Trump kommt nur zum Staatsbesuch, wenn May ihm eine gute Berichterstattung garantiert

Theresa May und Donald Trump am 8. Juli in Hamburg. Bild: Weißes Haus

Nach der geleakten Mitschrift eines Telefongespräche soll der US-Präsident den vereinbarten Besuch nur machen, wenn die britische Regierungschefin für einen "guten Empfang" sorgt

Nach Frankreich kam US-Präsident Donald Trump offenbar gerne, auch zum G20-Gipfel reiste er an. Mit Macron scheint er sich zu verstehen, den er etwa so pries: "Great bilateral meetings at Élysée Palace w/ President @EmmanuelMacron. The friendship between our two nations and ourselves is unbreakable."

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Doch Großbritannien, dessen Brexit-Anhänger in vielen Hinsichten mit der Trump-Politik konform gehen und wo die strauchelnde May-Regierung Rückhalt beim großen Bruder sucht, scheint Trump meiden zu wollen. Die britische Regierung will unbedingt mit den USA ein Handelsabkommen abschließen. Das will auch Trump, wie er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz während des G20-Gipfels am 8. Juli in Hamburg sagte und die sehr unterwürfig wirkende May schmeichelte, mit ihr eine "sehr besondere Beziehung" entwickelt zu haben.

Im Mai endete aufgrund der Wahlen eine Petition an das Parlament, die verhindern wollte, dass Trump offiziell als Staatsgast nach Großbritannien eingeladen wird. Seine Frauenfeindlichkeit und seine vulgären Äußerungen würden es ausschließen, von der Queen oder Prince Charles empfangen zu werden. Immerhin hatten mehr als 1,8 Millionen Menschen die Petition unterschrieben. Dazu beigetragen könnte auch haben, wie Trump versuchte, seinen Golfplatz in Schottland durchzudrücken.

Im Februar wurde die Petition im Parlament fast drei Stunden lang diskutiert. Die damalige Regierung erneuerte allerdings die Einladung an Donald Trump. Theresa May war schnell nach Amtsantritt nach Washington gereist, um sich den Beistand von Trump zu sichern. Dabei hatte sie ihn zu einem Staatsbesuch eingeladen, was der US-Präsident damals auch angenommen habe. May war seinerzeit auf der Höhe ihrer Macht, nachdem die Konservativen in den Wahlen überraschenderweise die Mehrheit verloren hatte und an ihrem Stuhl gesägt wird, ist Trump vermutlich auch deswegen zögerlich, sie mit einem Besuch zu stützen.

Die britische Zeitung Sun will jetzt eine Mitschrift eines Telefongesprächs zwischen May und Trump zugesteckt bekommen haben, in dem es um den Staatsbesuch geht. Darin soll Trump sehr zögerlich gewesen sein, überhaupt nach Großbritannien zu kommen. Er stellte May gegenüber auch die Anforderung, in Großbritannien freundlich begrüßt zu werden ("warm welcome"). Wenn May es nicht schaffe, dass er einen "besseren Empfang" erhalte, würde er gar nicht kommen.

Trump, der sich Medienaufmerksamkeit sonnt, aber alle kritische Medien als "Fake News" bekämpft, beklagte sich: "Ich habe in letzter Zeit keine gute Berichterstattung bekommen, Theresa." May antwortete: "Gut, Du weißt ja wie die britische Presse ist." Daraufhin meinte er, er werde trotzdem kommen, aber es habe ja keine Eile. Es würde aber alles sehr erleichtern, wenn May für ihn eine günstige Medienöffentlichkeit und einen besseren Empfang bewerkstelligen könne: "So, if you can fix it for me, it would make things a lot easier. When I know I'm going to get a better reception, I'll come and not before."

Darin ist unterstellt, die britische Regierungschefin könne die britischen Medien und vielleicht auch noch die britische Öffentlichkeit zugunsten von Trump manipulieren, was offenbart, dass Trump eigentlich die Erwartung zu haben scheint, dass ein Staat die Medien und damit die öffentliche Meinung kontrollieren müsse, was auch ein Hintergrund für seine Wut auf die ihn nicht feiernden "Fake News" sein könnte.

(Florian Rötzer)

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