die Frauen, die seiner Ansicht nach "ursprünglich aus Ländern kommen, deren Regierungen eine vollständige und totale Katastrophe, die schlimmsten, korruptesten und unfähigsten der Welt sind (wenn sie überhaupt eine funktionierende Regierung haben)", dorthin gehen und diesen helfen. Dann könnten sie wieder herkommen und "uns zeigen, wie das geht. Während die Amerikaner schließlich Trump haben, würden "diese Orte eure Hilfe dringend benötigen, ihr könnt gar nicht schnell genug gehen".

Anstatt Wählerschichten anzusprechen, die ihn bisher ablehnen, wütet er rassistisch gegen die nicht-weißen Abgeordneten, die nicht zufällig allesamt Frauen sind. Damit will er die weißen, rechten, weniger gebildeten und nicht mehr jungen Männer hinter sich bringen, die zwar sein hauptsächliches Wählerreservoir sind, aber nicht ausreichen würden, erneut gewählt zu werden, sofern die Demokraten nicht wieder einen ebenso ungeliebten Kandidaten aufstellen und sich untereinander zerfleischen wie das 2016 mit Hillary Clinton der Fall gewesen war, die Bernie Sanders abservieren ließ.

"Ich liebe dieses Land wahrscheinlich mehr als jeder, der hier geboren wurde"

Anlass des Wutausbruchs von Trump war eine Veranstaltung von Netroots Nation am Samstag in Philadelphia, auf der Ilhan Omar versuchte, sich als einstige Migrantin besonders patriotisch darzustellen. Sie liebe "dieses Land wahrscheinlich mehr als jeder, der hier geboren wurde". Damit wollte sie erklären, dass ihre Kritik der USA keineswegs anti-amerikanisch gemeint sei. Sie sei beunruhigt, dass die USA weiter in ihrer "Heuchelei" leben: "Wir exportieren die amerikanische Ausnahmestellung, das große Amerika, das Land der Freiheit und der Gerechtigkeit. Wenn Sie jemanden auf der Straße irgendwo in der Welt fragen, wird er sagen "das große Amerika", aber wir leben diese Werte hier nicht mehr. Diese Heuchelei beunruhigt mich. Ich will, dass das große Amerika wieder das große Amerika ist."

Das klingt nicht sehr viel klüger als Trumps Äußerungen - und war natürlich gegen Trumps Amerika gerichtet. Was Trump bewogen hat, dann gleich gegen alle vier neuen nicht-weißen Abgeordnetenfrauen mit kruden rassistischen und nationalistischen Vorurteilen auszuschlagen, lässt sich wahrscheinlich nur aus einer gewissen Panik erschließen, zu der sich die Absicht gesellt, Vorurteile gegen nicht-weiße Frauen mit Migrationshintergrund bei seiner Klientel zu schüren, der das gefällt, wie er weiß, vielleicht aber auch, um weiße und nicht-weiße Präsidentschaftskandidatinnen gegeneinander auszuspielen.

So steht Nancy Pelosi gerade unter Kritik von linken Demokratinnen wie Ocasio-Cortez, weil sie nicht Milliarden für den Grenzbau blockierte und ein von manchen gewünschtes Impeachment-Verfahren blockiert. Das war der Grund, warum Trump schrieb, sie würde glücklich sein, den vier Abgeordneten kostenlose Reisemöglichkeiten zu verschaffen. Am Sonntag versuchte er hier weiter eine Bresche zu schlagen. Die Frauen, die "so schlecht über die USA sprechen" und die "Israel hassen", würden, wenn man sie kritisiert, immer mit "Rassist" zurückschlagen, auch gegen Nancy Pelosi. Die Kritik an ihm deutete er flugs um, sie würden "schreckliche Dinge über unser Land sagen", wenn die Demokraten dies zuließen, würden sie die Rechnung bei den Wahlen erhalten.

Natürlich schlugen die derart Traktierten auf ähnliche Weise zurück. "Mr. President, das Land, aus dem ich komme und dem wir alle verpflichtet sind, sind die USA. Sie verlassen auf ein verängstigtes Amerika", schrieb Ocasio-Cortez. Omar meinte: "Sie schüren den weißen Nationalismus, weil es sie ärgert, dass Menschen wie wir im Kongress sind und gegen Ihre hasserfüllte Agenda kämpfen." Und sie legte noch was drauf: "Als Mitglieder des Kongresses sind die USA das einzige Land, auf das wir ein Gelübde ablegen. Deswegen kämpfen wir, um das Land vom schlimmsten, korruptesten und ungeeignetsten Präsidenten zu schützen, den wir jemals hatten."

Auch Hillary Clinton schaltete sich ein: "Sie sind von Amerika, und Sie haben in einem Recht: Gegenwärtig ist ihre Regierung eine vollständige und totale Katastrophe." Und Nancy Pelosi solidarisierte sich auch mit den Frauen. Wenn Trump davon spricht, Amerika wieder groß zu machen, meine er immer, es wieder weiß zu machen.

Aus dem Ausland ließ nur die britische Regierungschefin Theresa May mitteilen, dass die Äußerungen Trumps "absolut inakzeptabel" seien. Aber der Mut kommt wohl auch daher, dass sie bald nicht mehr im Amt ist. Ansonsten wird geschwiegen, kritisiert CNN, was die Maßstäbe senke.

"Antisemitisch und antiamerikanisch"

Trump jedenfalls fuhr gestern fort, auf der aggressiven Masche weiter herumzureiten, um Rassismus und (weißen) Nationalismus zu schüren: "Wann werden sich die radikal linken Kongressfrauen gegenüber unserem Land, dem Volk von Israel und selbst dem Präsidentenbüro wegen der schlimmen Formulierungen, die sie verwendeten, und der schrecklichen Dinge, die sie sagten, entschuldigen. So viele Menschen sind über sie & ihre schrecklichen & abscheulichen Handlungen verärgert!" Es seien alle Kommunisten: "Sie hassen Israel, sie hassen unser eigenes Land, sie bezeichnen die Wachen an unserer Grenze Konzentrationslagerwachen …"

Das übernahm er wohl vom erzkonservativen republikanischen Senator Lindsey Graham. Dessen Äußerungen in Fox News scheinen ihm eingeleuchtet zu haben, seinen ersten Erregungsschwall zurückzuziehen, der dann doch verriet, dass er aus Unkenntnis oder aus kurzsichtigem Rassismus die Frauen als Nicht-Amerikanerinnen beschimpfte - und dabei das amerikanische Überlegenheitsgefühl über den Rest der Welt zum Ausdruck brachte.

Man müsse ja gar nicht persönlich über diese antisemitischen und antiamerikanischen Frauen sprechen, sondern nur über ihre Politik: "Ich denke, sie sind amerikanische Bürgerinnen, die korrekt gewählt wurden, die aber eine Agenda haben, die abscheulich ist, die das amerikanische Volk zurückweisen wird …" Wenn das die "politische" Auseinandersetzung ist, dann ist Amerika unter Trump wirklich tief gelandet.